Märkte / Makro 18:25 - 03.12.2015

EZB: «Die neuen Massnahmen reichen aus»

Die EZB hat den Einlagenzins für Banken von –0,2 auf –0,3% gesenkt. Das Anleihenkaufprogramm dauere länger, sagte Mario Draghi an der Pressekonferenz. Der Franken-Euro-Kurs steigt.
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DAVOS/SWITZERLAND, 25JAN13 - Mario Draghi, President, European Central Bank, Frankfurt is captured during the special address session at the Annual Meeting 2013 of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, January 25, 2013. . . Copyright by World Economic Forum. . swiss-image.ch/Photo Remy Steinegger

Mario Draghi [ˈdraːgi] (* 3. September 1947 in Rom) ist ein italienischer Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler. Er war von 2006 bis 2011 Präsident der Italienischen Nationalbank und ist seit dem 1. November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Draghi, zwischen 2002 und 2005 Vice President bei Goldman Sachs, ist derzeit zudem Vorstandsmitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel.

Leben

Mario Draghi wurde am 3. September 1947 in Rom geboren. Sein Vater war ein ranghoher Beamter der italienischen Zentralbank. Er starb, als Draghi fünfzehn Jahre alt war, kurz darauf auch seine Mutter.

Ausbildung

Draghi besuchte das von den Jesuiten geführte Istituto Massimo, eine katholische Privatschule in Rom, und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität ...

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http://de.wikipedia.org/wiki/Mario_Draghi

