Märkte / Makro Dossier Spekulationsblasen 15:25 - 30.11.2015

Die Technologieblase der Neunzigerjahre

Die amerikanische Wirtschaft floriert, das Internet revolutioniert den Alltag. In der Euphorie verlieren die Anleger zuerst den Verstand, dann ihr Vermögen.
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zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Aufschwung
Wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, Hochkonjunktur. Gegenteil: Rezession .
Boom
Wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, Hochkonjunktur. Gegenteil: Rezession .
Burn Rate
Schätzgrösse zur Beurteilung der Überlebensfähigkeit von jungen, noch nicht gewinnbringend arbeitenden Unternehmen. Anhand des für die künftigen Quartale erwarteten Geldabflusses (Cashdrain ) wird der Finanzbedarf errechnet und den häufig aus dem Börsengang an einem neuen Markt stammenden vorrätigen Geldmitteln gegenübergestellt. Daraus lässt sich ersehen, wie lange die Gesellschaft ohne neues Kapital überstehen kann.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Cap
Kurs eines Basiswerts oder ein Zins, den zu erreichen oft darüber entscheidet, ob der Basiswert geliefert oder ein Barbetrag gezahlt wird.
Dividende
Der von einer Aktiengesellschaft je Aktie ausgezahlte Gewinnanteil. Die Dividende wird durch die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrats festgesetzt. Als Dividende werden auch die Auszahlungen an die Inhaber von Genuss- und Partizipationsscheinen bezeichnet.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Hausse
Längere Zeit anhaltende Kurssteigerungen an der Börse, auch Bull Market genannt. Gegenteil: Baisse .
IPO
Öffnung einer privaten Aktiengesellschaft, deren Aktienkapital bisher ausschliesslich im Eigentum eines beschränkten Personenkreises lag, zur Publikumsgesellschaft durch die Ausgabe und die Kotierung von Aktien. Auch Initial Public Offering (IPO) genannt. Gegenteil: Going Private .
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Kapitalmarkt
Markt für mittel- und langfristige Anlagen. Auf dem Primärmarkt finanzieren Unternehmen ihre Investitionen durch die Ausgabe von Wertpapieren (Aktien , Obligationen ), auf dem Sekundärmarkt werden die Titel gehandelt. So findet laufend eine Bewertung der Gesellschaften statt. Im Unterschied dazu dient der Geldmarkt dem Handel kurzfristiger Finanzierungsinstrumente.
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kotierung
Zulassung von Effekten an der SIX . Wird durch die Zulassungsstelle geprüft. Im Kotierungsreglement sind die Voraussetzungen, die Publizitätspflichten und das Verfahren für die Kotierung geregelt.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Leitzinsen
Zinsen der Zentralbanken zur Geldmengensteuerung mit Signalwirkung für die Geldpolitik, in den USA Federal Funds Target Rate genannt. Die Schweizerische Nationalbank verwendet ein Zielband für den Dreimonatssatz Libor .
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Long Term Capital Management
Lange der grösste bekannte Hedge-Fund-Kollaps . LTCM wandte Arbitragestrategien im Obligationenmarkt an. 1998 erwartete LTCM einen sinkenden Risikoaufschlag zwischen Obligationen von guten und schlechten Schuldnern. Wegen der Russlandkrise wurde die Erwartung nicht erfüllt. Der Fonds setzte viel Fremdkapital (vgl. Leverage ) ein. So wurden die Verluste derart gross, dass die amerikanische Notenbank, die eine Systemkrise abwenden wollte, eine Nothilfe mit der Unterstützung von vierzehn Banken organisierte. Der Untergang von LTCM zeigte die Gefahren von hohem Leverage und brachte Hedge Funds beim breiten Publikum in Verruf.
Nasdaq
US-Börse für die Aktien von Technologieunternehmen, die nicht an der Nyse kotiert sind. Im Februar 2008 hat der Nasdaq mit der skandinavischen Gemeinschaftsbörse OMX fusioniert.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Publikumsöffnung
Öffnung einer privaten Aktiengesellschaft, deren Aktienkapital bisher ausschliesslich im Eigentum eines beschränkten Personenkreises lag, zur Publikumsgesellschaft durch die Ausgabe und die Kotierung von Aktien. Auch Initial Public Offering (IPO) genannt. Gegenteil: Going Private .
Put
1. Option , die den Käufer berechtigt, aber nicht verpflichtet, einen bestimmten Basiswert in einer bestimmten Menge zu einem im Voraus festgelegten Preis (Ausübungspreis ) bis zu (amerikanisch ) oder an (europäisch ) einem bestimmten Termin zu verkaufen (Long Put ). Auf der Gegenseite steht der Verkäufer der Option (Short Put ). 2. Berechtigt den Anleger zur Kündigung von Obligationen .
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Schweizer Börse
1995 aus dem Zusammenschluss der Börsen Genf, Basel und Zürich entstandener Schweizer Markt. Seit August 1996 werden sämtliche Wertpapiere elektronisch gehandelt. Das System zeichnet sich aus durch eine Vollintegration der Börsenprozesse, vom Börsenauftrag bis zur Abwicklung . Anfang 2008 Fusion mit SIS und Telekurs zur SIX Group .
Spekulation
Tätigkeit, die darauf ausgerichtet ist, aus einer erwarteten Marktveränderung Nutzen zu ziehen. Im engeren Sinne umfasst die Spekulation Geschäfte, bei denen hohe Gewinn- und Verlustrisiken eingegangen werden.
Wallstreet
Im übertragenen Sinne Bezeichnung für die an der Strasse Wall Street gelegene Nyse , aber auch allgemein für New York als Finanzplatz .
Zahlungsausfall
Liegt vor, wenn ein Schuldner Zinszahlungen und Tilgung nicht fristgerecht und vollständig leistet. Gemäss der Praxis der Ratingagenturen gilt eine Zahlungsverzögerung von mehr als dreissig Tagen als Default. Der Default bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Gläubiger das ganze Kapital verliert, weil im Zuge des Konkursverfahrens meist eine Konkursdividende ausgeschüttet wird. Bei Kreditderivaten gilt der Default als Kreditereignis . Anleihenumstrukturierungen (Exchangeables) gelten gemäss Ratingagenturen ebenfalls als Zahlungsausfall.

