Märkte / Makro 17:36 - 07.03.2017

Das Fed bläst zum Angriff

Die US-Notenbank geht mit der Zinspolitik zum ersten Mal in die Offensive. An den Märkten steht damit eine der bedeutendsten Zäsuren seit der Finanzkrise bevor.
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zum Stichwort
Arbeitslosenquote
Prozentualer Anteil der arbeitswilligen Personen ohne Stelle, gemessen als Verhältnis zwischen den Arbeitslosen und der Erwerbsbevölkerung.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Hausse
Längere Zeit anhaltende Kurssteigerungen an der Börse, auch Bull Market genannt. Gegenteil: Baisse .
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
QE
Früher verpönte unkonventionelle geldpolitische Massnahme. Statt über Zinssenkungen die Finanzierungsbedingungen zu lockern, wird die Geldmenge direkt ausgeweitet, indem Wertschriften oder Devisen angekauft werden, ohne paralell dazu eine Sterilisierung durchzuführen. Im schlimmsten Fall erwerben Notenbanken direkt die Schuldbriefe der Regierung und fördern damit eine zügellose Schuldenpolitik des Staates (Schuldenmonetisierung).
Research
Systematische Wertpapierbeurteilung als Grundlage für die Anlagepolitik. Sie gliedert sich in die Fundamentalanalyse und die technische Analyse .
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Spekulation
Tätigkeit, die darauf ausgerichtet ist, aus einer erwarteten Marktveränderung Nutzen zu ziehen. Im engeren Sinne umfasst die Spekulation Geschäfte, bei denen hohe Gewinn- und Verlustrisiken eingegangen werden.
Terminbörsen
Marktplätze, an denen Futures und Optionen gehandelt werden. Zu den bekanntesten zählen: Chicago Board of Trade (CBOT) und Chicago Mercantile Exchange (CME) – beide gehören zur CME Group –, Eurex (Tochter der Deutschen Börse und der SIX ), London International Financial Futures and Options Exchange (Liffe, Tochter von Nyse Euronext), Chicago Board of Options (CBOE), International Securities Exchange (ISE) – Tochter der Eurex –, New York Mercantile Exchange (Nymex), Intercontinental Exchange (ICE) und New York Board of Trade (Nybot), Tochter der ICE.
Wallstreet
Im übertragenen Sinne Bezeichnung für die an der Strasse Wall Street gelegene Nyse , aber auch allgemein für New York als Finanzplatz .

Es ist die bisher grösste Überraschung des Jahres: Einen Börsencrash oder katastrophale Daten zum Arbeitsmarkt ausgenommen, wird das Federal Reserve in einer Woche schon wieder an der Zinsschraube drehen. Zudem signalisiert die US-Notenbank, dass sie bei der Normalisierung der Geldpolitik fortan ein höheres Tempo anschlagen will. Die globalen Finanzmärkte stehen damit an einer der bedeutendsten Zäsuren seit der Finanzkrise.

«An unserem Treffen später in diesem Monat wird der Vorsitz erörtern, ob sich der Arbeitsmarkt und die Inflation weiterhin gemäss unserer Erwartung entwickeln», sagte US-Notenbankchefin Janet Yellen am Freitag während eines Referats in Chicago. «Ist das der Fall, dann wird eine weitere Anpassung des Leitzinses voraussichtlich angebracht sein.» Nachdem das Fed bei der Normalisierung der Geldpolitik überaus gemächlich vorgegangen ist, steht somit an seiner Sitzung vom 14. und 15. März bereits die zweite Straffung in drei Monaten bevor.

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