Märkte / Aktien 18:34 - 11.03.2014

Europäische Unternehmen bergen höheres Kurspotenzial

Im Vergleich mit den USA verspricht der europäische Aktienmarkt zurzeit höhere Renditen.
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Abschlag
Differenz in Prozenten, um die der Emissionspreis oder der Börsenkurs eines Wertpapiers den Nominalwert oder den inneren Wert unterschreitet. Gegenteil: Aufgeld .
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
BIP
Wertschöpfung einer Volkswirtschaft . Die Entwicklung des BIP ist eine wichtige Einflussgrösse für die Gewinne der Unternehmen sowie das Zinsniveau und dadurch indirekt für Aktien und Obligationen .
Buchwert
1. Wert, zu dem ein Aktivposten in der Bilanz aufgeführt ist (Bilanzwert). Falls der Buchwert kleiner ist als der effektiv mit einem Verkauf erzielbare Wert, entspricht die Differenz einer stillen Reserve . 2. Wert, der sich aus der Teilung des ausgewiesenen Eigenkapitals durch die Anzahl ausstehender Aktien ergibt.
Bull
Anleger, der eine Hausse erwartet (Stier). Gegenteil: Baissier (Bär, Bear).
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
GV
Oberstes Organ einer AG. Neben der ordentlichen jährlichen Versammlung der Aktionäre können auch ausserordentliche GV einberufen werden.
Hausse
Längere Zeit anhaltende Kurssteigerungen an der Börse, auch Bull Market genannt. Gegenteil: Baisse .
KGV
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Marge
1. Differenz zwischen den Aktiv- und den Passivzinsen einer Bank (Zinsmarge ). 2. Differenz zwischen dem Geldkurs und dem Briefkurs eines Wertpapiers (Geld-Brief-Spanne ). 3. Bareinschuss (Initial Margin , Variation Margin ) bei Futures oder CDF (Sicherheitsmarge). 4. Ergebnis (meist das operative) im Verhältnis zum Umsatz (Return on Sales, RoS).
PMI
Vielbeachteter, international verbreiteter Frühindikator, der auf einer Befragung von Chefeinkäufern von Unternehmen über Lage und Ausblick für Produktion, Preise, Aufträge, Personalbedarf etc. basiert. Saldowerte über (unter) 50 signalisieren eine wirtschaftliche Expansion (Kontraktion).
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).

Vergangene Woche ist der US-Aktienmarkt ins sechste Jahr seiner Hausse eingetreten. Doch der Bulle wird langsam müde. Inzwischen haben die Bewertungen im S&P 500 (SP500 2037.41 -3.59%) ein Niveau erreicht, das längerfristig für ein begrenztes Kurspotenzial spricht. Den Anlegern bieten sich interessante Alternativen, beispielsweise in Europa: Zwar hat der alte Kontinent mit spezifischen Herausforderungen zu kämpfen. Das Preisniveau im europäischen Aktienmarkt ist jedoch deutlich günstiger – und das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite damit wesentlich attraktiver.

zoomErste Indizien liefert die Shiller P/E. Sie setzt den aktuellen Kurs mit den durchschnittlichen, inflationsbereinigten Gewinnen der letzten zehn Jahre ins Verhältnis. Während der S&P 500 mit einer Shiller P/E von 25 deutlich über­bewertet ist, notiert der europäische ­Aktienmarkt mit moderaten 16 auf dem langjährigen Mittel. Das deutet auf ein über die kommenden Jahre höheres Kurspotenzial hin.

Sinkende Gewinnkraft

zoomZugunsten Europas spricht ebenfalls das substanzorientierte Kurs-Buchwert-­Ver­hältnis (KBV). Hier ist eine tiefere Kenngrösse tendenziell als Unterbewertung zu interpretieren. Zwar notiert das KBV im Stoxx Europe 600 seit kurzem über dem langfristigen Durchschnitt. Der Abschlag gegenüber dem US-Aktienmarkt liegt zurzeit aber bei rund 30%. Eine historische Studie von Barclays (BARC 153.75 -17.69%) ­belegt, dass sich solche Phasen jeweils als gute Kaufgelegenheit für ­europäische ­Valoren entpuppten.

