Märkte / Makro 09:51 - 21.11.2012

«Die Zeit ist reif für den Kauf von Aktien»

Edouard Carmignac, Chef des Pariser Fondshauses Carmignac Gestion, kauft Anleihen aus Italien und Spanien, europäische Bankaktien und Gold.
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zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Aktiven
In der Bilanz aufgeführte Vermögenswerte eines Unternehmens (verfügbare Mittel, Guthaben, Vorräte, Anlagen, Beteiligungen usw.). Gegenteil: Passiven .
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Ausübung
Geltendmachung des Rechts zum Bezug des im Optionsvertrag fixierten Basiswerts zum Ausübungspreis (physische Lieferung ) oder zum entsprechenden Barausgleich . Findet während (amerikanische Option ) oder am Ende (europäische Option ) der Laufzeit statt.
Bond
Englische Bezeichnung sowohl für eine Anleihe wie auch für ihre handelbaren Bruchteile, also die Obligationen .
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Eigenkapital
Der Teil des Gesamtkapitals, der den Aktionären gehört und ihnen im Fall einer Geschäftsaufgabe ausgezahlt wird. Aus Sicht der Aktionäre besteht die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens darin, auf dem Eigenkapital eine risikogerechte Rendite zu erwirtschaften (vgl. Eigenkapital der Banken ).
Eigenkapitalrendite
Gewinn, ausgedrückt in Prozenten des Eigenkapitals . Der RoE ist eine häufig verwendete, aber wenig aussagekräftige Kennziffer, da er stark von buchhalterischen Einflüssen wie der Methode für die Abschreibung von Goodwill abhängt.
Emerging Markets
Wird von Investoren als Synonym für die Finanzmärkte in aufstrebenden Schwellenländern (v. a. Osteuropa, Asien, Lateinamerika) mit einem überdurchschnittlichen Wachstumspotenzial, aber auch hohen Risiken verwendet.
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Grossbanken
In der Schweiz UBS und Credit Suisse. Sie sind mit einem Anteil von 50% an der Bilanzsumme und 75% an der Börsenkapitalisierung aller Schweizer Bankaktien die bedeutendste Bankengruppe. Auch international gehören sie zu den grössten Banken.
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Laufzeit
1. Lebensdauer eines Derivats oder einer Obligation . 2. Frist im Optionsgeschäft, während deren eine amerikanische Option ausgeübt werden kann.
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Momentum
Instrument der technischen Analyse . Wird aus der Subtraktion des aktuellen Kurses vom Kurs vor einer bestimmten Anzahl Tage ermittelt. Das Momentum gilt als Vorlaufindikator und gibt ein Signal über die Richtung eines Trends.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Rating
Einstufung der Bonität eines Schuldners durch spezialisierte Ratingagenturen anhand einheitlicher Kriterien und Verfahren. Am Rating kann ein Investor ablesen, wie hoch das Ausfallrisiko ist.
Refinanzierung
Als Refinanzierung bezeichnet man die Geldbeschaffung von Kreditinstituten. Hat eine Bank Gelder an Kreditnehmer ausgezahlt, kann sie sich u. a. über die Emission festverzinslicher Wertpapiere refinanzieren und erhält somit den Spielraum, weitere Kredite zu gewähren.
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.

Kaum ein Fondsmanager in Europa geniesst an den Finanzmärkten ein höheres Ansehen als Edouard Carmignac. Der Chef des Pariser Investmenthauses Carmignac Gestion lobt Mario Draghi und Ben Bernanke: Die beiden Notenbanker hätten mit ihrer Politik die Systemrisiken enorm gesenkt, sagt er. Carmignac rät jetzt zum Kauf von Aktien wie Richemont (CFR 67.8 0.52%) oder den Titeln europäischer Banken. UBS (UBSG 17.53 0.63%) und Credit Suisse (CSGN 15.85 3.12%) beobachtet er allerdings nach wie vor mit Skepsis.

