Märkte / Aktien 17:36 - 04.09.2014

Die Super-Bullen von Morgan Stanley

Eine Analyse der US-Grossbank hält einen Anstieg des S&P-500-Index auf 3000 für plausibel – und sorgt damit für einigen Diskussionsstoff.
lesen sie mehr
zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Budget
Geplante künftige Einnahmen und Ausgaben während eines bestimmten Zeitraums (Finanzbudget). Bei einem Erfolgsbudget werden die geplanten künftigen Kosten und Erlöse bzw. der geplante Aufwand und Ertrag einander gegenübergestellt.
Bull
Anleger, der eine Hausse erwartet (Stier). Gegenteil: Baissier (Bär, Bear).
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Volatilität
Kursschwankungen eines Basiswerts (vgl. historische Volatilität , implizite Volatilität , Vega , Volatilitätsanalyse , Volatilitätsindex ).

Vergangene Woche hat der amerikanische Leitindex S&P 500 (SP500 2037.41 -3.59%) erstmals die prestigeträchtige Marke von 2000 überschritten. Glaubt man Analysten von Morgan Stanley (MS 24.52 -10.15%) (MS), ist die Börsenparty noch lange nicht vorbei. Das ist zumindest der Grundtenor einer bullischen Studie, die in den Wirtschaftsmedien und -foren zurzeit für einige Diskussionen sorgt.

In der Analyse «2020 Vision: Long Live the Expansion» («Lang lebe die Expansion») beschreibt das Team um MS-Stratege Adam Parker die Faktoren, die den laufenden Bullenzyklus noch einige Jahre am Leben erhalten könnten. Auf Basis eines jährlichen Gewinnwachstums pro Aktie von 6% sowie eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 17 sei ein Zyklushöchst nahe 3000 möglich – was immerhin einer Avance von 50% ab dem aktuellen Niveau entspräche.

Erst am Anfang des Wachstumszyklus

Die Analysten argumentieren etwa, dass sich die US-Wirtschaft erst in einem frühen Stadium des Wachstumszyklus befinde. Auch sei der Prozess des Schuldenabbaus (Deleveraging) bald abgeschlossen. Zudem profitiere der amerikanische Markt von tieferer Volatilität, solideren Konzernbilanzen sowie der Absenz unternehmerischen Überschwangs. Letztlich hätten einige makroökonomische Indikatoren erst jetzt ein normales, langfristig weiterhin tragbares Niveau erreicht.

Freilich enthält die Analyse einige Aber. So zählt Parker mehrere Faktoren auf, die den aktuellen Expansionszyklus gefährden könnten. Von grosser Relevanz sei das Ergebnis politischer Reformen – etwa in den Bereichen Budget, Steuern und Immigration –, die noch längere Zeit für Unsicherheit sorgen dürften. Auch könnte eine weitere Wirtschaftsabkühlung in Europa und China den US-Aktienmarkt negativ tangieren.

Und täglich grüsst das Murmeltier

Die super-bullische Einschätzung weckt ungute Gefühle: Vielen Investoren dürfte das Buch «Dow 36’000: The New Strategy for Profiting From the Coming Rise in the Stock Market» in bester Erinnerung geblieben sein, das anno 1999 für Aufsehen sorgte. Die Autoren James K. Glassman und Kevin A. Hassett hatten damals die Prognose aufgestellt, der Dow Jones (Dow Jones 17400.75 -3.39%) Industrial werde in einigen Jahren ein Niveau von 36’000 erreichen – kurz bevor die Dotcom-Blase platzte und die globalen Aktienmärkte in eine massive Korrektur übergingen.