Märkte / Anleihen 07:10 - 05.09.2014

Faber: «Die Weltwirtschaft wird sich abschwächen»

Marc Faber glaubt an das Signal aus dem Anleihenmarkt: Eine Abkühlung steht bevor. Er setzt jedoch auf Aktien aus Asien und von Goldminen, wie er im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» erläutert.
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Marc Faber (* 28. Februar 1946 in Zürich; heimatberechtigt in Trimbach) ist ein Schweizer Börsenexperte, Fondsmanager und Buchautor.

Faber studierte Volks- und Betriebswirtschaft an der Universität Zürich. In Zürich wurde er neben seinem Studium auch noch Hochschulmeister im Skilauf. In London und Edinburgh wurde er mit einer Dissertationsschrift zur Wirtschaftsgeschichte promoviert. Von 1970 bis 1978 war er bei White Weld & Company in New York, Zürich und Hongkong tätig. Von 1978 bis Februar 1990 war er dort Managing Director bei Drexel Burnham Lambert. 1990 gründete er die Investmentgesellschaft Marc Faber Ltd. mit Sitz in Hongkong. Diese verwaltete 2007 ca. 300 Millionen Dollar.

Faber gilt als pessimistischer Börsenguru, da er vergangene Crashs, nämlich die Japan-Baisse, den Börsencrash von 1987, die Asienkrise und das Platzen der Technologie-Blase 2000 richtig prognostizierte. Faber ist Herausgeber des Gloom Boom & Doom Reports. ...

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Abschlag
Differenz in Prozenten, um die der Emissionspreis oder der Börsenkurs eines Wertpapiers den Nominalwert oder den inneren Wert unterschreitet. Gegenteil: Aufgeld .
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Deflation
Breit angelegter Rückgang des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft , nicht nur in einzelnen Branchen (z. B. Informatik). In der Regel geht sie mit einer Rezession einher, weil es sich lohnt, Geld zu horten, statt zu investieren und zu konsumieren, da Güter und Dienstleitungen laufend günstiger werden und der Realzins unattraktiv hoch ist.
Devisen
Auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen, insbesondere Bankguthaben, Checks und Wechsel. Allgemein auch ein Sammelbegriff für ausländische Währungen.
Dividende
Der von einer Aktiengesellschaft je Aktie ausgezahlte Gewinnanteil. Die Dividende wird durch die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrats festgesetzt. Als Dividende werden auch die Auszahlungen an die Inhaber von Genuss- und Partizipationsscheinen bezeichnet.
Dividendenrendite
In Prozenten ausgedrückter Ertrag einer Aktienanlage: Die Dividendenrendite stellt die in einem Jahr ausgeschüttete Dividende in Prozenten des Kurses dar. In der Praxis ist die erwartete Dividendenrendite als Auswahlkriterium relevant, sie ist jedoch nicht gesichert.
Edelmetalle
Gold, Silber, Platin, Palladium, Iridium, Rhodium, Osmium und Ruthenium. Die wichtigste Terminbörse für den Edelmetallhandel ist die Comex.
Emerging Markets
Wird von Investoren als Synonym für die Finanzmärkte in aufstrebenden Schwellenländern (v. a. Osteuropa, Asien, Lateinamerika) mit einem überdurchschnittlichen Wachstumspotenzial, aber auch hohen Risiken verwendet.
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Greenback
Populärer Ausdruck für den amerikanischen Dollar, wegen der grünen Färbung der Banknote.
Hausse
Längere Zeit anhaltende Kurssteigerungen an der Börse, auch Bull Market genannt. Gegenteil: Baisse .
Industrieländer
An und für sich überholte Bezeichnung für hochentwickelte Staaten, überwiegt dort heute doch der Dienstleistungssektor. Die Industriestaaten sind in der OECD zusammengefasst.
Konsumentenpreise
Entwicklung der Preise der für den Alltag der Privathaushalte wichtigsten Waren und Dienstleistungen, von Benzin über Wohnungsmieten bis zum Kinoticket (aber ohne Krankenversicherungsprämien), monatlich erfasst im Landesindex der Konsumentenpreise. Zielgrösse der Definition von Preisstabilität der SNB .
Kreditqualität
Mass der Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit eines Schuldners. Dabei bezieht sich die Kreditfähigkeit auf die Vermögens- und Ertragslage des Schuldners und die Kreditwürdigkeit auf seinen Willen, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen (vgl. Rating ).
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Leistungsbilanz
Auflistung aller wirtschaftlichen Transaktionen eines Landes mit dem Ausland. Der wichtigste Bestandteil ist die Leistungsbilanz (Ertragsbilanz), die im Wesentlichen die Handelsbilanz umfasst. Da die Zahlungsbilanz immer ausgeglichen sein muss, weil ein Land sonst in Zahlungsschwierigkeiten geriete, müssen Leistungsbilanzdefizite beispielsweise durch Nettokapitalimporte (Kapitalbilanzüberschüsse) finanziert werden.
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Obligation
Als Wertpapier ausgestalteter und somit handelbarer Bruchteil (Stückelung ) einer Anleihe .
Performance
1. Verlauf des Kurses eines Wertpapiers. 2. Meist in Prozenten ausgedrückte Wertentwicklung eines Portefeuilles inklusive Ausschüttungen (reinvestiert). 3. Anlagepolitische Leistung der Leitung eines Anlagefonds, einer Beteiligungsgesellschaft, eines Hedge Fund oder einer Pensionskasse mit Blick auf das Anlageziel.
Real
1. Gibt den inflationsbereinigten Wert an. Gegenteil: nominal. 2. Name der brasilianischen Währung.
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Rohstoffe
Werden in der Regel standardisiert und auf Termin (vgl. Futures ) gehandelt. Die Palette reicht von Edelmetallen über Basismetalle , Getreide und Ölsaaten , Soft Commodities und Fleisch sowie Milch bis zu Energie.
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
«Eidgenossen»
Wichtigstes Refinanzierungsinstrument und wichtigstes Schuldnersegment am Schweizer Anleihenmarkt. Die für die Liquiditätsbeschaffung verantwortliche Bundestresorerie refinanziert sich über Geldmarktbuchforderungen (GMBF ) sowie die Ausgabe oder die Aufstockung von Anleihen . Mit Ausnahme von August (und optionalen Terminen im April, November und Dezember) gibt sie am zweiten Dienstag jedes Monats gemäss Emissionskalender bekannt, welche Titel sie auszugeben gedenkt und ob eine Eigentranche zur späteren Plazierung am Kapitalmarkt vorgesehen ist. Investoren können bis zur Auktion am Mittwochmittag Gebote einreichen. Zugeteilt wird im Tenderverfahren , wobei sich die Tresorerie der Repoplattform der Eurex bedient. Die Federführung obliegt der SNB .