Zur PersonEdouard Carmignac, Jahrgang 1947, ist Gründer, Chef und leitender Fondsmanager des Pariser Investmenthauses Carmi¬gnac Gestion. Die 1989 gegründete Gesellschaft verwaltet heute mit 200 Angestellten ein Fondsvermögen von mehr als 50 Mrd. €. Flaggschiffprodukte sind der Mischfonds Patrimoine sowie der Aktienfonds Investissement. Edouard Carmignac wurde in Frankreich geboren und verbrachte einen Teil seiner Jugend in Peru, wo sein Vater Import-Export-Geschäfte betrieb. Er besuchte englische Schulen und studierte später Wirtschaft in Paris und New York. Berufliche Erfahrungen sammelte er in der Investmentbank Blyth Eastman Dillon sowie im Brokerhaus Hamant-Carmignac. 1989, nach einem Besuch bei der Bostoner Investmentboutique GMO, deren Geschäftsmodell ihn überzeugte, gründete er seine Fondsgesellschaft. Carmignac hat sich einen Ruf erworben als mutiger Investor, der oft gegen den Strom schwimmt. In seinem Pariser Büro hängen dem Vernehmen nach zwei Warhol-Porträts von Lenin und Mao. Sie sollen ihn stets daran erinnern, dass nichts im ¬Leben garantiert ist.Herr Carmignac, die Agentur Moody’s hat Frankreich das Aaa-Rating entzogen. Was hat das für Sie als Investor für Folgen?
Die Rückstufung durch Moody’s bestätigt bloss die besorgniserregende Entwicklung in der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft sowie die starke Verflechtung unseres Bankensystems in der Eurozone. Wir bei Carmignac sind bereits vor mehreren Jahren zu diesem Befund gekommen – mit der Konsequenz, dass wir in der Vermögensallokation französische Staatsschulden gemieden haben.

Sie haben die Aktienquote im Patrimoine-Fonds im dritten Quartal massiv von 4 auf 50% erhöht, obwohl Sie sich mehrfach besorgt über den Zustand der ­Wirtschaft geäussert haben. Was ist der Grund für diesen Umschwung in Ihrer ­Risikofreude?
Die Massnahmen der EZB im August ­sowie der US-Notenbank im September haben die Risiken im Finanzsystem extrem vermindert. Diese Entscheide waren wichtig – und richtig. Sie haben die Risiko­prämie an den Aktienmärkten gesenkt. Als EZB-Chef Mario Draghi sein Massnahmenprogramm bekanntgab, war uns klar, dass mehr Risikofreude angebracht ist.

Die Abkühlung der Weltwirtschaft ist plötzlich keine Gefahr mehr?
Wir leben in zwei Welten, der Finanz- und der realen Wirtschaftswelt. Die reale Wirtschaftswelt zeigt ein durchzogenes Bild mit drei Geschwindigkeiten: Europa sinkt in die Rezession, die USA schaffen es auf knapp 2% Wirtschaftswachstum, und die Emerging Markets haben sich nach ihrer Abkühlung stabilisiert respektive zeigen Signale einer Beschleunigung. Wirklich wichtig war aber, dass Draghi die Risiken im Finanzsystem dramatisch gesenkt hat.

Ist ihm das denn wirklich gelungen, oder hat die EZB bloss etwas Zeit gekauft?
Nichts ist permanent, aber die EZB hat klargemacht, dass sie ein Hochkochen systemischer Risiken nicht tolerieren wird. Wir werden bald sehen, dass es die EZB ernst meint, wenn Spanien einen offiziellen Hilfsantrag stellt und das OMT-Anleihenkaufprogramm (Outright Monetary Transactions, d. Red.) ausgelöst wird.

Wann wird das sein?
Wahrscheinlich noch in diesem Jahr, denn Spanien weist für 2013 einen signifikanten Refinanzierungsbedarf auf.

