Zum Thema: Geld ultralang anlegen ist besser 11:05 - 03.03.2017

Alternativanlagen sind im Sinn der Versicherten

Christoph Grot
Das Gesamtportefeuille wird stabiler und die Renditeerwartung besser. Mit sorgfältiger Auswahl ist die Höhe der Gebühren kein Gegenargument.
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zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Bond
Englische Bezeichnung sowohl für eine Anleihe wie auch für ihre handelbaren Bruchteile, also die Obligationen .
CTA
Computergestützte Anlagestrategie, die auf Futures spezialisiert ist und Markttrends rasch zu erkennen und auszunutzen sucht.
Cat Bonds
Wertschriften, mit denen Erst- und Rückversicherer Spitzenrisiken aus dem Versicherungsgeschäft wie Naturkatastrophen in verbriefter Form auf institutionelle Investoren übertragen. Cat Bonds dienen dem Ausgleich von Spitzenrisiken und gehören zu den ILS . Form des ART .
Diversifikation
Verteilung der Anlagesumme auf mehrere Anlagekategorien. Innerhalb eines Aktienmarktes führt die Diversifikation dazu, dass man titelspezifische Risiken verringert und bei genügend breiter Diversifikation schliesslich nur noch das systematische Risiko trägt.
ETF
ETF sind Anlagefonds, die kotiert sind und an der Börse wie Aktien permanent gehandelt werden. Bei den meisten bisher lancierten ETF handelt es sich um Indexfonds, deren Zielsetzung es ist, einen bestimmten Branchen- oder Länderindex (in der Regel Aktien) nachzubilden.
Hedge Funds
Anlagevehikel, die in der Regel ihr Domizil in Offshore-Finanzplätzen ohne strenge Aufsicht wie auf den Bahamas oder den Cayman Islands haben. Dies erlaubt ihnen, mit Fremdkapital (vgl. Leverage ) und Derivaten zu arbeiten. Damit können sie sowohl auf steigende als auch auf fallende Wertpapierkurse setzen. Der Hedge-Fund-Manager hat typischerweise einen Grossteil seines privaten Vermögens im Fonds plaziert und lässt sich vor allem über eine Performance Fee entschädigen.
High Yield Bond
Hochrentierende und zugleich durch hohe Risiken gekennzeichnete Anleihe . Die Emittenten solcher Titel sind oft Unternehmen mit einem Rating von BB+/Ba1 und tiefer, d. h. spekulativer Qualität .
Insurance Linked Securities
Von einem Erst- oder einem Rückversicherer emittierte Obligationen , in denen Risiken verbrieft werden und die von institutionellen Investoren gekauft werden. Bei den zugrundeliegenden Risiken handelt es sich um Spitzenrisiken oder ganze Portefeuilles. Die Zinszahlungen und/oder Kapitalrückzahlungen hängen vom Eintritt oder vom Ausmass eines entsprechenden Versicherungsereignisses ab. Eine Untergruppe der ILS sind Katastrophenanleihen . Form des ART .
Investment Grade
Qualitätsmerkmal für Anleihen und andere Schuldtitel, denen von den Ratingagenturen ein Rating von BBB– (Fitch und Standard & Poor’s) bzw. Baa3 (Moody's) oder höher zugeordnet wird (vgl. spekulative Qualität ).
Libor
Im Interbankengeschäft angewandter Geldmarktsatz , zu dem eine Bank einer anderen erstklassigen Bank Depositen offeriert. Er dient bei Anleihen mit variablem Zins (Floater) als Richtsatz zur Festlegung des Coupons für eine bestimmte Periode. Auch für andere Finanzgeschäfte dient er als Richtsatz, weshalb er eine grosse wirtschaftliche Bedeutung hat. Die SNB verwendet den Libor für Dreimonatsgelder in Franken seit Anfang 2 als Zielgrösse für die Geldpolitik. In der Eurozone heisst der entsprechende Satz European Interbank Offered Rate (Euribor).
Obligation
Als Wertpapier ausgestalteter und somit handelbarer Bruchteil (Stückelung ) einer Anleihe .
Performance
1. Verlauf des Kurses eines Wertpapiers. 2. Meist in Prozenten ausgedrückte Wertentwicklung eines Portefeuilles inklusive Ausschüttungen (reinvestiert). 3. Anlagepolitische Leistung der Leitung eines Anlagefonds, einer Beteiligungsgesellschaft, eines Hedge Fund oder einer Pensionskasse mit Blick auf das Anlageziel.
Rating
Einstufung der Bonität eines Schuldners durch spezialisierte Ratingagenturen anhand einheitlicher Kriterien und Verfahren. Am Rating kann ein Investor ablesen, wie hoch das Ausfallrisiko ist.
Rohstoffe
Werden in der Regel standardisiert und auf Termin (vgl. Futures ) gehandelt. Die Palette reicht von Edelmetallen über Basismetalle , Getreide und Ölsaaten , Soft Commodities und Fleisch sowie Milch bis zu Energie.
Zinskurve
Bildet den aktuellen Ertrag (Rendite auf Verfall ) von verzinslichen Anlagen mit verschiedener Laufzeit und gleicher Qualität ab. Weil die Erwartungen des Marktes in den aktuellen Renditen enthalten sind, entspricht die Zinskurve einer Konsensprognose der Anleger. Beispiele sind die Zinskurve der Eidgenossenschaft und die Kurve der Swapsätze .