FuW-Serie Spekulationsblasen«Finanz und Wirtschaft» stellt die grössten Spekulationsblasen der Geschichte vor – in welchem Kontext sie entstanden sind, was die unmittelbaren Konsequenzen waren und welche Bedeutung ihnen heute noch zukommt.

Die letzten Folgen:
» Tequila-Krise 1994
» Japan: Aktien-/ Immobilienblase
» Amerikas Baseballkarten-Manie
» Der Wahn am Souk al-Manakh

» Weitere erschienene Beiträge
Das Jahrtausend beginnt mit einem Paukenschlag: Am 10. Januar 2000 kauft das junge Internet-Unternehmen AOL in der grössten Übernahme aller Zeiten für 164 Mrd. $ den traditionsreichen Medienkonzern Time Warner. Zwar erzielt der Jungspund einen deutlich geringeren Umsatz und verfügt über weniger Vermögenswerte als der Vertreter der Old Economy. Dank der grösseren Marktkapitalisierung erhält AOL jedoch 55% am fusionierten Mediengiganten.

Damit ist endgültig klar: die New Economy übernimmt die Vormacht, die verstaubte Konkurrenz kann einpacken. Jung schluckt alt. Dass die Hochzeit gleichzeitig den Höhepunkt einer der grössten Spekulationsblasen aller Zeiten markiert, ahnt kaum jemand.

1. «Goldilocks»-Wirtschaft

Dabei hatte alles so gut angefangen. Mit dem Mauerfall 1989 und dem Ende des Kommunismus ist die Marktwirtschaft auf dem Vormarsch. Der Kalte Krieg ist vorbei, weshalb der Konsum gesteigert und Rüstungsausgaben gestutzt werden können. Die Baby-Boomer konzentrieren sich auf ihre Karrieren, Amerikas Wirtschaft blüht auf. Die Arbeitslosigkeit nimmt stetig ab, und trotz robusten Wachstums geht die Inflation zurück. In Anlehnung an das gleichnamige Märchen macht der Begriff der «Goldilocks»-Wirtschaft, die sich weder überhitzt noch abkühlt, die Runde.

Von 1994 bis 1996 schnellen die realen Unternehmensgewinne der im S&P 500 Index enthaltenen Unternehmen um 60% in die Höhe. Zeitgleich macht sich das Internet immer stärker im Alltag bemerkbar – Anfang 1994 wird mit Mosaic der erste Webbrowser einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Die Verbindung zwischen neuen Technologien und steigenden Gewinnen ist schnell gemacht. Das noch junge Internet verspricht unvorstellbare neue Geschäftsmöglichkeiten.