zoomEines der grössten Probleme, mit der die Unternehmen Europas in den letzten Jahren zu kämpfen hatten, ist die erodierende Profitabilität: Seit Frühling 2011 haben sich die Gewinnaussichten für die jeweils nächsten zwölf Monate stetig ­reduziert. Das Ausmass der Abwärtsrevisionen übertraf dabei die ­Vergleichsgrössen in den USA sowie in den Schwellenländern deutlich.

zoomDass die europäischen Börsen seit September 2011 trotzdem stetig zulegten, ist primär auf eine Bewertungs­expansion zurückzuführen. So hat sich seither das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinnschätzung über die nächsten zwölf Monate ausgeweitet – von unter 9 auf über 14. Auf diesem Niveau scheint eine weitere Expansion des KGV längerfristig eher unwahrscheinlich. Folglich sollte nun endlich auch ­operatives Gewinnwachstum einsetzen, um die Kurse im europäischen Aktienmarkt weiter anzutreiben.

zoomOptimistische Indikatoren dafür gibt es durchaus. Ein ermunterndes Zeichen liefert etwa das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung: Zwar ist jüngst der Index der Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate leicht auf 108,3 Punkte ­gefallen. Doch notiert der Index noch ­immer über 105 – einer Schwelle, ab der es in der Vergangenheit jeweils zu einer Aufwärtsrevision der Gewinnprognosen kam. Weiter haben sich die europäischen Einkaufsmanagerindizes (PMI) über die letzten Monate verbessert: Der für die Eurozone aggregierte Frühindikator bewegt sich mit 53,2 komfortabel über der Fünfzigermarke, die eine Expansion der Wirtschaftsaktivität signalisiert.

zoomDie Analystengilde geht denn auch in Europa für 2014 von einem Gewinnwachstum pro Aktie von mehr als 10% aus. ­Dieses Ziel scheint erreichbar – auch wenn man die Komponenten Umsatz- und ­Margenentwicklung gesondert betrachtet. So ist die unterlegte Umsatzprognose von +2,5 bis 3% angesichts eines anziehenden BIP-Wachstums plausibel. Deutlich ­wichtiger – und schwieriger – ist derweil die Verbesserung der Profit­margen. Denn seit Anfang 2011 sind sie fast kontinuierlich gesunken. Diese Entwicklung steht in deut­lichem Kontrast zur USA, wo sie jüngst ein neues Allzeithöchst markiert haben.

Da die Margen allerdings dazu ten­dieren, zum historischen Durchschnitt zurückzukehren («Mean Reversion»), ist das Steigerungspotenzial in Europa ­deutlich grösser. Beispielsweise geht der Margin Lead Indicator von Morgan Stanley (MS 24.52 -10.15%) für das laufende Jahr von einer Erhöhung um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte aus.

Nationale Unterschiede

zoomzoomInnerhalb Europas sind die nationalen Unterschiede allerdings gross – was etwa ein Vergleich zwischen Deutschland (Dax (DAX 9557.16 -6.82%)) und Frankreich (Cac40) belegt. Beide Aktienmärkte haben seit 2011 fast im Gleichschritt eine Bewertungsexpansion mitgemacht. Doch während die ­Gewinne in Deutschland auf ein Rekordniveau gestiegen sind, verloren sie im französischen Leitindex kontinuierlich an Boden. Kein Wunder blieb der Cac40 hinter dem deutschen Nachbarn zurück. Wer auf die Erholung Europas setzen möchte, dürfte in Frankreich deshalb höheres Kurspotenzial vorfinden – vor allem wenn die von Präsident François Hollande ­vorgeschlagenen Wirtschaftsreformen erfolgreich umgesetzt werden können.

Alle Indizien zusammengenommen präsentieren sich die Renditeaussichten im europäischen Aktienmarkt vorteilhafter als in den USA. Zu den wenigen Faktoren, die eine Erholung dämpfen könnten, gehört vor allem eine fortgesetzte Krise der Schwellenländer. Denn was das ­bedeuten könnte, liessen die Viertquartalszahlen 2013 erahnen: Europäische Gesellschaften mit höherem Emerging-Markets-Exposure enttäuschten sowohl hinsichtlich Gewinn als auch Umsatz deutlich häufiger die Analystenerwartungen.

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