Märkte / Makro Dossier Fünf Jahre nach Lehman 15:23 - 13.09.2013

Chronologie der Finanzkrise

In den vergangenen Jahren ist die Finanzwelt in ihren Grundfesten erschüttert worden. Eine Chronologie von 68 Daten, beginnend mit den ersten substanziellen Subprime-Verlusten der HSBC im Februar 2007.
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Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
BIP
Wertschöpfung einer Volkswirtschaft . Die Entwicklung des BIP ist eine wichtige Einflussgrösse für die Gewinne der Unternehmen sowie das Zinsniveau und dadurch indirekt für Aktien und Obligationen .
Basel II
Basler Eigenkapitalvereinbarung der BIZ , die 2007 den Vorgänger-Akkord von 1988 abgelöst hat. Basel II basiert erstens auf einer detaillierteren und risikogerechteren Ermittlung der Mindestanforderungen an die Eigenkapitalunterlegung. Ausser Markt- und Kreditrisiken, die neu nach verschiedenen Verfahren je nach Komplexität der Geschäfte und der Qualität des Risikomanagements der jeweiligen Bank ermittelt und gewichtet werden, müssen auch operationelle Risiken unterlegt werden. Zweitens verlangt Basel II ein verstärktes Überprüfungsverfahren, mit dem die Aufsichtsinstanzen die Solidität der bankinternen Eigenmittelbeurteilung sicherstellen sollen. Drittens zielen verschärfte Offenlegungsvorschriften auf eine bessere Marktdisziplin in Bezug auf Risikoprofil und Eigenkapitalausstattung ab. Wegen der Finanzkrise wurde Basel II im Jahr 2010 um Basel III ergänzt.
Basel III
Ergänzung zu Basel II . Das neue Regelwerk umfasst die Themen Eigenkapital, Liquidität, Marktdisziplin sowie Risikomanagement und Aufsicht. Basel III gilt ab 1. Januar 2013, allerdings müssen erst ab 1. Januar 2019 sämtliche Anforderungen in vollem Umfang erfüllt sein. Die harte Kernkapitalquote nach Basel III muss am Ende 7% der Risikoaktiva erreichen (4,5% plus Puffer von 2,5%). Zudem sollen in Basel III neu eine Höchstverschuldungsquote (Leverage Ratio ), eine Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) und eine strukturelle Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio, NSFR) festgelegt werden.
Bear
Anleger, der eine Baisse erwartet. Gegenteil: Haussier .
Bond
Englische Bezeichnung sowohl für eine Anleihe wie auch für ihre handelbaren Bruchteile, also die Obligationen .
Budget
Geplante künftige Einnahmen und Ausgaben während eines bestimmten Zeitraums (Finanzbudget). Bei einem Erfolgsbudget werden die geplanten künftigen Kosten und Erlöse bzw. der geplante Aufwand und Ertrag einander gegenübergestellt.
CEO
Angelsächsische Kürzel für Unternehmenschef (Chief Executive Officer), Leiter der Finanzabteilung (Chief Financial Officer), Leiter Anlagestrategie (Chief Investment Officer) sowie Leiter operatives Geschäft (Chief Operating Officer), die gemeinsam die Geschäftsleitung bilden.
Cap
Kurs eines Basiswerts oder ein Zins, den zu erreichen oft darüber entscheidet, ob der Basiswert geliefert oder ein Barbetrag gezahlt wird.
Devisen
Auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen, insbesondere Bankguthaben, Checks und Wechsel. Allgemein auch ein Sammelbegriff für ausländische Währungen.
EFSF
Finanzierungsvehikel, das über Garantien der Mitgliedstaaten der Eurozone ermächtigt ist, am Kapitalmarkt bis zu 440 Mrd. € aufzunehmen. Daraus werden Kredite an Mitgliedländer gewährt, die darum ersuchen, weil ihr Staatshaushalt in Schwierigkeiten ist. Das maximale Kreditvolumen ist de facto tiefer, weil die von der EFSF ausgegebenen Anleihen mit einem Deckungsstock von 120% ausgestattet werden müssen, um das angestrebte höchste Rating Triple-A zu erhalten. Die Haftung der einzelnen Länder ist begrenzt und gemäss ihrem Anteil am Kapital der Europäischen Zentralbank vorgegeben. Befristet ist die EFSF bis Mitte 2013 respektive bis zum Ende der Laufzeit der ausgegebenen Anleihen. Sie ist ein Element des EU-Rettungsschirms .
ESM