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Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Aktien-Futures
Futures auf eine einzelne Aktie . Aktien-Futures werden an diversen Terminbörsen gehandelt, beispielsweise an der Londoner Liffe oder der Eurex .
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Arbeitslosenquote
Prozentualer Anteil der arbeitswilligen Personen ohne Stelle, gemessen als Verhältnis zwischen den Arbeitslosen und der Erwerbsbevölkerung.
BIP
Wertschöpfung einer Volkswirtschaft . Die Entwicklung des BIP ist eine wichtige Einflussgrösse für die Gewinne der Unternehmen sowie das Zinsniveau und dadurch indirekt für Aktien und Obligationen .
Basiseffekt
Statistisches Phänomen. Veränderungsraten fallen verzerrt aus, wenn der Basiswert aussergewöhnlich hoch oder tief war, beispielsweise infolge einer Tabaksteuererhöhung im Falle der Zigarettenpreise.
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Bond
Englische Bezeichnung sowohl für eine Anleihe wie auch für ihre handelbaren Bruchteile, also die Obligationen .
Bundesanleihen
Wichtigstes Refinanzierungsinstrument und wichtigstes Schuldnersegment am Schweizer Anleihenmarkt. Die für die Liquiditätsbeschaffung verantwortliche Bundestresorerie refinanziert sich über Geldmarktbuchforderungen (GMBF ) sowie die Ausgabe oder die Aufstockung von Anleihen . Mit Ausnahme von August (und optionalen Terminen im April, November und Dezember) gibt sie am zweiten Dienstag jedes Monats gemäss Emissionskalender bekannt, welche Titel sie auszugeben gedenkt und ob eine Eigentranche zur späteren Plazierung am Kapitalmarkt vorgesehen ist. Investoren können bis zur Auktion am Mittwochmittag Gebote einreichen. Zugeteilt wird im Tenderverfahren , wobei sich die Tresorerie der Repoplattform der Eurex bedient. Die Federführung obliegt der SNB .
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Europäische Zentralbank
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Fiskalpolitik
Neben der Geldpolitik Teil der Wirtschaftspolitik, bei der der Staat die Instrumente der Finanzpolitik (Steuererhöhungen oder -erleichterungen, Ausgabenpolitik etc.) zur Stabilisierung der Volkswirtschaft einsetzt. Eine expansive (restriktive) Fiskalpolitik stimuliert (bremst) das Wirtschaftswachstum und zieht eine Zunahme (Abnahme) der Inflation nach sich, auf die die Zentralbank mit einer Straffung (Lockerung) der Geldpolitik reagiert (vgl. rationale Erwartungen ).
Futures
Standardisierter börsengehandelter Terminkontrakt , mit dem sich die eine Partei verpflichtet, den Basiswert zu einem bestimmten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen (Long-Position ). Die Gegenpartei verpflichtet sich zur Lieferung (Short-Position ) oder, wenn vorgesehen, zum Barausgleich . Die Terminbörse bringt beide Parteien zusammen und stellt die Einhaltung der Vertragsbedingungen, u. a. mit der Übernahme des Gegenparteirisikos (Clearing ) die Erfüllung, sicher. Dafür verlangt sie eine Sicherheitsleistung (Einschussmarge ). Das Margenkonto wird täglich ausgeglichen (vgl. Maintenance Margin ).
Geldmenge
Bestand an Bar- und Buchgeld in einer Volkswirtschaft . Die SNB orientierte sich bis 1999 zur Steuerung der Geldmenge an der bereinigten Notenbankgeldmenge.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationserwartung
Entscheidende Grösse für die geldpolitische Lagebeurteilung durch Zentralbanken sowie für die Marktrendite von (Staats-)Anleihen . Nicht die gegenwärtige Inflationsrate beeinflusst das Handeln von Verbrauchern und Investoren, sondern deren Meinung, wie sich die Teuerung in Zukunft entwickeln wird. Inflationserwartungen lassen sich jedoch nur annäherungsweise bestimmen, u. a. anhand von Prognosen und der Renditedifferenz zwischen nominellen und inflationsgeschützten Anleihen gleicher Laufzeit (sogenannte Break-even-Inflationsrate).
Inflationsrate
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationsziel
Geldpolitisches Konzept der Zentralbanken in Grossbritannien, Schweden etc. Die Aufgabe ist, die monetären Bedingungen so auszurichten, dass die tatsächliche Inflationsrate so nahe wie möglich an das fixierte Inflationsziel (Bank of England: 2%, Riksbank: 2% +/–1 Prozentpunkt) heranreicht. Die Teuerung muss also nicht so tief wie möglich ausfallen. Die EZB orientiert sich ebenfalls an einem versteckten Inflationsziel, «nahe, aber knapp unter 2%».
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Laufzeit
1. Lebensdauer eines Derivats oder einer Obligation . 2. Frist im Optionsgeschäft, während deren eine amerikanische Option ausgeübt werden kann.
Leitzinsen
Zinsen der Zentralbanken zur Geldmengensteuerung mit Signalwirkung für die Geldpolitik, in den USA Federal Funds Target Rate genannt. Die Schweizerische Nationalbank verwendet ein Zielband für den Dreimonatssatz Libor .
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
Wechselkurs
Gibt an, in welchem Verhältnis die Währung eines Landes gegen die Währung eines anderen Landes gewechselt werden kann (vgl. effektiver Wechselkurs ).
Wertpapier
Urkunde, mit der ein Recht derart verknüpft ist, dass es ohne die Urkunde weder geltend gemacht noch auf andere übertragen werden kann. Zu den Wertpapieren zählen Aktien , Obligationen , Partizipations- und Genussscheine , Anteile von Anlagefonds , Warrants und strukturierte Produkte .
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

(Reuters/Beg) Die EZB flutet das Finanzsystem wegen der hartnäckig niedrigen Inflation noch länger mit billigem Geld. Die Euro-Währungshüter weiteten am Donnerstag ihr insbesondere in Deutschland umstrittenes Anleihenkaufprogramm auf nunmehr 1,5 Bio. € aus. An der Börse wurde allerdings zum Teil mit noch stärkeren Schritten gerechnet, was den Aktienmarkt nach unten zog und den Euro aufwerten liess.

Die EZB geht damit einen anderen Weg als die US-Notenbank. Denn dort deutet derzeit alles darauf hin, dass Fed-Chefin Janet Yellen Mitte Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Leitzinsen anheben wird.

«Wir machen mehr, weil es wirkt», verteidigte EZB-Präsident Mario Draghi seine in Deutschland viel kritisierten Massnahmen. «Wir sind zuversichtlich, dass diese Entscheidungen angemessen sind, um unser Ziel zu ereichen.» Die EZB wolle sicherstellen, dass sich die Inflation im Währungsraum wieder der Marke von knapp 2% nähere. Ohne diese Massnahmen wäre die Teuerung nächstes Jahr einen halben Punkt tiefer, so Draghi. Allerdings haben die hausinternen EZB-Experten wegen der niedrigeren Energiepreise ihre Inflationsprognosen für die Jahre 2016 und 2017 gesenkt.