Trotzdem: Die EZB kann die Eurokrise doch allein nicht lösen. Welche Schritte möchten Sie sehen, damit die Eurokrise endlich überwunden werden kann?
Wir werden eine fiskalische Integration einer Gruppe von Ländern benötigen, die sich in wirtschaftlich sehr unterschiedlichen Situationen befinden. Wahrscheinlich werden nicht alle Länder der heutigen Währungsunion in den kommenden Jahren dabeibleiben. Für Griechenland wird es enorm schwierig. Auf der anderen Seite hat auch ein starkes Land wie Finnland bereits klargestellt, dass es für keine fremden Schulden bürgen will. Wir werden noch viele Spannungen sehen. Die Länder, die in der Währungsunion bleiben, müssen bereit sein, eine hohe finanzielle Bürde zu tragen. Alles in allem bin ich aber recht zuversichtlich, dass die Kernländer der Eurozone zusammenrücken werden.

Sie bezeichnen die Massnahmen von EZB und Fed als wichtig – trotzdem haben die Aktienmärkte seit Mitte September an Terrain verloren. Wieso?
Sie hatten von Juni bis Mitte September in Erwartung der Notenbankentscheide bereits kräftig zugelegt. Zwei Faktoren liessen in den vergangenen zwei Monaten die Furcht unter den Investoren zudem wieder steigen: die drohende Fiscal Cliff in den USA und die zögerliche Haltung Madrids, das OMT-Programm aufzurufen.

Sind das berechtigte Sorgen?
Ich würde sie nicht überbewerten. Spanien wird den Antrag bald stellen. In ­Washington fechten die beiden Parteien einen lärmigen Streit aus, aber ich denke, am Ende wird die Vernunft siegen, und es wird ein Kompromiss geschlossen.

Sie würden die aktuelle Schwächephase also für Käufe nutzen?
Absolut.

Und was kaufen Sie?
Das Umfeld hat sich für Aktienanlagen ­generell massiv verbessert. Aktien sind günstig im Vergleich mit nahezu jeder ­anderen Anlageklasse, seien es Bonds, ­Immobilien, Kunst et cetera. Ich denke, wir werden in den nächsten Jahren eine grosse Verschiebung der Kapitalflüsse von den Bond- in die Aktienmärkte erleben. Das wird nicht ohne Turbulenzen ge­schehen, aber ich habe das Gefühl, die Leute haben nach fünf Jahren fast per­manenter Krise vergessen, dass die Welt eine Zukunft hat.

Also generell Hände weg von Bonds?
Die sicheren Segmente des Bondmarktes, Bunds, Treasuries oder japanische Staatsanleihen, sind klar überbewertet. Attraktiv sind jedoch Bonds mit kurzer Laufzeit aus Spanien und Italien. Hier und da finden sich im BBB-Segment im Markt für Unternehmensanleihen Chancen, etwa von spanischen Banken. In den Schwellenländern würde ich auf Anleihen aus Ländern mit unterbewerteter Währung setzen, etwa Malaysia, Korea und China.

In Ihrer Aktienallokation fällt auf, dass Sie ein Übergewicht in Finanztiteln halten.
Der Sektor hatte dieses Jahr einen sehr ­guten Lauf, und wir haben in den vergangenen Monaten europäische Banktitel wie Santander, BNP Paribas (BNP 60.61 1.93%), UniCredit (UCG 2.56 2.98%), ING (INGA 13.725 1.78%) und Société Générale (GLE 46.86 4.45%) aufgebaut.

Stehen dahinter Momentum-Überlegungen, oder sprechen fundamentale Gründe für diese Engagements?
Der gleiche Faktor, der mich für spanische und italienische Bonds zuversichtlich stimmt, gilt für die Banken: Das OMT-­Programm der EZB wird ihnen eine grosse Hilfe sein. Die fünf genannten Banken gefallen uns, weil sie günstig bewertet und gut geführt sind.