Der in Thailand wohnhafte Schweizer Marc Faber gilt vielen Marktteilnehmern als Dauerpessimist. In der Tat erwartet der Anlageexperte im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» einmal mehr eine Korrektur an der US-Börse. Trotzdem kann er sich für asiatische Aktien oder die Valoren von Goldmineuren erwärmen. Fast schon euphorisch klingt seine Empfehlung für Immobilientitel aus Hongkong, die mit Abschlägen von bis zu 40% auf den Nettoinventarwert handeln.

Herr Faber, im Mai 2013 hat die blosse Ankündigung der US-Notenbank, die monatlichen Anleihenkäufe zurückzufahren, eine Schockwelle durch die Finanzmärkte geschickt. Nun steht das Tapering kurz vor dem Abschluss, und der S&P 500 markiert neue Allzeithöchst. Ist alles kein Problem?
Zur PersonDer Schweizer Anlagestratege Marc Faber mit Wohnsitz im Norden Thailands wird oft als chronischer Baissier und «Dr. Doom» bezeichnet. Statt nur Untergangsprophet ist er jedoch eher Contrarian, der auch Kaufempfehlungen abgibt. Darunter besonders erfolgreich waren beispielsweise asiatische Aktien, Gold und Rohstoffe im Jahr 2002, als Investoren einen weiten Bogen um diese Anlagen machten, oder 2012 italienische und spanische Aktien. Faber, 68, studierte Wirtschaftswissenschaften und doktorierte in Zürich. Von 1970 bis 1978 arbeitete er bei White Weld & Company in New York, Zürich und Hongkong, wohin er 1973 zog. Von 1978 bis 1990 war er Managing Director bei Drexel Burnham Lambert. Danach gründete er die Investmentgesellschaft Marc Faber Ltd. mit Sitz in Hongkong.Trotz dieser Liquiditätsverknappung hält die US-Notenbank die Zinsen weiterhin nahe null, wie Fed-Chefin Janet Yellen kürzlich angekündigt hat. Die Geldpolitik bleibt also trotz Drosselung der Anleihenkäufe expansiv. Seit dem Beginn des Tapering sind die Zinsen an den Obligationenmärkten gesunken, während die Börsen zugelegt haben. Entweder liegt der Anleihenmarkt richtig, der durch die tiefen Zinsen Rezession und Deflation ankündigt, oder der haussierende Aktienmarkt, der Wachstum signalisiert. Deshalb wird in den nächsten zwölf Monaten entweder der Anleihenmarkt oder die US-Börse korrigieren, die im Vergleich zu anderen Aktienmärkten hoch bewertet ist.

