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Blogs / Momentum / Chart des Tages 11:38 - 14.03.2014

Der Chart des Tages

Sie ignorieren Dr. Copper auf eigene Gefahr!

COTD_Copper_Mar14

Quelle: McClellan Financial Publications

Der Kupferpreis wird an den Finanzmärkten gern Dr. Copper genannt. Er soll ein feines Gespür für die konjunkturelle Grosswetterlage der Weltwirtschaft besitzen.

Im Verlauf der vergangenen Woche ist der Kupferpreis um mehr als 10% eingebrochen und notiert gegenwärtig auf dem niedrigsten Stand seit 2010. Der Hauptgrund dafür sind wachsende Sorgen über den Zustand der chinesischen Wirtschaft (mehr dazu hier und hier).

Bemerkenswert ist, dass der Kupferpreis und der Aktienmarkt schon seit Monaten in entgegengesetzte Richtungen laufen. Wie der abgebildete Chart von Tom McClellan zeigt, bestand zwischen Herbst 2008 und Anfang 2012 eine ausgesprochen enge Korrelation zwischen dem Kupferpreis (grüne Kurve, linke Skala) und dem S&P 500 (SP500 2169.04 -0.16%) (schwarze Kurve, rechte Skala).

Seit 2012 suggeriert der Kupferpreis eine sich abkühlende Weltwirtschaft, während der US-Aktienmarkt fröhlich nach oben drängt.

Wer hat recht?

Oft ist derzeit an den Finanzmärkten wieder das Argument des Decoupling – der Entkoppelung – zu hören. Es lautet ungefähr so: Die chinesische Wirtschaft sowie die Dynamik in vielen Schwellenländern kühlen sich ab, was den Kupferpreis stark unter Druck setzt. Die westlichen Volkswirtschaften, allen voran die USA, haben aber schon genügend Schwung erreicht, dass Aktienindizes wie der S&P 500 von der Abkühlung in den Emerging Markets nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

«Decoupling ist das gefährlichste Wort an den Finanzmärkten», warnt jedoch Albert Edwards, Stratege von Société Générale (GLE 31.92 0.61%), in seinem aktuellen Marktausblick. Schon im Jahr 2008 sei mit dem Decoupling-Argument hantiert worden – damals einfach mit umgekehrten Vorzeichen: Die US-Wirtschaft sank damals zwar in die Rezession, doch die Emerging Markets mit China als Lokomotive hätten sich von den westlichen Volkswirtschaften abgekoppelt.

In der ersten Hälfte des Jahres 2008 sank der S&P 500 bereits, während der Kupferpreis weiter stieg (im Chart zu erkennen). Erst im Spätherbst 2008 wurde klar, dass das Decoupling der Schwellenländer eine Illusion war, worauf der Kupferpreis im Tandem mit dem Aktienmarkt abstürzte.

Für Edwards ist die Warnung an die Aktieninvestoren klar: «Sie ignorieren den Kupferpreis auf eigene Gefahr», schreibt er.

Den Chart des Tages vom Donnerstag finden Sie hier.

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