Der wicksellsche Prozess

Weshalb zwei unterschiedliche Zinssätze am Kapitalmarkt zu einem Ungleichgewicht führen und damit die Saat für Inflation oder Deflation legen.
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zum Stichwort
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
1930 mit Sitz in Basel gegründete Organisation. Die BIZ fördert die Zusammenarbeit der Zentralbanken (darunter SNB ), die auch die Aktionäre der BIZ sind. In ihrem Rahmen wurde Basel II erarbeitet.
Boom
Wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, Hochkonjunktur. Gegenteil: Rezession .
Deflation
Breit angelegter Rückgang des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft , nicht nur in einzelnen Branchen (z. B. Informatik). In der Regel geht sie mit einer Rezession einher, weil es sich lohnt, Geld zu horten, statt zu investieren und zu konsumieren, da Güter und Dienstleitungen laufend günstiger werden und der Realzins unattraktiv hoch ist.
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Geldmenge
Bestand an Bar- und Buchgeld in einer Volkswirtschaft . Die SNB orientierte sich bis 1999 zur Steuerung der Geldmenge an der bereinigten Notenbankgeldmenge.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Kapitalmarkt
Markt für mittel- und langfristige Anlagen. Auf dem Primärmarkt finanzieren Unternehmen ihre Investitionen durch die Ausgabe von Wertpapieren (Aktien , Obligationen ), auf dem Sekundärmarkt werden die Titel gehandelt. So findet laufend eine Bewertung der Gesellschaften statt. Im Unterschied dazu dient der Geldmarkt dem Handel kurzfristiger Finanzierungsinstrumente.
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Preisstabilität
Strategisches Ziel jeder Notenbank , wobei stabile Preise nicht mit 0% Inflation gleichgesetzt werden. Die SNB definiert Preisstabilität als eine Jahresteuerung der Konsumentenpreise von 0 bis 2%.
Spekulation
Tätigkeit, die darauf ausgerichtet ist, aus einer erwarteten Marktveränderung Nutzen zu ziehen. Im engeren Sinne umfasst die Spekulation Geschäfte, bei denen hohe Gewinn- und Verlustrisiken eingegangen werden.
Volkswirtschaft
Von Ökonomen verwendetes Synonym für die Wirtschaft eines Landes beziehungsweise einen Wirtschaftsraum wie die EU .
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Zentralbanken sind die Meister über die Finanzmärkte. Wann immer die mächtigsten Währungshüter der Welt sprechen, hängen Investoren an ihren Lippen. Werden die Zinsen weiter gesenkt? Oder ist in einigen Fällen, etwa in den USA, die Zeit bald reif für erste Er­höhungen? Die Zinspolitik zur Sicherstellung der Preisstabilität zählt heute für alle namhaften Zentralbanken, auch in der Schweiz, zum Standardinstrument.

Beiträge zum wicksellschen ProzessErklärung des Prozesses
Knut Wicksell
Wenn «S» nicht gleich «I» ist

Lesen Sie hier die letzten Theoreme:
Der Balassa-Samuelson-Effekt
Das Say’sche Theorem
Cobb-Douglas-Produktionsfunktion
Die Random-Walk-Hypothese
Das Modigliani-Miller-Theorem
Doch wer hat’s erfunden? Ein Schwede. Bewusst oder unbewusst folgen die Zentralbanken der Lehre eines Mannes, der für sich beanspruchen kann, alle grossen Strömungen der Volkswirtschaftslehre im 20. Jahrhundert geprägt zu haben – und dessen Schicksal es war, dass seine Arbeit erst nach seinem Tod im Olymp der Ökonomie gewürdigt wurde: Knut Wicksell.

Gegen den Zeitgeist

Das Fundament der modernen Geldpolitik wurde 1898 gelegt, als Wicksell ein 190-seitiges Büchlein mit dem Titel «Geldzins und Güterpreise» publizierte. Wicksell, damals 47, hatte sich in Nordeuropa als Ökonom einen respektablen Ruf erarbeitet und bereits drei Bücher publiziert – darunter «Finanztheoretische Untersuchungen», welches später die Public-Choice-Theorie des US-Ökonomen James Buchanan beeinflussen sollte.

«Geldzins und Güterpreise» sollte Wicksells Meisterwerk werden. Es ist im Stil eines Essays verfasst, fast ohne mathematische Formeln; der Autor drückt im Vorwort sein Bedauern aus, dass er nichts weiter als Hypothesen aufgestellt habe, die er empirisch nicht nachweisen könne.

