Unternehmen / Schweiz 08:39 - 13.03.2017

Kritik an ABB wegen Südkorea-Affäre

Die Belastung, die ABB aus dem Betrugsfall in Südkorea erleidet, ist geringer als angekündigt. Indes werfen die Prüfer von Ernst & Young (EY) dem Unternehmen Versagen vor.
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CEO
Angelsächsische Kürzel für Unternehmenschef (Chief Executive Officer), Leiter der Finanzabteilung (Chief Financial Officer), Leiter Anlagestrategie (Chief Investment Officer) sowie Leiter operatives Geschäft (Chief Operating Officer), die gemeinsam die Geschäftsleitung bilden.
Generalversammlung
Oberstes Organ einer AG. Neben der ordentlichen jährlichen Versammlung der Aktionäre können auch ausserordentliche GV einberufen werden.
Geschäftsbericht
Enthält ausser der Bilanz und der Erfolgsrechnung Informationen über die künftige wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft, die Erfolge einzelner Geschäftszweige etc.
Reporting
Besteht für alle Abschlüsse in Effekten , die an der SIX gehandelt werden. Für Abschlüsse über das Börsensystem ist das Reporting automatisch. Andere ausserbörslich abgewickelte Geschäfte der Börsenmitglieder müssen der Börse innerhalb von dreissig Minuten gemeldet werden. Nach Handelsschluss sind ausserbörsliche Abschlüsse bis spätestens vor Handelseröffnung des nachfolgenden Handelstages zu melden.
Stempel
Historischer Oberbegriff für die eidgenössische Emissionsabgabe und die Umsatzabgabe .

(AWP) Der Schaden, der dem ABB-Konzern aus einem Betrugsfall in Südkorea erwachsen ist, ist etwas geringer ausgefallen als ursprünglich angekündigt. Dafür kommt Kritik von der Revisionsgesellschaft Ernst & Young (EY). Diese rügt in ihrem Bericht zu Handen der Generalversammlung das Verhalten von ABB (ABBN 23.06 -0.94%) und stellt eine ungenügende Kontrolle fest.

Die Belastung vor Steuern liege bei 73 Mio. $ und damit unter der ursprünglich genannten Schätzung von 100 Mio, teilte ABB am Montag mit. Grund dafür seien zu erwartende Versicherungsleistungen in Höhe von 30 Mio. $, wie aus dem am Montag publizierten Geschäftsbericht hervorgeht.

Vor rund drei Wochen hatte das Unternehmen bekanntgegeben, dass es bei der Tochtergesellschaft in Südkorea zur Unterschlagung und Veruntreuung von Geldern «in erheblichem Ausmass» gekommen sei. Der operative Gewinn auf Stufe EBITA wird für 2016 indes unverändert mit 4,19 Mrd. $ angegeben, während der Reingewinn mit 1,90 Mrd. etwas tiefer liegt als die ursprünglich gemeldeten 1,96 Mrd.

EY sieht Schwächen in der Kontrolle

Die Revisionsgesellschaft EY hält in ihrem Revisionsbericht innerhalb des Geschäftsberichts fest, dass die interne Kontrolle der Treasury-Funktionen bei der Südkoreanischen Tochtergesellschaft von ABB materielle Schwächen aufgewiesen habe. So seien etwa Verantwortlichkeiten nicht adäquat getrennt und die Zugangsmöglichkeiten auf das lokale «enterprise resource planning» (ERP)-System ungeeignet gewesen. Gefehlt habe darüber hinaus die physische Absicherung der Signatur-Stempel.

Das Management habe zudem nicht verhindert, dass nicht authorisierte finanziellen Verpflichtungen eingegangen worden sein. Die lokalen Treasury-Aktivitäten seien ausserdem nicht genügend überwacht worden. Insgesamt habe ABB per Ende 2016 die finanzielle Berichterstattung nicht genügend unter Kontrolle gehabt. EY hat in der Folge die Kontrolle des Reportings noch intensiviert und angepasst.

Derzeit läuft bei ABB eine Untersuchung, in die unabhängige kriminaltechnische und juristische Experten involviert seien. Zudem bestehe eine Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden.

CEO-Salär nicht tangiert

Keine Konsequenzen haben die Vorfälle auf die Entlöhnung von CEO Ulrich Spiesshofer. Dieser erhält gemäss Geschäftsbericht für 2016 eine Gesamtentschädigung von rund 9,28 Mio. Fr., bestehend aus einem Baranteil von 5,63 Mio. sowie einem aktieingebundenen Teil. Im Vorjahr hatte der CEO noch rund 9,1 Mio. erhalten.

Die Gesamtvergütung für die Konzernleitung reduzierte sich indes auf 44,2 von 45,5 Mio. Fr., diejenige für den Gesamtverwaltungsrat nahm dagegen leicht auf 3,73 Mio. von 3,63 Mio. Fr. im Vorjahr zu.

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