An diesen möchten die Anleger teilhaben. Sie investieren kräftig. Im Juli 1995 nimmt der von Technologiekonzernen wie Apple, Intel und Microsoft dominierte Nasdaq Composite erstmals die Hürde von 1000 – ein Anstieg von 40% innerhalb eines Jahres. Am 9. August kommt Netscape Communications, vormals Mosaic, mit nur gerade zwei Quartalen an Umsatzzahlen und ohne Gewinn an die Börse. Auf Anhieb wird die Firma mit 3 Mrd. $ bewertet. Der Wahnsinn kann beginnen.

2. Auf den Maestro ist Verlass

Nicht alle Beobachter trauen der Hausse. Schon 1996 kommen die Ökonomen John Campbell und der spätere Nobelpreisträger Robert Shiller zum Schluss, der Aktienmarkt sei deutlich überbewertet. Ihre Arbeit stellen sie der US-Notenbank vor, worauf deren Präsident Alan Greenspan in einer Rede am 5. Dezember von «irrationalem Überschwang» spricht. Doch er unternimmt:  nichts.

Die Märkte freut es. Yahoo und Amazon kommen an die Börse. 1997 avanciert der Nasdaq Composite über 20%. Weder die Asienkrise noch der Zahlungsausfall Russlands 1998 und der dadurch ausgelöste Kollaps des Hedge Fund Long Term Capital Management vermögen den Aufschwung zu gefährden. Im Gegenteil: Die regelmässigen Brandherde bewirken, dass das Fed permanent die geldpolitischen Schleusen öffnet, um die Konjunktur nicht zu gefährden. Bei jeder aufziehenden Gefahr eilt der Fed-Präsident, mittlerweile ehrfürchtig «Maestro» genannt, rettend zur Hilfe. Die Anleger lernen schnell: Börsenrückschläge sind Kaufgelegenheiten. Der «Greenspan Put» ist geboren. Kombiniert mit den Verheissungen des Internets ist das eine explosive Mischung.

3. The Game of the Name

Im September 1998 folgt die Publikumsöffnung (IPO) von eBay zu 18 $ je Aktie. Am ersten Handelstag schiesst der Kurs auf über 47 $. Bis zum Jahresende klettert er auf 241 $. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis erreicht 1800. Wenigstens ist eBay profitabel. Denn immer mehr Firmen wie TheGlobe.com oder Flooz.com mit mikroskopischen Umsätzen und ohne Gewinne drängen aufs Börsenparkett. Investoren werfen bewährte Bewertungsgrundsätze über Bord. Die New Economy lässt sich schliesslich nicht mit überholten Kennzahlen erfassen. Dividenden und Profite interessieren nicht mehr. Was zählt, sind die Anzahl Seitenbesucher oder die «Cash Burn Rate» – wie schnell die noch zarten Unternehmen ihre Finanzpolster durchbrennen und in die Zukunft investieren.

Damit das Angebot an Firmen mit der Nachfrage Schritt halten kann, bringen die Banken zunehmend fragwürdige Gesellschaften an die Börse. Die Kotierungsstandards sinken. Die Analysten helfen kräftig mit – alles, was einen Kurs hat, wird zum Kauf empfohlen. Allein in 1999 und 2000 werden an der Nasdaq fast 700 IPO durchgeführt. Die Bankkommissionen sprudeln. Schnell realisieren gewiefte Unternehmer, dass sie den Wert ihrer Firmen über Nacht erhöhen können: das Anhängsel «.com» an den Firmennahmen genügt.

Die Schweizer Börse gründet im Sommer mit dem SWX New Market ein spezielles Segment, um wachstumskräftigen Technologieunternehmen den Börsenzugang zu erleichtern. Gegen Ende des Millenniums beherrscht das Jahr-2000-Problem, die Befürchtung, dass Fehler bei der Datumsumstellung die Wirtschaft am 1. Januar 2000 ins Chaos stürzen könnten, die Medien. Doch auf Greenspan ist Verlass, vorsorglich flutet er die Märkte mit Liquidität. Der Nasdaq Composite verdoppelt sich 1999 und schnellt in den ersten Wochen des neuen Jahrtausends 24% in die Höhe. AOL kauft Time Warner. Am 10. März 2000 erreicht der Index sein Allzeithöchst von 5048,62 Punkten.