Permanente Fazilität für Notkredite an Staaten der Eurozone. Ab Mitte 2013 Nachfolger der EFSF und des EFSM . Anders als die EFSF wird der ESM über einen sogenannten bevorzugten Gläubigerstatus verfügen, d. h. vorrangig gegenüber privaten Gläubigern sein und nur hinter dem IWF zurückstehen (vgl. EU-Rettungsschirm ).
EU
Supranationale Organisation (früher Europäische Gemeinschaft), in der 27 europäische Staaten zusammengeschlossen sind. Pfeiler ist die wirtschaftliche Integration. Die wichtigsten Errungenschaften sind der Binnenmarkt und der Euro .
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Eigenkapital
Der Teil des Gesamtkapitals, der den Aktionären gehört und ihnen im Fall einer Geschäftsaufgabe ausgezahlt wird. Aus Sicht der Aktionäre besteht die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens darin, auf dem Eigenkapital eine risikogerechte Rendite zu erwirtschaften (vgl. Eigenkapital der Banken ).
European Financial Stability Facility
Finanzierungsvehikel, das über Garantien der Mitgliedstaaten der Eurozone ermächtigt ist, am Kapitalmarkt bis zu 440 Mrd. € aufzunehmen. Daraus werden Kredite an Mitgliedländer gewährt, die darum ersuchen, weil ihr Staatshaushalt in Schwierigkeiten ist. Das maximale Kreditvolumen ist de facto tiefer, weil die von der EFSF ausgegebenen Anleihen mit einem Deckungsstock von 120% ausgestattet werden müssen, um das angestrebte höchste Rating Triple-A zu erhalten. Die Haftung der einzelnen Länder ist begrenzt und gemäss ihrem Anteil am Kapital der Europäischen Zentralbank vorgegeben. Befristet ist die EFSF bis Mitte 2013 respektive bis zum Ende der Laufzeit der ausgegebenen Anleihen. Sie ist ein Element des EU-Rettungsschirms .
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
G-20
1999 gegründetes und 2008 im Zuge der Weltfinanzkrise politisch aufgewertetes Forum aus neunzehn Industrie- und Schwellenländern sowie der EU.
G-7
Am ersten Weltwirtschaftsgipfel 1975 im französischen Rambouillet nahmen sechs Staaten teil (die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien). Ein Jahr später schloss sich ihnen als siebter Kanada an (G-7-Staaten).
G-8
G-7 plus Russland.
GV
Oberstes Organ einer AG. Neben der ordentlichen jährlichen Versammlung der Aktionäre können auch ausserordentliche GV einberufen werden.
Grossbanken
In der Schweiz UBS und Credit Suisse. Sie sind mit einem Anteil von 50% an der Bilanzsumme und 75% an der Börsenkapitalisierung aller Schweizer Bankaktien die bedeutendste Bankengruppe. Auch international gehören sie zu den grössten Banken.
IWF
Wurde wie die Weltbank 1944 in Bretton Woods (USA) gegründet. Mitglieder sind die Regierungen. Der IWF fördert die internationale währungspolitische Zusammenarbeit und stellt den derzeit 185 Mitgliedern vorübergehend finanzielle Mittel zur Verfügung. Die Schweiz gehört ihm seit 1992 an.
Insolvenz
Liegt vor, wenn ein Schuldner Zinszahlungen und Tilgung nicht fristgerecht und vollständig leistet. Gemäss der Praxis der Ratingagenturen gilt eine Zahlungsverzögerung von mehr als dreissig Tagen als Default. Der Default bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Gläubiger das ganze Kapital verliert, weil im Zuge des Konkursverfahrens meist eine Konkursdividende ausgeschüttet wird. Bei Kreditderivaten gilt der Default als Kreditereignis . Anleihenumstrukturierungen (Exchangeables) gelten gemäss Ratingagenturen ebenfalls als Zahlungsausfall.
Investmentbank
Wickelt das Emissionsgeschäft, das Handelsgeschäft mit Effekten , Devisen , Edelmetallen und derivativen Instrumenten , das Repogeschäft sowie die Unternehmensfinanzierung einschliesslich Fusionen und Übernahmen ab.
Kapitalerhöhung
Kapitalbeschaffung der Aktiengesellschaft durch Erhöhung des Aktienkapitals . Zu unterscheiden sind ordentliche, bedingte und genehmigte Kapitalerhöhung.
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kreditklemme
Drosselung der Kreditvergabe durch die Banken. Zinssenkungen der Notenbank sind in einem solchen Fall nur bedingt wirksam, denn die Banken können nicht zur Kreditvergabe gezwungen werden.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Leitzinsen