Hebt die Liquiditätsflut nicht einfach alle Boote?
Wir haben eine grosse Liquiditätsblase, die zwar die Vermögenspreise in die Höhe treibt, der Realwirtschaft aber wenig hilft. Die Liquiditätsflut hat eine zweispurige Wirtschaft geschaffen: Die Wohlhabenden profitieren von der Hausse an den Finanzmärkten, während der Rest der Bevölkerung eher darunter leidet, weil die Lebenskosten stärker steigen als die Löhne. Es ist deshalb fraglich, ob diese Geldpolitik erfolgreich war. Man kann zwar argumentieren, dass die Fed-Interventionen die Finanzkrise beendet haben. Nur kam die Finanzkrise durch die zu expansive US-Geldpolitik im Vorfeld zustande, die eine kolossale Immobilienblase zur Folge hatte, deren Einbruch die Krise auslöste.

Und auf diesem Pfad befinden wir uns von neuem?
Die Krise hatte ihren Ursprung in der Überschuldung in den Industrieländern. Die verabreichte Medizin bestand aus noch mehr Schulden. Die globale Verschuldung liegt heute im Verhältnis zum Weltbruttosozialprodukt rund 30% höher als im Jahr 2007. Je höher der Schuldenstand, desto niedriger fällt das Wachstum aus. Weil das gedruckte Geld von der Wirtschaft nicht gebraucht wird, fliesst es derzeit vorwiegend in Anleihen und Aktien. Eines Tages wird es vielleicht wieder in Rohstoffe oder Edelmetalle fliessen oder sich in den Konsumentenpreisen bemerkbar machen.

Wer hat denn nun recht: Anleihen- oder Aktienmarkt?
Ich gehe davon aus, dass sich die Weltwirtschaft in den nächsten sechs bis zwölf Monaten entgegen allen Erwartungen abschwächen wird. Europa wächst grundsätzlich nicht, und in den Schwellenländern findet eine deutliche Verlangsamung statt. Das dortige Wachstum ist eng verbunden mit dem Welthandelsvolumen, das gegenwärtig kaum expandiert. Dazu sind die Schwellenländer heutzutage sehr China-zentrisch – viele Emerging Markets exportieren mehr nach China als in die USA oder nach Europa. Von den Schwellenländern dürften in nächster Zeit kaum Wachstumsimpulse ausgehen.

Die US-Wirtschaft scheint sich gut zu schlagen.
Im Vergleich zu anderen Ländern macht die US-Wirtschaft vordergründig einen besseren Eindruck, doch sind in den USA die Konsumkredite stark gestiegen. Die Kreditqualität ist gering, und die Erholung am US-Immobilienmarkt ist ins Stocken geraten.

Somit liegt der Anleihenmarkt richtig?
Zehnjährige Staatsanleihen rentieren in Frankreich 1,3%, in Deutschland 0,95%, in Spanien 2,2% und in den USA 2,4%. Was ziehen Sie vor – eine zehnjährige spanische Anleihe oder US-Treasuries? Es ist durchaus möglich, dass die langen US-Zinsen etwas fallen. Ich halte zehnjährige Treasuries. Sie sind zwar keine gute Anlage, denn auf zehn Jahre werden Sie im Maximum 2,4% im Jahr verdienen. Sparguthaben bei Banken werfen aber noch weniger ab und könnten eines Tages gefährdet sein.

Das Dollarrisiko beunruhigt Sie nicht?
Die Entwicklung bei den Devisen zeigt, wie schwierig die Beurteilung der Märkte wegen der Manipulation durch die Notenbanken geworden ist. Der Euro sollte rein wirtschaftlich gesehen schwach sein. Bis vor kurzem war er aber stark – die Abschwächung setzte erst im April ein. Von kurzfristigen Gegenbewegungen abgesehen dürfte der Euro zum Dollar weiter fallen. Nicht, dass der Dollar eine wünschenswerte Währung wäre, doch die US-Wirtschaft läuft etwas besser als die europäische, und die Anleihenzinsen sind einiges höher. Dazu hat sich dank des Schiefergas- und -ölbooms die Leistungsbilanz etwas entspannt.

Es scheint wenig gegen den Greenback zu sprechen.
Nur wissen wir nicht, wie sich die US-Ölproduktion entwickeln wird, denn die Technologie des Fracking ist umstritten. Dazu kommt, dass die Importe von Industriegütern aus China weiter steigen – die amerikanische Wirtschaft ist also weiterhin nicht besonders konkurrenzfähig.