Draghi zufolge werden sich die wirtschaftlichen Bedingungen durch das Anleihenkaufprogramm nach und nach verbessern. Die Beschlüsse seien zwar nicht einstimmig gefällt worden – aber mit einer «sehr grossen Mehrheit», so der Italiener.

Die Währungshüter wollen nun ihre monatlichen Käufe von rund 60 Mrd. € um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017 verlängern. Damit erhöht sich der Gesamtumfang um 360 Mrd. €. Auch Anleihen von Kommunen und Regionen sollen jetzt erworben werden. So kann die Notenbank die mögliche Verknappung in einzelnen Ländern abfedern – etwa bei deutschen Bundesanleihen. Die EZB verdient mit ihren Transaktionen Geld, da sie Zinsen für die Anleihen einsackt. Diese Gewinne will sie einsetzen, um neue Papiere zu kaufen.

Auf die Geschäftsbanken im Euroraum kommen zudem höhere Strafzinsen zu, wenn sie überschüssige Gelder bei der Zentralbank parken. Die EZB setzte den sogenannten Einlagensatz von bisher –0,2 auf –0,3%. Den Leitzins beliessen die Währungshüter hingegen auf dem Rekordtief von 0,05%.

Mit ihren Massnahmen will die EZB das Wirtschaftswachstum ankurbeln und so auch die Inflation anheizen. Durch die Wertpapierkäufe sollen Bond-Renditen sinken und so als Investment für Banken unattraktiv werden. Die Geldhäuser sollen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben. In die gleiche Richtung zielen auch die Strafzinsen für Banken.

USA und Eurozone gehen getrennte Wege

Fed-Chefin Yellen stimmte die Märkte zuletzt mehrfach auf eine massvolle Zinsanhebung Mitte Dezember ein. Weitere Führungsmitglieder der Zentralbank liessen kaum einen Zweifel daran, dass sie die Geldpolitik straffen wollen. Denn mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 5% ist die US-Notenbank ihrem erklärten Ziel der Vollbeschäftigung bereits greifbar nahe gekommen.

Noch im September hatten die Schockwellen der Börsenturbulenzen in China und die Furcht vor einem Wachstumseinbruch in der Volksrepublik das Fed den lang erwarteten Schritt aufschieben lassen. Inzwischen hat Yellen aber erklärt, die vom Ausland auf die USA ausstrahlenden Risiken seien seit dem Sommer geringer geworden. In den USA, wo sich die Wirtschaft insgesamt viel besser erholt hat, liegen die Leitzinsen bereits seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von 0 bis 0,25%.

 

Die Pressekonferenz im Liveticker

15:29 Uhr

Der Wechselkurs des Euros sei wichtig, aber kein geldpolitisches Ziel. Zielmarke sei die Inflation. Aber alle Massnahmen von sämtlichen Zentralbanken nähmen Einfluss auf die Wechselkurse, und diese beeinflussten das Wirtschaftswachstum und die Inflation.

Geopolitische Risiken könnten das Vertrauen beschädigen und die Lage verschlechtern. Der EZB-Rat sei zuversichtlich, aber nicht selbstzufrieden.

Die Risiken und Nebenwirkungen der getroffenen Massnahmen seien diesmal vom EZB-Rat nicht speziell diskutiert worden, sagt Draghi. Die Risiken würden aber von der EZB kontinuierlich beurteilt. Es gebe kein systemisches Finanzrisiko, sondern lediglich lokale Risiken. Diese könnten durch konventionelle Regulierung entschärft werden.

15:23 Uhr

Der Franken-Euro-Wechselkurs ist weiterhin über 1.09 Fr./€.
Der Dax ist 2,2% im Minus, in den USA handeln die Aktien-Futures fast unverändert zum Vortag.

Eine Journalistin aus Griechenland will Auskunft über den aktuellen Stand der Dinge mit Blick auf ihr Herkunftsland. Draghi verweist auf die «Institutionen», früher Troika genannt.

15:17 Uhr

Das Anleihenkaufprogramm dauert bis März 2017 oder länger statt nur bis September 2016. Ob es auf unbestimmte Zeit weitergeführt wird, hängt von der Inflationsentwicklung ab. Draghi betont erneut, die Reinvestition auslaufender Anleihen sei zentral. Anleihen würden nach März 2017 in unverändertem Umfang in der Bilanz bleiben, auch wenn das Kaufprogramm nicht verlängert werde.