Zinsen der Zentralbanken zur Geldmengensteuerung mit Signalwirkung für die Geldpolitik, in den USA Federal Funds Target Rate genannt. Die Schweizerische Nationalbank verwendet ein Zielband für den Dreimonatssatz Libor .
Leverage
Mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz lässt sich mit derivativen Instrumenten eine grössere Rendite erzielen, als es mit einer Investition in den eigentlichen Basiswert möglich ist. Dieser Effekt wird als Hebelwirkung bezeichnet. Der Leverage von Derivaten berechnet sich aus dem Hebelfaktor multipliziert mit dem Delta . Leverage kann auch mit Einsatz von Fremdkapital erreicht werden (vgl. Hebelwirkung ).
Libor
Im Interbankengeschäft angewandter Geldmarktsatz , zu dem eine Bank einer anderen erstklassigen Bank Depositen offeriert. Er dient bei Anleihen mit variablem Zins (Floater) als Richtsatz zur Festlegung des Coupons für eine bestimmte Periode. Auch für andere Finanzgeschäfte dient er als Richtsatz, weshalb er eine grosse wirtschaftliche Bedeutung hat. Die SNB verwendet den Libor für Dreimonatsgelder in Franken seit Anfang 2 als Zielgrösse für die Geldpolitik. In der Eurozone heisst der entsprechende Satz European Interbank Offered Rate (Euribor).
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Obergrenze
Kurs eines Basiswerts oder ein Zins, den zu erreichen oft darüber entscheidet, ob der Basiswert geliefert oder ein Barbetrag gezahlt wird.
QE
Früher verpönte unkonventionelle geldpolitische Massnahme. Statt über Zinssenkungen die Finanzierungsbedingungen zu lockern, wird die Geldmenge direkt ausgeweitet, indem Wertschriften oder Devisen angekauft werden, ohne paralell dazu eine Sterilisierung durchzuführen. Im schlimmsten Fall erwerben Notenbanken direkt die Schuldbriefe der Regierung und fördern damit eine zügellose Schuldenpolitik des Staates (Schuldenmonetisierung).
Quantitative Easing
Früher verpönte unkonventionelle geldpolitische Massnahme. Statt über Zinssenkungen die Finanzierungsbedingungen zu lockern, wird die Geldmenge direkt ausgeweitet, indem Wertschriften oder Devisen angekauft werden, ohne paralell dazu eine Sterilisierung durchzuführen. Im schlimmsten Fall erwerben Notenbanken direkt die Schuldbriefe der Regierung und fördern damit eine zügellose Schuldenpolitik des Staates (Schuldenmonetisierung).
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
SNB
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
Stresstest
Simulationstechnik, mit der das Verhalten eines Portfolios in einem bestimmten, meist extremen Finanzmarktszenario getestet wird.
VR
Überwacht und lenkt (über die Strategiefestlegung) für die Gesamtheit der Aktionäre die Geschäftsleitung eines Unternehmens. Die VR-Mitglieder einer AG schweizerischen Rechts müssen in der Regel mehrheitlich das Schweizer Bürgerrecht besitzen und in der Schweiz wohnhaft sein. Der VR besteht aus exekutiven (unternehmensinternen) und nicht exekutiven (externen) Mitgliedern. Immer mehr setzt sich im Rahmen einer guten Corporate Governance die Praxis durch, dass ein bedeutender Teil der VR in keiner geschäftlichen Beziehung zum Unternehmen stehen darf. Der VR wird von der GV gewählt.
Wertpapier
Urkunde, mit der ein Recht derart verknüpft ist, dass es ohne die Urkunde weder geltend gemacht noch auf andere übertragen werden kann. Zu den Wertpapieren zählen Aktien , Obligationen , Partizipations- und Genussscheine , Anteile von Anlagefonds , Warrants und strukturierte Produkte .
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Der Kollaps von Lehman Brothers am 15. September 2008 markiert einen Wendepunkt in der globalen Wirtschafts­geschichte. Die Folgen des Bankrotts sollten die Finanzwelt in ihren Grundfesten erschüttern, die grösste Wirtschaftskrise seit der Grossen Depression der Dreissigerjahre auslösen – die sogenannte Grosse Rezession – und schliesslich in der Schuldenkrise der Eurozone ihre Fortsetzung finden. Die abgebildete Chronologie gibt einen Überblick über die wichtigsten ­Ereignisse, die sich vor und nach dem 15. September 2008 ereignet haben.