Was halten Sie von UBS und Credit Suisse?
Ich mag im Fall beider Banken ihre Positionierung im Wealth Management. Allerdings bezweifle ich, dass es ihnen im Investment Banking gelingen wird, den Gewinn zu steigern und eine attraktive Eigenkapitalrendite zu verdienen. Wir halten daher keine Aktien der Schweizer Grossbanken. Im direkten Vergleich sehen wir mehr Potenzial in UBS und beobachten ihre neue Strategie sehr genau. Wir befürchten jedoch, die Annahmen des Managements betreffend die Kürzung der risikogewichteten Aktiven sind zu optimistisch, und die Umsetzung der neuen Strategie wird teurer, als die UBS-Führung glaubt.

Wo sehen Sie weitere attraktiv bewertete Titel und Segmente am Aktienmarkt?
In erster Linie Emerging Markets. Chinas Aktienmarkt ist sehr attraktiv bewertet. Zudem sehen wir Chancen in Ländern wie Brasilien, neuerdings wieder in Indien sowie in Indonesien, Peru und Kolumbien.

Chinas Aktienmarkt ist auf ein Drei­jahrestief gefallen. Was kann dort eine Trendwende auslösen?
Zunächst die Wirtschaft. Sie hat Tritt gefasst, eine harte Landung ist nicht mehr zu erwarten. Zweitens muss sich die Liquiditätsversorgung im Finanzsystem verbessern, und auch dafür sind erste Zeichen zu erkennen. Ein dritter Faktor ist die Machtübergabe an die neue Regierung, die wieder eine freiere Hand in der Ausübung der Konjunkturpolitik haben wird.

Eine der grössten Positionen in Ihrem Investissement-Fonds ist der Uhrenhersteller Richemont. Ist das eine Wette auf China?
Nicht nur. Richemont ist ausgezeichnet geführt, das Management beweist eine gute Kostenkontrolle. Mir gefällt, dass hinter Richemont eine Familie steht, die sehr sorgfältig arbeitet. Und ja, Richemont ist in Asien ausgezeichnet positioniert.

Würden Sie die Titel heute noch kaufen?
Ja. Sie sind im laufenden Jahr zwar bereits fast 40% gestiegen, aber mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 für das kommende Jahr sind sie immer noch günstig.

In Ihren Fonds finden sich schon seit ­langer Zeit Goldminenaktien wie Goldcorp, Randgold oder Barrick. Sind Sie immer noch zuversichtlich für diesen Sektor?
Barrick haben wir in den vergangenen Monaten verkauft. Goldminenunternehmen haben einen schweren Stand; das Finden und Ausbeuten von Vorkommen wird immer teurer, der steigende Goldpreis hat sich nicht in höheren Gewinnmargen niedergeschlagen. Wir haben daher das Portfolio umgeschichtet und neu Royalty-Titel wie Silver Wheaton und Franco-Nevada gekauft.

Sie rechnen aber immer noch mit einem steigenden Goldpreis?
Absolut. Wir werden noch lange sehr niedrige Zinsen, billiges Geld und etwas – nicht dramatisch, aber etwas – höhere Inflation haben. Das spricht für Gold (Gold 1171.26 -0.31%).

Sie haben erwähnt, Fed und EZB hätten die richtigen Entscheide getroffen. ­Machen Sie sich keine Sorgen über die langfristigen Effekte dieser Geldpolitik?
Die Folgen am Bondmarkt werden schlimm sein. Aber wir müssen einsehen: Die meisten Länder der entwickelten Welt gehen durch einen zähen Deleveraging-Prozess, in dessen Rahmen Schulden abgebaut werden müssen. Das wird Jahre dauern. Und weil die Wachstumsraten auf beiden Seiten des Atlantiks so anämisch sind, ist es enorm wichtig, dass die Notenbanken die Zinsen so niedrig wie möglich halten. Wir können Gott für Draghi und Ben Bernanke danken. Sie sind die wahren Piloten in unserem Flugzeug.