15:13 Uhr

Die Bilanz sei ein Mittel der Geldpolitik. Ihre Grösse per se sei nicht wichtig, sondern die EZB müsse das geldpolitische Ziel erreichen. Sie habe die Instrumente, um künftig bei Bedarf die Bilanz zu verkleinern und damit die zusätzliche Liquidität aus dem Markt zu nehmen.

Berücksichtigt die EZB die Auswirkungen auf andere Währungen, etwa den Franken oder die schwedische Krone? Die EZB könne keine Rücksicht nehmen auf andere Notenbanken, sie müsse ihr Mandat verfolgen und nur die Eurozone beachten. Es gebe aber Konsultationen mit anderen Notenbanken, um die Auswirkungen zu diskutieren.

Der Einlagenzins wurde von –0,2 auf –0,3% gesenkt. Das verbessere die Wirkung resp. den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik massiv. Der Einlagenzins ist neu der wichtigste Leitzins. Die Marktzinsen richten sich danach aus.

15:07 Uhr

Neu ist der Kauf von Anleihen von lokalen und regionalen Gebietskörperschaften. Draghi will zum geplanten Umfang keine genaueren Angaben machen. Es gebe allerdings auch im bisherigen Universum genügend Anleihen zu kaufen. Kritik, die EZB finde nicht ausreichend Schuldtitel zum Kauf, sei unberechtigt.

15:05 Uhr

Der wichtigste Faktor, der die Inflation beeinflusst hat, war der Ölpreis. Dazu kam die Wirtschaftslage in den Schwellenländern. Die Geldpolitik habe positive Wirkungen, auch wenn das Inflationsziel noch nicht erreicht sei. Das verfügbare Einkommen habe zugenommen, der Konsum ebenfalls. Das Anleihenkaufprogramm verbessere die Bedingungen in der Eurozone allmählich.

15:02 Uhr

Der Umfang der monatlichen Anleihenkäufe von 60 Mrd. € wird nicht erhöht. Das Programm sei flexibel, sagt Draghi, es könne jederzeit angepasst werden. Wichtig sei, dass nun die Anleihen jeweils am Ende der Laufzeit ersetzt werden, damit die ausstehende Liquidität nicht wieder abnehme. Derzeit reichten die neuen Massnahmen aus.

14:58 Uhr

Am wichtigsten sei die Abnahme der Kreditkosten, führt Draghi weiter aus. Die Transmission von der Geldpolitik zu den Kreditkosten sei effektiv. Das BIP in der Eurozone werde 2015 dank der Massnahmen der EZB um 1 Prozentpunkt höher ausfallen.

Die Rendite spanischer Staatsanleihen steigt 0,2 Prozentpunkte. Der Euro-Dollar-Kurs steigt auf 1.085 $/€, ein Vierwochenhoch. Der Franken-Euro-Kurs steigt über 1.09 Fr./€.

14:55 Uhr

Die Finanzmärkte sind offenbar enttäuscht von den Massnahmen. Ist die Kommunikation der EZB falsch gelaufen? Nein, sagt Draghi, die Märkte brauchten Zeit, um die Massnahmen einzuschätzen.

Die Entscheide seien im EZB-Rat nicht einstimmig gefällt worden, aber mit grosser Mehrheit.

14:53 Uhr

Neu sei die Reinvestition von Anleihen, die auslaufen. Dadurch bleibe die zusätzliche Liquidität im Markt länger erhalten. Es gebe autonome Faktoren, die die Liquidität reduzierten. Dazu gehöre die Rückzahlung der Liquiditätsspritzen TLTRO. Die EZB will sicherstellen, dass die Anleihen für lange Zeit auf der EZB-Bilanz bleiben, dass sich die Bilanzsumme also nicht automatisch verkleinert.

14:49 Uhr

Weshalb hat die EZB nicht mehr getan? Draghi: Die Erholung verlaufe zwar schrittweise, aber sie setze sich fort. Unterstützung böten die Geldpolitik, eine weniger restriktive Fiskalpolitik und der tiefe Ölpreis. Die Geldpolitik sei effektiv, die Bedingungen an den Finanzmärkten und am Kreditmarkt hätten sich verbessert. Mit Blick auf die Inflation reichten die bisherigen Massnahmen aber nicht aus. Die EZB tue mehr, weil die Massnahmen wirkten.