8. Februar 2007: HSBC (HSBA 467.9 1.1%) kündigt den ersten substanziellen Verlust im Zusammenhang mit Subprime-Krediten an.

10. Februar 2007: Die G-7 treffen sich in Deutschland und diskutieren die globalen Finanzprobleme. US-Finanzminister Henry Paulson erklärt, der amerikanische Immobilienmarkt habe sich abgekühlt, zeige aber Zeichen der Stabilisierung.

3. Mai 2007: Die UBS (UBSG 12.67 0.8%) kündigt an, Dillon Read Capital Management abzuwickeln. DRCM hat im ersten Quartal 2007 wegen des Engagements im US-Immobilienmarkt 150 Mio. Fr. verloren.

 17. Mai 2007: US-Notenbankchef Ben Bernanke hält die Subprime-Krise für ein befristetes und überschaubares Problem: «The effect of the troubles in the subprime sector on the broader housing market will likely be limited, and we do not expect significant spillovers from the subprime market to the rest of the economy or to the financial system.»

Juni 2007: Standard & Poor’s und Moody’s stufen 100 Bonds zurück, die mit Hypotheken besichert sind.

7. Juni 2007: Bear Stearns setzt den Rückkauf von Anteilen des High-Grade Structured Credit Strategies Enhanced Leverage Fund aus.

22. Juni 2007: Bear Stearns steckt 3,2 Mrd. $ in die Rettung von zwei Fonds, die im Subprime-Markt investiert sind.

22. Juni 2007: Marcel Rohner wird CEO der UBS, Peter Wuffli tritt zurück. Raoul Weil übernimmt von Rohner den Posten als CEO Global Wealth Management & Business Banking.

20. Juli 2007: Bernanke warnt, die Subprime-Krise könnte bis zu 100 Mrd. $ kosten.

31. Juli 2007: Bear Stearns setzt den Rückkauf von Anteilen eines dritten Fonds aus und beantragt Gläubigerschutz für die beiden Fonds, die bereits gerettet werden mussten.