Berühmte TheoremeDies ist die zwölfte Folge einer Serie, in der «Finanz und Wirtschaft» populäre ökonomische Gesetze und Formeln vorstellt – in welchem Kontext sie entstanden sind, welche Bedeutung ihnen heute noch zukommt und welche Menschen dahinterstecken.
Hier finden Sie das vollständige Dossier.
Um die Tragweite von Wicksells These zu erkennen, ist ein Blick auf den Zeitgeist der Jahrhundertwende nötig. Die dominierende ökonomische Lehre war die Neoklassik, mit Exponenten wie Léon Walras, deren Gleichgewichtstheorie besagte, dass sich in jedem freien Markt Angebot und Nachfrage auf einem bestimmten Preisniveau ausgleichen. Die meisten Länder waren an eine Form des Goldstandards gebunden; Phasen von Inflation waren je nach Staat ungefähr gleich häufig wie Phasen von Deflation.

Knut Wicksell identifizierte Inflation und Deflation gleichermassen als Übel, weil sie eine unfaire Umverteilung zwischen Schuldnern und Gläubigern darstellen. Der Staat müsse die Preisstabilität als hohes Gut pflegen, schrieb er. Um Inflation und Deflation bekämpfen zu können, müssen sie jedoch, erstens, systematisch messbar sein. Zweitens müssen ihre Ursachen festgestellt werden. Zur Lösung der Frage der Messbarkeit schlug Wicksell die Schaffung eines typischen Warenkorbs vor; die Methode ist heute Standard.

Die Kreditschöpfung im Auge

Revolutionär war Wicksells Erklärung der Ursachen von Inflation und Deflation. Als Erster seines Fachs erkannte er die Wichtigkeit des im 19. Jahrhundert aufstrebenden Bankensektors, der über die Kreditschöpfung Geld im Wirtschaftskreislauf kreieren kann. Die These stand im Widerspruch zur Quantitätstheorie des Geldes, gemäss der die Geldmenge nur durch ein äusseres, exogenes Ereignis steigen kann. Nach Wicksell ist die Kreditschöpfung der Hebel, der zu einem Boom und damit zu Inflation, respektive zu einer Kontraktion und Deflation führt. Daraus folgert er: Wer die Preisstabilität wahren will, muss die Kreditschöpfung unter Kontrolle bringen.

Knut WicksellFür seine These – heute als wicksellscher oder Kumulativer Prozess bekannt – brachte er die Existenz zweier verschiedener Zinssätze ins Spiel: der Geld- und der natürliche Zins. Ersterer ist der Zinssatz, zu dem Banken Kredite gewähren. Der natürliche Zinssatz dagegen ist nicht observierbar; er entspricht dem Grenzgewinn, den ein Investor mit einer zusätzlichen Einheit Kapital erzielen kann. In Wicksells einfacheren Worten: Der natürliche Zins ist das, was man «mit Geld in der Hand verdienen kann oder zu verdienen hofft.»

Sind Geld- und natürlicher Zins gleich hoch, so liegt der Kapitalmarkt im Gleichgewicht. Das Angebot an Sparkapital entspricht der Nachfrage nach Investitionskapital. Zu einem Konjunkturboom mit Inflation kommt es, wenn der Geld- unter den natürlichen Zins sinkt. Deflation resultiert, wenn der Geld- höher als der natürliche Zins ist (vgl. Textbox unten).

Wicksell nennt in «Geldzins und Güterpreise» den Ruf nach einer staatlichen Instanz, die den Geld- und den natürlichen Zins ins Lot bringt. In inflationären Zeiten muss sie auf das Bankensystem einwirken und den Geldzins anheben, in deflationären Phasen muss sie den Geldzins senken. Er nahm damit die Rolle der modernen Zentralbank vorweg. Wicksells These war zudem die erste Kritik an der klassischen Sicht, wonach das Finanzsystem bloss ein vernachlässigbarer «Schleier» sei, der auf der realen Wirtschaft liege.

