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Blogs / Momentum / Chart des Tages 12:16 - 20.03.2017

Der Chart des Tages

Frank Heiniger
Low-Volatility-Aktien: How low can you go?

Die Finanzmärkte sind ein trendgetriebenes, zyklisches Geschäft. Spezifischen Handelsstrategien laufen die Anleger in Scharen zu, bis sich die Bewertungen so stark von den angemessenen Niveaus entkoppelt haben, dass eine Korrektur unvermeidbar scheint.

Eine solche Achterbahnfahrt machten letztes Jahr auch Low-Volatility-Aktien durch – Valoren also, die sich vom Gesamtmarkt über besonders geringe Kursschwankungen abheben. Bis Mitte 2016 genoss die Anlageklasse regen Zulauf. Dies war nicht nur an der Überperformance, sondern auch an den hohen Kapitalzuflüssen abzulesen, die spezialisierte Vehikel wie Low Volatility ETF (börsengehandelte Fonds) verzeichneten.

Doch was steigt, muss irgendwann auch fallen. Eine wachsende Zahl von Analysten und Strategen warnte bereits letzten Sommer, dass sich im Low-Volatility-Segment eine Blase gebildet habe, die zwangsläufig platzen müsse. Rob Arnott etwa, Gründer des US-Investmenthauses Research Affiliates, quantifizierte die Überbewertung gegenüber dem Gesamtmarkt auf 40%.

Tatsächlich setzte in der zweiten Jahreshälfte eine Rotation aus Low-Volatility- in Value-Aktien ein – Valoren von günstig bewerteten, riskanteren Unternehmen, die tendenziell von einer anziehenden Wirtschaft, steigenden Zinsen und höheren Inflationsraten profitieren. Allein von August bis Dezember büssten europäische Low-Volatility-Titel rund 17% auf ihre Value-Pendants ein.

Zwar hat der Abgabedruck in den schwankungsarmen Titeln inzwischen nachgelassen. Orientiert man sich an der Historie, scheint jedoch plausibel, dass sich die Korrektur in den Low-Volatility-Valoren fortsetzt.

Der Grund: Gemäss einer Analyse von Barclays bildet die Bewertungsdifferenz das aktuelle reflationäre Umfeld noch nicht akkurat ab. Wie der obige Chart illustriert, hat sich die Low-Volatility-Überbewertung – gemessen an einer Kombination aus Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Dividendenrendite – gegenüber dem Gesamtmarkt zwar von 2 auf 1,5 Standardabweichungen reduziert.

In den Jahren 2010 und 2014, als auf den Kapitalmärkten ebenfalls reflationäre Hoffnungen (Reflation Hopes) dominierten, fiel die relative Bewertung jedoch bis auf Parität. Die Analysten von Barclays quantifizieren das weitere Korrekturpotenzial deshalb auf 15%.

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