Was ist von anderen Währungen zu halten?
Langfristig bin ich negativ für alle Papierwährungen. Ziemlich positiv bin ich für Singapurs Wirtschaft und den Singapur-Dollar. Meine favorisierte Währung sind aber Edelmetalle.

Trotz Ihrer Skepsis empfehlen Sie einen Aktienanteil von 25%. Warum?
Ich halte Aktien ohne grossen Enthusiasmus, weil die Bewertungen nicht mehr günstig sind. Im Vergleich zu Anleihen sind Aktien aber attraktiv. Wollen Sie zehnjährige «Eidgenossen» zu 0,47% kaufen oder nicht doch lieber Aktien von Nestlé (NESN 77.2 -1.03%) oder Roche (ROG 245.5 -1.52%), die eine höhere Dividendenrendite bieten? Über zehn Jahre werden Sie mit diesen Valoren wesentlich mehr verdienen als mit Schweizer Staatsanleihen. Kursschwankungen müssen Sie allerdings aussitzen können.

Diese Qualitätswerte sind aber auch nicht mehr günstig.
Weil die expansive Geldpolitik alle Vermögenswerte in die Höhe getrieben hat, werden die zukünftigen Erträge auf Aktien und Anleihen sehr gering ausfallen. Das ist der grosse Unterschied zu 1981, als die Börsen günstig bewertet waren und US-Treasuries über 15% rentierten. Wer in den nächsten Jahren bei Nullzinsen auf seinem Portfolio 5% pro Jahr verdient, ist ein Genie.

Nur fühlt sich das angesichts der Rekordjagd an den Börsen momentan nicht so an.
Privatanleger investieren meist zum falschen Zeitpunkt. Das belegen Untersuchungen, die zeigen, dass Private massiv schlechter abschneiden als die marktbreiten Indizes. Private stürzen sich auf heissgelaufene Anlagen und meiden vernachlässigte Segmente – das ist genau falsch herum. Dazu lasten hohe Bankgebühren auf der Performance vieler Privatanleger.

Welche Aktienmärkte präferieren Sie?
Ich halte den grössten Teil meiner Aktienanlagen in Schwellenländern wie Thailand oder Malaysia sowie in Singapur und Hongkong. In diesen Märkten lässt sich ein Portefeuille zusammenstellen, das eine Dividendenrendite von rund 5% abwirft. Diese Aktien können aber 30, 40% oder in einer Depression sogar noch mehr fallen. Aus diesem Grund diversifiziere ich in Anleihen und Bargeld.

Die chinesische Börse zeigte jüngst Lebenszeichen.
China war eine der wenigen Börsen, die in den letzten Jahren miserabel abgeschnitten haben. Die chinesische Wirtschaft kämpft zwar mit einer Wachstumsabkühlung und den Folgen einer Kreditblase, doch diese Probleme sind mehr oder weniger eingepreist. Auch Hongkong ist vergleichsweise attraktiv. Immobilienaktien handeln dort mit einem Abschlag von bis zu 40% zum Nettoinventarwert und bieten damit einen attraktiven Bewertungspuffer.

Diese Kreditblase sorgt Sie nicht?
China wird mit grossen Herausforderungen zu kämpfen haben, aber wenn ein Markt fünf Jahre lang gefallen ist und 50% verloren hat, war das in der Vergangenheit jeweils kein schlechter Einstiegszeitpunkt.

Gilt das auch für Goldminen?
Weltweit finden sich keine günstigen Anlagen mehr ausser Goldminenaktien. Die sind sowohl absolut wie auch im Vergleich zu allen anderen Anlageklassen günstig, weil das Interesse der Investoren gering ist. Trotzdem haben Goldminen dieses Jahr den S&P 500 (SP500 2170.06 0.16%) geschlagen.

Was halten Sie von europäischen oder amerikanischen Aktien?
US-Aktien halte ich bis auf einige Goldminen keine. Europäische Aktien begann ich erstmals im Frühsommer 2012 zu kaufen, als sich die ganze Welt vor dem Untergang des Euros fürchtete. Die portugiesische, italienische, französische, spanische oder griechische Börse notierte auf oder unter dem Tiefpunkt des Jahres 2009, während sich der S&P 500 bereits verdoppelt hatte. Im Vergleich zu US-Aktien war Europas Peripherie deshalb attraktiv. Die ganze Debatte über den Euro war zudem Zeitverschwendung, denn sein Überleben ist ein politischer Entscheid. Wenn die Euroländer zusammenbleiben wollen – und dieser Wille scheint zu bestehen –, dann wird die Eurozone überleben.

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