Erklärung des ProzessesDer wicksellsche Prozess beschreibt die Ursachen von Inflation und Deflation in einer Wirtschaft mit einem dynamischen Bankensystem. Die Kernthese liegt in der Annahme, dass am Kapitalmarkt zwei Zinssätze existieren: der Geld- und der natürliche Zins. Der Geldzins ist der Satz, zu dem Banken Kredite gewähren. Der natürliche Zins entspricht der Grenzproduktivität des Kapitals und ist nicht observierbar. Nur wenn die beiden Sätze identisch sind, ist der Kapitalmarkt im Gleichgewicht. Liegt der Geld- unter dem natürlichen Zins, stillen die Banken die Nachfrage nach Investitionskapital mit zusätzlicher Kreditschöpfung. Ein wirtschaftlicher Boom mit steigenden Löhnen und Inflation ist die Folge.zoom

Weltruhm dank Keynes

«Geldzins und Güterpreise» hatte ein gravierendes Problem: Das Buch erschien auf Deutsch. Wicksell fand keinen englischen Verlag, wodurch er in der angelsächsischen Welt während Jahrzehnten unbekannt blieb. Ohne Einfluss blieb er freilich nicht: Die österreichische Schule um Ludwig von Mises und Friedrich von Hayek nahm das Konzept des natürlichen Zinssatzes zur Basis für ihre Theorie der Konjunkturzyklen. An der Stockholmer Schule entwickelten derweil spätere Nobelpreisträger wie Gunnar Myrdal und Bertil Ohlin Wicksells Gedankengut weiter.

John Maynard Keynes schliesslich ist es zu verdanken, dass die Arbeit von Knut Wicksell in der angelsächsischen Welt bekannt wurde. 1936 – zehn Jahre nach Wicksells Tod – beauftragte Keynes seinen engsten Mitarbeiter, Richard Kahn, «Geldzins und Güterpreise» ins Englische zu übersetzen («Interest and Prices»).

Knut Wicksell kann als «Abraham der Makroökonomik des 20. Jahrhunderts» bezeichnet werden. Er kann für sich beanspruchen, sowohl den Keynesianismus wie auch die österreichische Schule massgeblich geprägt zu haben. Joseph Schumpeter schrieb 1965 über Wicksell: «Sein internationaler Ruf blieb weit hinter seiner Leistung zurück, bis Ende der Zwanziger- und zu Beginn der Dreissigerjahre die Fachwelt zu ahnen begann, dass er die Elemente der modernen Geld- und Zinstheorie vorweggenommen hatte.»

In den Kanon der Mainstream-Ökonomie der Nachkriegszeit erhielt Wicksell gleichwohl kaum Aufnahme. Die Rolle der Kreditschöpfung wurde in der Lehre wieder weitgehend ignoriert. Erst die Finanzkrise von 2008 rief in Erinnerung, wie gefährlich es ist, Ungleichgewichte im Finanz­system auszublenden.

Das Dilemma

Die schwerwiegendste Kritik an Wicksells Arbeit betrifft die Tatsache, dass die Höhe des natürlichen Zinssatzes nicht bewiesen werden kann. Das Dilemma zeigt sich in den ideologischen Disputen rund um die gegenwärtige Zentralbankpolitik: Die Exponenten der US-Notenbank oder der EZB stellen mit ihrer Politik implizit die Annahme auf, dass der natürliche Zins gegenwärtig auf einem abnormal niedrigen Niveau liegt. Um die Wirtschaft zu stimulieren, muss der Geldzins mit allen – auch unkonventionellen – Mitteln unter den natürlichen Zinssatz gedrückt werden.

Die Gegner dieser Geldpolitik – etwa die Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – argumentieren, der natürliche Zins liege bereits heute höher als der Geldzins, was fremdfinanzierte Spekulationsblasen an den Finanzmärkten begünstige. Einen Beweis für ihre Annahme kann keine Seite liefern.

Wicksell selbst mass dem Mangel des nicht observierbaren natürlichen Zinssatzes wenig Bedeutung zu. Er empfahl, aus der Beobachtung des Preisniveaus Rückschlüsse auf das Niveau von Geld- und natürlichem Zins zu ziehen: Steigt die Inflation, ist der Geldzins zu niedrig; herrscht Deflation, ist der Geldzins zu hoch. In Anbetracht der deflationären Tendenzen in der Eurozone kann angenommen werden, dass Wicksell heute die Empfehlung abgeben würde, die EZB solle versuchen, den Geldzins weiter zu senken. Genau das versucht die Zentralbank unter ihrem Vorsitzenden Mario Draghi derzeit mit immer unkonventionelleren Methoden.

Wenn «S» nicht gleich «I» istSparen (S) gleich Investitionen (I) lautet vereinfacht gesagt eine Grundannahme in der Mainstream-Ökonomie. Das Angebot (S) und die Nachfrage (I) finden am Kapitalmarkt einer geschlossenen Volkswirtschaft zu einem bestimmten Preis (Zins) ein Gleichgewicht. Nach Wicksell gilt das jedoch nur, wenn der Geld- und der natürliche Zins identisch sind. Nur dann wird der Kapitalmarkt geräumt, denn der natürliche Zins – die Grenzproduktivität des Kapitals – stellt das Gleichgewicht von I und S her.

