Märkte / Makro 18:00 21. Dez 2012

Bank of Japan lockert die Geldpolitik weiter

Nach dem Wahlsieg der Liberaldemokraten hat die japanische Notenbank die geldpolitischen Zügel weiter gelockert. Das Anleihenkaufprogramm wird um 10 Bio. Yen aufgestockt.
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Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Aufstockung
Ausgabe fungibler Wertpapiere auf eine bereits ausstehende Anleihe .
Deflation
Breit angelegter Rückgang des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft , nicht nur in einzelnen Branchen (z. B. Informatik). In der Regel geht sie mit einer Rezession einher, weil es sich lohnt, Geld zu horten, statt zu investieren und zu konsumieren, da Güter und Dienstleitungen laufend günstiger werden und der Realzins unattraktiv hoch ist.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationsziel
Geldpolitisches Konzept der Zentralbanken in Grossbritannien, Schweden etc. Die Aufgabe ist, die monetären Bedingungen so auszurichten, dass die tatsächliche Inflationsrate so nahe wie möglich an das fixierte Inflationsziel (Bank of England: 2%, Riksbank: 2% +/–1 Prozentpunkt) heranreicht. Die Teuerung muss also nicht so tief wie möglich ausfallen. Die EZB orientiert sich ebenfalls an einem versteckten Inflationsziel, «nahe, aber knapp unter 2%».
Konsumentenpreise
Entwicklung der Preise der für den Alltag der Privathaushalte wichtigsten Waren und Dienstleistungen, von Benzin über Wohnungsmieten bis zum Kinoticket (aber ohne Krankenversicherungsprämien), monatlich erfasst im Landesindex der Konsumentenpreise. Zielgrösse der Definition von Preisstabilität der SNB .
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
QE
Früher verpönte unkonventionelle geldpolitische Massnahme. Statt über Zinssenkungen die Finanzierungsbedingungen zu lockern, wird die Geldmenge direkt ausgeweitet, indem Wertschriften oder Devisen angekauft werden, ohne paralell dazu eine Sterilisierung durchzuführen. Im schlimmsten Fall erwerben Notenbanken direkt die Schuldbriefe der Regierung und fördern damit eine zügellose Schuldenpolitik des Staates (Schuldenmonetisierung).
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Volkswirtschaft
Von Ökonomen verwendetes Synonym für die Wirtschaft eines Landes beziehungsweise einen Wirtschaftsraum wie die EU .
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Nur wenige Tage nach den Unterhauswahlen und dem Erdrutschsieg der Liberaldemokraten tagte am Donnerstag die Bank of Japan (BoJ) zur Festlegung der Geldpolitik. In ihrer letzten ordentlichen Sitzung im alten Jahr entschied sie, das Anleihenkaufprogramm um weitere 10 Bio. Yen (110 Mrd. Fr.) auf total 101 Bio. Yen auszuweiten. Den Leitzins beliess sie unverändert bei 0 bis 0,1%.

«Japans Wirtschaft kühlt sich weiter ab, und wir erwarten, dass sie bis auf weiteres sehr schwach bleiben wird», begründete  Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa den Entscheid. Die drittgrösste Volkswirtschaft befindet sich in der dritten Rezession seit der Jahrtausendwende.

Mit der fünften Aufstockung des Anleihenkaufprogramms in diesem Jahr ist die Bank of Japan unterdessen bei QE10 angelangt: Zehn Mal hat die BoJ seit der ­Finanzkrise 2008 Anleihen zur Stimulierung der Wirtschaft gekauft, was im Notenbankjargon quantitative Lockerung (Quan­titative Easing, QE) genannt wird.

Die Finanzmarktteilnehmer jedoch reagierten enttäuscht auf den Entscheid von Donnerstag. Viele hatten wohl mehr erwartet als nur die Fortsetzung der bisherigen Politik. Der Nikkei 225 (Nikkei 225 13245.22 1.83%) fiel in den vergangenen zwei Handelstagen 2,2%, der Yen wertete sich zum Dollar nach dem wochenlangen Sinkflug leicht auf.

Die BoJ steht unter Druck, die Deflation zu bekämpfen. Der designierte neue Regierungschef Shinzo Abe fordert von der Notenbank unter anderem eine Verdoppelung des Inflationsziels. Shirakawa hatte bisher eine Anhebung des Inflationsziels von 1 auf 2% strikt abgelehnt. Ein solch hohes Ziel ist laut dem Zentralbankchef kontraproduktiv für ein Land, in dem die Konsumentenpreise über Jahre kaum je mehr als 1% jährlich gestiegen sind. Im Anschluss an die Ankündigung liess er jedoch verlauten, dass die BoJ in einem Monat darüber diskutieren werde, ob es Spielraum gebe für eine Überarbeitung des Inflationsziels. In den Augen der Analysten der Commerzbank (CBK 7.551 0.2%) ist damit Shirakawa zwar eingeknickt, aber noch nicht umgefallen. Im April läuft jedoch seine Amtszeit aus, und Shinzo Abe wird dann seinem Ziel näher sein.