6. August 2007: American Home Mortgage Investment Corporation, einer der grössten unabhängigen US-Hypothekaranbieter, meldet Insolvenz an.

9. August 2007: Der Interbankenmarkt friert ein. Die EZB pumpt 335 Mrd. € in das Bankensystem. Fed und Bank of Japan unternehmen ähnliche Schritte.

13. August 2007: Goldman Sachs (GS 148.58 2.12%) pumpt 3 Mrd. $ in einen Hedge Fund, der unter den Folgen der Kreditklemme leidet.

4. September 2007: Der Interbankenmarkt kollabiert.

7. September 2007: Der USD-Libor klettert auf den höchsten Stand seit Dezember 2000 auf 5,725%.

14. September 2007: Northern-Rock-Bank-Run: Die Bank muss auf Notfallliquidität der Bank of England zurückgreifen. Northern Rock wird Opfer der ausgetrockneten Interbankenmärkte. Die Kunden ziehen 2 Mrd. £ ab. Es ist der grösste Bank Run in Grossbritannien seit über hundert Jahren.

20. September 2007: Bernanke sagt, die Verluste aus der Subprime-Krise werden höher ausfallen als erwartet.

17. Februar 2008: Northern Rock wird verstaatlicht.

22. März 2008: Gerüchte um einen Kollaps von Bear Stearns machen die Runde. Das Fed spricht eine Garantie über 30 Mrd. $ aus. J.P. Morgan übernimmt Bear Stearns.

1. April 2008: Die UBS gibt für das 1. Quartal 2008 einen Verlust von 12 Mrd. Fr. bekannt, weitere 19 Mrd. Fr. werden abgeschrieben. Die Grossbank kündigt eine Kapitalerhöhung in Höhe von 15 Mrd. Fr. an. VR-Präsident Marcel Ospel will bei der GV vom 23. April nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Als Nachfolger wird Chefjurist Peter Kurer nominiert.

14. Juli 2008: Die US-Finanzbehörden sichern Fannie Mae und Freddie Mac Hilfe zu. Rund die Hälfte aller amerikanischen Hypotheken laufen über Fannie und Freddie.

7. September 2008: Die US-Regierung rettet die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

11. September 2008: Lehman Brothers weist einen Verlust von 4 Mrd. $ aus und erklärt, einen Käufer zu suchen.

13./14. September 2008: Am Wochenende wird um eine Lösung für Lehman gerungen. Die US-Notenbank will keine Finanzhilfe zur Verfügung stellen. Barclays (BARC 135.95 -1.95%) und Bank of America (BAC 13.27 0.61%) gelten als potenzielle Käufer, beide ziehen sich jedoch zurück. Die Verhandlungen scheitern. Bank of America kauft stattdessen Merrill Lynch.

15. September 2008: Lehman erklärt Insolvenz. Es ist der grösste Bankrott in der Geschichte der USA.

17. September 2008: Die US-Notenbank greift AIG mit einem Kredit von 85 Mrd. $ unter die Arme, die Regierung übernimmt den Versicherungsriesen zu 80%. Für das Schlussquartal 2008 weist AIG den grössten je von einem Unternehmen gemeldeten Verlust von 61,7 Mrd. $ aus.

22. September 2008: Morgan Stanley (MS 25.98 2.97%) und Goldman Sachs geben ihren Status als Investmentbank auf. Damit erhalten sie Zugang zum Discount-Finanzierungsfenster des Fed.

2. Oktober 2008: Troubled Asset Relief Program (Tarp): Die US-Regierung verabschiedet nach zähem Ringen einen 700-Mrd.-$-Plan, um den Finanzsektor zu retten. Zwangsrekapitalisierung der dreizehn wichtigsten Banken.

