Märkte / Makro 11:17 - 14.02.2017

Deutsche Wirtschaft wieder kräftig gewachsen

Die deutsche Konjunktur hat Ende 2016 einen Aufschwung erlebt. Die Prognosen für das laufende Jahr sind indes durchzogen.
lesen sie mehr
zum Stichwort
Aufschwung
Wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, Hochkonjunktur. Gegenteil: Rezession .
Aussenhandel
Die Berichterstattung über die Schweizer Warenexporte und -importe bezieht sich in der Regel auf die Definition Total 1, die den Aussenhandel mit Edelmetallen, Edel- und Schmucksteinen sowie Kunstgegenständen und Antiquitäten nicht umfasst. Sie sind dagegen im Total 2 enthalten.
BIP
Wertschöpfung einer Volkswirtschaft . Die Entwicklung des BIP ist eine wichtige Einflussgrösse für die Gewinne der Unternehmen sowie das Zinsniveau und dadurch indirekt für Aktien und Obligationen .
Beschäftigte
Die Statistik versteht unter Beschäftigten besetzte «Stellen», was nicht identisch ist mit Erwerbstätigen, da eine erwerbstätige Person mehrere Stellen besetzen kann.
EU
Supranationale Organisation (früher Europäische Gemeinschaft), in der 27 europäische Staaten zusammengeschlossen sind. Pfeiler ist die wirtschaftliche Integration. Die wichtigsten Errungenschaften sind der Binnenmarkt und der Euro .
Europäische Zentralbank
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Volkswirtschaft
Von Ökonomen verwendetes Synonym für die Wirtschaft eines Landes beziehungsweise einen Wirtschaftsraum wie die EU .
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

(Reuters) Die Konjunktur in Deutschland hat Ende 2016 deutlich an Schwung gewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Oktober und Dezember um 0,4% zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ökonomen hatten zwar etwas mehr erwartet, aber im Sommer fiel das Wachstum mit 0,1% auch schwächer aus als ursprünglich gedacht. Im Herbst sorgten dann erneut die Ausgaben der öffentlichen Hand für Flüchtlinge und der Bauboom für Impulse. Zudem steigerten die Verbraucher ihren Privatkonsum leicht. Der Aussenhandel hingegen bremste die Konjunktur in Europas grösster Volkswirtschaft, da die Importe deutlich stärker zunahmen als die Exporte, wie die Statistiker betonten.

Für dieses Jahr rechnet die EU-Kommission mit einem Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,6%. 2016 waren es noch 1,9& – allerdings zählte das vorige Jahr auch drei Arbeitstage mehr. Die Verunsicherung durch den geplanten EU-Austritt Grosssbritanniens und die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump dürften den Freihandel und damit die deutschen Exporte belasten. «Risiken sehen wir auf der Exportseite wegen zunehmendem Protektionismus», sagte auch Analystin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Im vergangenen Jahr hatten die Aussenhändler noch einen Überschuss in Rekordhöhe verbucht.

Für die laufenden Monate zeigten sich Fachleute optimistisch und verwiesen auf das Auftragsgeschäft der Industrie. «Im ersten Quartal 2017 könnte deshalb ein etwas stärkeres Plus herauskommen», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer mit Blick auf das BIP. «Alles in allem handelt es sich um einen konsumgetrieben Aufschwung.» Dies dürfte vorerst so weiter gehen. Denn die Zahl der Beschäftigten eile von Rekord zu Rekord, und die Löhne dürften weiter spürbar zulegen, sagte Krämer. Zudem werde die Europäische Zentralbank «noch eine ganze Weile eine für Deutschland viele zu lockere Geldpolitik betreiben».

ZEW-Index für deutsche Konjunktur fälltBörsenprofis blicken nicht mehr ganz so zuversichtlich auf die deutsche Wirtschaft. Das Barometer für ihre Konjunkturerwartungen im kommenden halben Jahr sank im Februar um 6,2 auf 10,4 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 213 Analysten und Anlegern mitteilte. Dies ist der erste Rückgang seit Juli 2016. Ökonomen hatten mit einem Wert von 15,0 Punkten gerechnet.

ZEW-Präsident Achim Wambach begründete den Rückgang mit den zuletzt mauen Konjunkturdaten zu Industrieproduktion, Einzelhandel und Export. Auch die politischen Unsicherheiten wegen des britischen EU-Austritts, der künftigen US-Wirtschaftspolitik und wichtiger Wahlen in Europa dürften die Stimmung belastet haben. «Gleichwohl hat sich das wirtschaftliche Umfeld Deutschlands nicht signifikant verschlechtert», betonte Wambach.

Die deutsche Wirtschaft nahm Ende 2016 wieder deutlich Tempo auf. Das Bruttoinlandsprodukt kletterte zwischen Oktober und Dezember um 0,4% zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Sommer hatte es nur zu einem Plus von 0,1% gereicht.