Kommentare 18:27 - 10.03.2017

Das Trauma von 1937 ist bewältigt

«Jetzt wird sich zeigen, wie robust die US-Wirtschaft tatsächlich ist.»
Mit dem Zinsentscheid der US-Notenbank steht ein Schlüsselmoment in der Bewältigung der Finanzkrise an. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Christoph Gisiger.
lesen sie mehr
zum Stichwort
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Wallstreet
Im übertragenen Sinne Bezeichnung für die an der Strasse Wall Street gelegene Nyse , aber auch allgemein für New York als Finanzplatz .
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Am kommenden Mittwoch steht ein Schlüsselmoment in der Bewältigung der Finanzkrise bevor. Die amerikanische Notenbank wird aller Voraussicht nach die Zügel erneut straffen und damit das Startsignal zu einer Offensive in der Zinspolitik geben.

Stets das Trauma von 1937 im Hinterkopf, verhielt sich die US-Notenbank bisher übervorsichtig. Vereinfacht gesagt, hatte das Fed damals die Zinsen nach der Grossen Depression zu früh erhöht. Die Wirtschaft sackte abermals in eine tiefe Rezession und fasste erst im Zug des Zweiten Weltkriegs wieder Tritt.

Die Angst vor einem solchen Szenario hat Fed-Chefin Janet Yellen nun überwunden. Im Vorfeld des Zinsentscheids hat sie angekündigt, fortan ein höheres Tempo anzuschlagen. Sie macht damit bei der Normalisierung der Geldpolitik erstmals Ernst.

Jetzt wird sich zeigen, wie robust die US-Wirtschaft ist. Im ersten Quartal deutet sich zwar keine nennenswerte Belebung an. Seit den Wahlen ist die Zuversicht von Unternehmen und Konsumenten jedoch nach oben geschossen. Auch der Jobmarkt entwickelt sich solid.

Entscheidend ist, ob die Märkte mitspielen. Der schärfere Ton aus dem Fed hat den Auftrieb an den Börsen etwas gedämpft. Zudem zeigt der Ölpreis Schwächen. Bislang interpretiert Wallstreet den Wechsel im Zinszyklus aber primär als Zeichen für bessere Konjunkturaussichten.

Ob Yellen richtig liegt, wird sich erst im Nachhinein erweisen. Offensichtlich will sie nicht riskieren, dass sie die Zinsen später plötzlich stark anheben und die Wirtschaft abwürgen muss. Begrüssen werden den ­Vorstoss andere Zentralbanken. Wenn das Fed die Kadenz forciert, lockert sich im Vergleich ihre Geldpolitik, ohne dass sie etwas tun müssen.

Meistgelesene Artikel

24.03.2017 Praktikus

Der Praktikus vom 25. März 2017

lock-status