Sinkt der Geldzins jedoch unter den natürlichen Zins, schafft das für Unternehmen den Anreiz, neue Kredite aufzunehmen und sich zu verschulden, um mit dem Kapital neue Investitionsprojekte zu finanzieren. Die Rendite, die die Investition abwirft (natürlicher Zins), ist höher als der Zins des neu aufgenommenen Fremdkapitals. In diesem Fall ist die Nachfrage nach Investitionskapital (I) grösser als das vorhandene Sparkapital (S); die Banken füllen diese Lücke mit Kreditschöpfung, der Kreation von Geld aus dem Nichts. Nun kommt der wicksellsche Prozess ins Rollen: Neue Investitionsprojekte schaffen zusätzliche Nachfrage und Arbeitsplätze, die Wirtschaft boomt, die Löhne steigen, die Güterpreise ebenfalls. Inflation ist die Folge.

Die gleiche Mechanik spielt in die Gegenrichtung: Liegt der Geldzins höher als der natürliche Zins, sind fremdfinanzierte Investitionen sinnlos. Die Nachfrage nach Investitionskapital (I) ist kleiner als das vorhandene Sparkapital (S). Unternehmen streichen Investitionsprojekte, Arbeitskräfte werden entlassen, die Wirtschaftsleistung schrumpft. Deflation ist die Folge.
Knut Wicksell
(*20. Dezember 1851 in Stockholm, †3. Mai 1926 in Stockholm)
Johan Gustaf Knut Wicksell wird am 20. Dezember 1851 als Sohn eines Lebensmittelhändlers in Stockholm geboren. Mit achtzehn beginnt er an der Universität Uppsala sein Studium in Mathematik, später kommen Geschichte, Astronomie, Philosophie und Latein hinzu. Als Student schliesst er sich einem Debattierzirkel an, dem unter anderen der Schriftsteller August Strindberg angehört. Der frühe Tod seiner Eltern – Knut verliert seine Mutter im Alter von sechs, den Vater mit fünfzehn Jahren – lässt ihn als Frühzwanziger zu einem flammenden Atheisten werden.

Nach Abschluss seiner Studien verdient sich Wicksell einen Lebensunterhalt als Journalist und Agitator in öffentlichen Reden, in denen er den Alkoholismus geisselt und Geburtenbeschränkungen zur Armutsbekämpfung propagiert. 1885 erhält er von einer wohltätigen Stiftung ein Stipendium, das ihm einen fünfjährigen Auslandsaufenthalt zwecks Studium der Volkswirtschaftslehre finanziert. Wicksell lebt und lernt in London, Strassburg, Wien, Lausanne und Berlin, wo er von Léon Walras, Eugen von Böhm-Bawerk und Carl Menger geprägt wird.

Zurück in Schweden, kehrt Wicksell als Student nach Uppsala zurück, um einen Abschluss in Jurisprudenz nachzuholen – das war damals zwingende Voraussetzung, um einen Lehrstuhl in Nationalökonomie zu erhalten. In den 1890er-Jahren publiziert er seine wichtigsten Arbeiten: «Über Wert, Kapital und Rente» (1893), «Zur Lehre von der Steuerincidenz» (1895), «Finanztheoretische Untersuchungen» (1896) sowie «Geldzins und Güterpreise» (1898). Im Alter von fünfzig Jahren erhält er eine Professur für Volkswirtschaftslehre an der Universität Lund in Südschweden.

Weil er 1908 in einer Vorlesung die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria satirisiert, muss er wegen Blasphemie für zwei Monate ins Gefängnis. Nach seiner Emeritierung 1916 kehrt er nach Stockholm zurück, wo er die Regierung in Wirtschaftsfragen berät. An der Universität wird er geistiger Vater der Stockholmer Schule der Nationalökonomie und wird Lehrmeister von Bertil Ohlin, Gunnar Myrdal, Erik Lindahl sowie des späteren Uno-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld.

Wicksell stirbt 1926 an einer Lungenentzündung. Weltruhm als Ökonom erlangt er erst zehn Jahre später, als «Geldzins und Güterpreise» auf Anregung von John Maynard Keynes ins Englische übersetzt wird.

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