14:47 Uhr

Draghi antwortet nun auf Fragen von Journalisten.

14:46 Uhr

Es seien mehr Kredite an Unternehmen vergeben worden, aber das Wachstum sei gering und spiegle die verhaltene Situation am Kreditmarkt. Insgesamt habe sich ergeben, dass eine weitere Stimulierung durch die Geldpolitik notwendig sei. Die Erholung müsse von strukturellen staatlichen Massnahmen und Investitionen unterstützt werden. Die strukturelle Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei nach wie vor hoch.

14:43 Uhr

Die Inflationsraten sollten zum Jahreswechsel steigen, weil der Ölpreisverfall vom vergangenen Jahr aus der Statistik verschwindet (Basiseffekt). Bis 2017 sollte die Inflation auf 1,7% steigen. Die Geldmenge wachse solid.

14:40 Uhr

Der Wirtschaftsausblick bleibt mehr oder weniger unverändert. Draghi erwähnt geopolitische Risiken, die das Vertrauen beeinträchtigen könnten.
Die Inflation sei geringer, als erwartet worden war.

14:39 Uhr

Der EZB-Rat ruft in Erinnerung, dass das Anleihenkaufprogramm flexibel sei und im Umfang und in der Dauer ausgeweitet werden könne. Erwartet wird eine wirtschaftliche Erholung, die lockere Geldpolitik stütze den Konsum.
An den Anleihenmärkten rentieren deutsche und französische Staatsanleihen leicht höher.

14:36 Uhr

Die Indikatoren zeigten weiterhin ein Abwärtsrisiko für die Inflation.
Derweil fällt an den Aktienmärkten in Europa der Stoxx 600 um 1,9%. Der deutsche Dax sinkt 2,8%.

14:34 Uhr

Das Anleihenkaufprogramm wird bis März 2017 oder darüber hinaus verlängert. Zudem wird die Auswahl an Anleihen ausgeweitet, die die EZB kaufen will. Neu dazu gehören die Anleihen von lokalen Gebietskörperschaften. Ziel sei, die Inflationserwartungen fest zu verankern.

14:32 Uhr

Der EZB-Rat habe die Ursachen analysiert, weshalb die Inflation gering bleibt. Er hat entschieden, den Einlagensatz von –0,2 auf –0,3% herabzusetzen. Die anderen beiden Leitzinsen bleiben unverändert.

14:30 Uhr

EZB-Präsident Mario Draghi eröffnet die Medienkonferenz und hält das Einführungsreferat.

 

Der Zinsentscheid

(Reuters/BEG) Die EZB verschärft den Strafzins für Banken. Der sogenannte Einlagensatz sei auf –0,3%, von bislang –0,2%, gesetzt worden, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mit. Für Geschäftsbanken wird es damit noch teurer, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Den Leitzins für die Versorgung der Kreditinstitute mit Zentralbankgeld beliess die EZB hingegen bei 0,05%. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit September 2014.

Die Notenbank kündigte zudem an, dass EZB-Präsident Mario Draghi weitere geldpolitische Schritte am Nachmittag in Frankfurt erläutern wird. Es wird erwartet, dass die umstrittenen Anleihenkäufe dann ausgeweitet werden. Die EZB will mit dem Programm das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation anheizen. Im November waren die Preise in der Eurozone nur 0,1% gestiegen. Die EZB strebt aber als optimalen Wert für die Wirtschaftsentwicklung knapp 2% an.

Der Franken-Euro-Wechselkurs stieg unmittelbar nach der Publikation des Zinsentscheids von 1.0804 auf 1.0875 Fr./€. Danach sank der Kurs leicht und handelte um 1.084 Fr./€.

Euro-Franken

Quelle: Bloomberg

Auch gegenüber dem Dollar liess der EZB-Entscheid den Euro aufwerten. Er notierte zeitweise über 1.07 $/€. Zuvor war er im Tagesverlauf unter 1.055 $/€ gefallen.

Euro-DollarQuelle: Bloomberg

 

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