8. Oktober 2008: Sieben Zentralbanken senken in einer gemeinsamen Aktion ihre Leitzinsen.

13. Oktober 2008: Die britische Regierung übernimmt 58% der Royal Bank of Scotland.

13. Oktober 2008: Die europäischen Regierungen stellen rund 1000 Mrd. € für die Finanzbranche zur Verfügung.

16. Oktober 2008: Rettung der UBS: Die SNB (SNBN 1099 -0.72%) übernimmt ein Portfolio an toxischen Krediten im Umfang von 60 Mrd. $. Der Bund stellt zusätzlich 6 Mrd. Fr. in Form einer Pflichtwandelanleihe zur Verfügung.

9. November 2008: China beschliesst ein Konjunkturprogramm: Über zwei Jahre will die Regierung 586 Mrd. $ in die Infrastruktur und in soziale Projekte investieren.

14. November 2008: Die Wirtschaft der Eurozone rutscht erstmals in die Rezession ab.

15. November 2008: Die G-20, bestehend aus führenden Industrie- und Schwellenländern, beschliessen am Weltfinanzgipfel in Washington einen umfassenden Aktionsplan für eine Neuordnung der globalen Finanzmärkte.

25. November 2008: QE1 (Dezember 2008 – Juni 2010): Das Fed startet ein Anleihenkaufprogramm (Quantitative Easing) im Umfang von 800 Mrd. $.

5. Januar 2009: Der neugewählte US-Präsident Barack Obama hält die US-Wirtschaft für «sehr krank» und befürchtet eine Verschlimmerung der Situation.

 2. Februar 2009: Die UBS meldet einen Verlust von 20 Mrd. Fr. für das Jahr 2008. Es handelt sich um den grössten Verlust in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte.

17. Februar 2009: US-Präsident Obama verabschiedet ein Konjunkturpaket über 787 Mrd. $. Mit dem Programm sollen 3,5 Mio. neue Stellen geschaffen und die Konsumausgaben angekurbelt werden.

26. Februar 2009: Die Royal Bank of Scotland weist für 2010 einen Verlust von umgerechnet 40 Mrd. Fr. aus. Es ist der grösste Verlust in der britischen Wirtschaftsgeschichte.

18. März 2009: Die US-Notenbank erhöht das QE-Programm und pumpt weitere 1000 Mrd. $ in die Kreditmärkte. Das Fed kündigt den Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren in Höhe von 750 Mrd. $ und Staatsanleihen in Höhe von 350 Mrd. $ an.

2. April 2009: In London findet ein weiterer G-20-Gipfel statt. Die Teilnehmer beschliessen Massnahmen im Umfang von 1,1 Bio. $ zur Bekämpfung der Krise.

4. April 2009: Japan kündigt das dritte Konjunkturpaket seit August 2008 an. Die Massnahmen belaufen sich auf über 300 Mrd. $.

7. Mai 2009: Die US-Notenbank publiziert das Resultat des Banken-Stresstests: Zehn Grossbanken brauchen zusätzliches Kapital im Umfang von rund 75 Mrd. $. Den grössten Bedarf hat Bank of America mit 34 Mrd. $.

26. September 2009: Am Gipfeltreffen in Pittsburgh beschliessen die G-20-Staaten Massnahmen, um künftige Krisen zu verhindern. Dazu gehören strengere Eigenkapitalregeln für Banken. Der Druck auf Steueroasen wird verstärkt. Die G-20 lösen die G-8 als massgebliches Gremium für globale Wirtschaftsfragen ab.

19. Oktober 2009: Der neu gewählte griechische Premierminister George Papandreou erklärt, die Staatsfinanzen seien gefälscht gewesen. Das Budgetdefizit sei doppelt so hoch, wie von der vorherigen Regierung kommuniziert und würde rund 12% des BIP betragen. Die Eurokrise beginnt.

25. März 2010: Die Eurogruppe und der IWF sichern Griechenland ein Rettungspaket zu, sollte das Land Hife beantragen.

23. April 2010: Griechenland beantragt offiziell internationale Finanzhilfe. Das Rettungspaket wird am 2. Mai verabschiedet und hat ein Volumen von 110 Mrd. €.