Die Anatomie der SpekulationsblaseDas fünfstufige Modell der Ökonomen Hyman Minsky und Charles Kindleberger beschreibt den idealtypischen Verlauf von Spekulationsblasen.
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4. Fehlstart ins Millennium

Doch die Schwerkraft gilt auch im Internet-Zeitalter. Das Fed, das während der Hausse die Spekulationsblase mit billigem Geld genährt hat, erhöht 2000 die Leitzinsen in drei Schritten von 5,5 auf 6,5%. Gleichzeitig verlangsamen sich die Technologieinvestitionen unerwartet stark. Am Horizont zeichnet sich eine Rezession ab. Dann geht es schnell.

Nur einen Monat nach Erreichen des Höchst hat der Nasdaq ein Viertel seines Werts eingebüsst – und das ist erst der Anfang. Mit den fallenden Kursen schwindet das Anlegervertrauen, die vor kurzem noch üppig sprudelnden Finanzierungsquellen versiegen. Der Nasdaq beendet das Jahr unter 2500, gerade noch halb so hoch wie neun Monate zuvor. Auch die Notierungen von soliden Unternehmen wie Amazon (–96%), Cisco Systems (–89%) oder Yahoo (–97%) erleiden brutale Verluste. Die Euphorie ist erloschen.

5. Von «.com» zu «.gone»

Mit dem Kurssturz kommt Unappetitliches ans Licht: um die steigenden Erwartungen zu erfüllen, haben viele Unternehmen tief in die Buchhaltungstrickkiste gegriffen: Gewinne wurden geschönt, fiktive Umsätze verbucht und Kosten als Investitionen deklariert. Dann der Schock: Am 2. Dezember 2001 meldet Enron, einst das siebtgrösste Unternehmen des Landes, Konkurs an. Adelphia, GlobalCrossing, Pets.com, Webvan, WorldCom und Dutzende weitere Höhenflieger folgen und schliessen ihre Pforten ebenfalls für immer. Firmen beginnen, «.com» und andere Internet-Bezeichnungen wieder aus ihren Namen zu streichen – und werden an der Börse mit Kursgewinnen belohnt.

Bald wird ruchbar, dass Staranalysten wie Henry Blodget, Mary Meeker oder Jack Grubman anstatt ihren Kunden ehrliche Einschätzungen zu liefern, die Kurse von maroden Firmen mit Gefälligkeitsanalysen in die Höhe getrieben hatten. Ihnen werden Millionenbussen und lebenslange Berufsverbote auferlegt. Die grossen Wallstreet-Häuser werden zu Milliardenbussen verurteilt. Arthur Andersen, Enrons Buchprüfer, bricht unter einem enormen Reputationsschaden zusammen. Um das Vertrauen in den Kapitalmarkt wieder herzustellen, treten Ende Juli 2002 mit dem Sarbanes-Oxley-Act die umfassendsten Finanzreformen seit der Grossen Depression in Kraft. Die Schweizer Börse löst den New Market auf.

Erst im Oktober, nach einem Verlust von 80%, endet die Talfahrt des Nasdaq. Doch unter den Trümmern der kollabierten Technologiefirmen nimmt die Zukunft Gestalt an. 2004 öffnet sich Google dem Publikum, und ein neuer Boom beginnt.

Person der Stunde: Henry Blodget (geb. 1966)Henry Blodget wird 1966 als Sohn eines Bankangestellten in New York geboren. An der renommierten Yale University erwirbt er einen Bachelor in Geschichte. Für eine gewisse Zeit unterrichtet er in Japan Englisch, dann kehrt er in die USA zurück und versucht sich in San Francisco als Autor, Journalist und Tennislehrer. 1994 fasst er in der Finanzindustrie beim Versicherer Prudential Securities Fuss. Zwei Jahre später wechselt er zu Oppenheimer & Co. ins Aktienresearch, wo er 1998 durch eine aggressive Kaufempfehlung für Amazon auffällt – und ins Schwarze trifft. Merrill Lynch wird auf ihn aufmerksam und wirbt ihn kurz darauf ab. Damit steht seinem Aufstieg nichts mehr im Weg. Es folgen regelmässige Auftritte beim Börsensender CNBC, sein Lohn erreicht 10 Mio. $. Dass er die gleichen Aktien, die er nach aussen anpreist, bankintern als «Schrott» bezeichnet, wird erst später bekannt. Dafür wird er 2003 von der Börsenaufsicht wegen Wertschriftenbetrugs angeklagt. Er stimmt einem lebenslänglichen Berufsverbot zu und wird zu einer Strafzahlung von mehreren Millionen Dollar verurteilt. Heute betreibt er das von ihm gegründete Onlineportal Business Insider. SR

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