Fortschrittliche Pensionskassen liefern mit Alternativanlagen beste Beweise dafür, dass sich Offenheit im Anlegen lohnt. Eine Neubeurteilung nichttraditioneller Anlagen drängt sich im Interesse aller aktiven Beitragszahler der zweiten Säule auf – nicht nur wegen des Ertragsdrucks, auch weil einige Angebote transparenter und günstiger geworden sind.

Christoph Gort Christoph Gort ist geschäftsführender Partner von SIGLO Capital Advisors. Bild: ZVGEs lässt sich zwar nicht abstreiten, dass in einem Universum von über 20 000 äusserst heterogenen Anbietern auch schwarze Schafe auftauchen. Aber einige Manager nahmen die teils berechtigten Vorwürfe ernst und bieten heute trans­parente, kosteneffiziente und attraktive Anlagelösungen an.

Zwei Beispiele dazu: Senior Secured Loans sind Darlehen an kleine und mittelgrosse Firmen. Sie ähneln den High Yield Bonds, d. h. Anleihen von Schuldnern mit niedrigem Rating, die gemäss den Anlageregeln der beruflichen Vorsorge als traditionelle Obligationen klassifiziert werden. Loans sind aber risikoärmer, weil sie in der Kapitalstruktur einer Firma über den Anleihen liegen, besichert sind und historisch geringere Kapitalverluste wegen Firmenkonkursen erlitten.

Zudem sind die Loans als Floating Rate mit einem Zinszuschlag gegenüber Libor konzipiert. Damit sind sie bei einer Verschiebung der Zinskurve weniger preissensitiv als Anleihen. Gewisse Funds sind bis auf die einzelnen Titel transparent, falls sich Anleger dafür interessieren.

Erkennbar wird, wie umfangreich der Manager diversifiziert, welche Sektoren im Vordergrund stehen, welche Titel gefährdet erscheinen oder wie hoch die erwartete Rendite ist. Loan-ETF, die renditemässig weit hinter den kaum replizier­baren Indizes landen, sind nicht günstiger, und ebenso wenig sind es viele aktive Funds, sowohl solche für Qualitätsanleihen (Investment Grade) als auch für High Yield Bonds.

Ein zweites Beispiel sind Hedge Funds mit Trendfolgestrategien (CTA). Sie suchen mit mathematischen Modellen in zahlreichen Märkten nach Preistrends und wetten auf deren Fortsetzung. Ihr Diversifikationspotenzial ist deshalb gross. Gerade in heftigeren Krisen, wenn Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen anhaltend an Wert verlieren, verhalten sich CTA im Gesamtportfolio stabilisierend.

Zentral ist ihr systematisches Anlagevorgehen. Entscheide werden nicht nach Bauchgefühl von Managern getroffen, sondern über Modelle gesteuert. Fortschrittliche Anbieter stellen diese Modelle den Anlegern zur Verfügung und zeigen ihre Positionen auf täglicher Basis.

Transparente Lösungen finden sich auch in weiteren Segmenten des Alternativmarkts, etwa in Insurance Linked Securities (Versicherungsverbriefungen wie bspw. Cat Bonds) und Private Debt Funds.

Im stark umkämpften Markt liegen die Gebühren für erstklassige Loan Funds und für ausgewählte CTA heute zwischen 0,3 und 1% jährlich ohne Performance­gebühr. Der Pauschalvorwurf, alle Alternativanlagen seien intransparent und teuer, ist unseriös und überholt.

Die Transparenz der genannten Beispiele bietet professionell aufgestellten oder beratenen Anlegern die Chance, mit Sorgfalt und Komfort in Alternative zu ­investieren. Damit dürfte sich dank geringerer Gebühren nicht nur die Diversifikation, sondern auch die erwartete Rendite verbessern, was im Niedrigzinsumfeld höchst willkommen ist.

Geld ultralang anlegen ist besserObligationen sind überteuert, und an der Aktienbörse wirkt das Potenzial begrenzt. Zusatzrendite winkt in nicht kotierten Investments mit ultralanger Kapitalbindung. Informierte Pensionskassen lassen sich davon nicht abschrecken. Kehren Sie hier zum Hauptartikel zurück.

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