27. April 2010: Standard & Poor’s stuft Griechenland auf Ramschstatus herab.

10. Mai 2010: European Financial Stability Facility (EFSF): Die EU-Finanzminister einigen sich nach einer Marathonsitzung auf ein Massnahmenpaket, das die finanzielle Stabilität der Eurozone sichern soll. Das Paket hat ein Volumen von 500 Mrd. €, der IWF spricht zusätzlich 250 Mrd. €.

12. September 2010: Anlässlich des bevorstehenden Besuchs der Troika, die die Fortschritte des Landes beurteilen wird, sagt Griechenlands Premierminister Papandreou: «With the pace at which we are advancing and with the measures we have already taken, we are confident we will reach the goal we have set for 2010. There will not be more measures.»

3. November 2010: QE2 (November 2010 – Juni 2011): Das Fed kündigt an, Staatsanleihen im Umfang von 600 Mrd. $ aufzukaufen.

12. November 2010: Die G20 verabschieden am Gipfel in Seoul das Regelwerk Basel III. Die weltweite Regulierung der Banken soll vor weiteren Krisen schützen.

22. November 2010: Irland ist bankrott: Die Eurozone, EZB und IWF zapfen erstmals den Rettungsschirm an und einigen sich auf ein Rettungspaket von 85 Mrd. €.

6. April 2011: Portugal flüchtet unter den Rettungsschirm EFSF und erhält ein Hilfspaket im Umfang von 78 Mrd. €.

5. August 2011: Die USA verlieren ihr Spitzenrating und werden von Standard& Poor’s auf AA+ zurückgestuft.

6. September 2011: Die SNB beschliesst die Franken-Obergrenze und kündigt an, am Devisenmarkt ab sofort keinen Euro-Franken-Kurs unter 1.20 zu tolerieren.

21. September 2011: Operation Twist (September 2011 – Dezember 2012): Das Fed lanciert das Programm Operation Twist, damit sollen die langfristigen Zinsen gesenkt und die Kreditvergabe angekurbelt werden.

27. September 2012: Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) tritt in Kraft.

21. Dezember 2011: Longer Term Refinancing Operation (LTRO): Die EZB öffnet die Geldschleusen und stellt den Banken Kredite über drei Jahre zu einem Zins von 1% zur Verfügung. Das Volumen beträgt 489 Mrd. €.

29. Februar 2012: LTRO 2: Die EZB greift erneut zur Liquiditätsspritze. Die Banken nehmen rund 530 Mrd. € auf. Damit pumpt die Notenbank innerhalb von drei Monaten fast 1 Bio. € in das europäische Bankensystem.

26. Juli 2012: Mario Draghi betont an der anschliessenden Pressekonferenz zum EZB-Zinsentscheid: «Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.»

6. September 2012: Outright Monetary Transactions (OMT): Das Programm ermöglicht der EZB, unbeschränkt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen. Voraussetzung ist, dass der betreffende Staat an einem Hilfsprogramm teilnimmt.

13. September 2012: QE3 (September 2012 – heute): Das Fed kauft monatlich Anteile im Wert von 85 Mrd. $.

22. Mai 2013: US-Notenbankchef Ben Bernanke deutet in einer Rede vor dem Kongress an, das Stimulusprogramm QE3 könnte unter bestimmten Bedingungen beendet werden (Tapering).

30. Juli 2013: Die UBS erklärt, bis Ende Jahr den Rettungsfonds (StabFund) von der SNB zurückzukaufen.

2. August 2013: Der S&P 500 (SP500 2098.86 1.36%) klettert auf den höchsten Stand seit 2005 und erreicht 1709,67 Punkte.

18. September 2013: Das Fed muss an seiner Zinssitzung entscheiden, ob die US-Wirtschaft stabil genug ist, um das Anleihenkaufprogramm zu reduzieren.

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