Galerien / Objektiv 14:37 - 14.03.2017

Fake State

Der polnische Aussenminister Witold Waszczykowski kommunizierte nur zur Hälfte postfaktisch, als er neulich sagte, Regierungsvertreter «von Belize und San Escobar» getroffen zu haben. Belize nämlich ist kein «Fake». San Escobar hingegen – vielleicht imaginiert als Privatstaat eines Drogenbarons? – ist so fiktiv wie Liliput, Laputa oder Brobdingnag in Jonathan Swifts Klassiker «Gullivers Reisen». Das real existierende Belize hat immerhin sehr wohl einen Stich ins Märchenhafte. Es ist der einzige englischsprachige Staat in Mittelamerika, zählt zum Commonwealth – dem operettenhaften Nachhall eines Weltreichs –, bringt es auf eine bunt gemischte Bevölkerung von nur rund 370 000 Menschen: Mestizen, Kreolen, Maya, deutsche Mennoniten. Die Hauptstadt Belmopan (wer kennt sie nicht?) ist knapp so gross wie, sagen wir, Langenthal (dito). Belize, bis 1981 Britisch Honduras, exportiert Öl, Früchte, etwa aus dieser Plantage, und Meeresfrüchte. Touristen entdecken zunehmend die Schönheiten des Riffs vor der karibischen Küste. So weit, so gut, wäre da nicht der missgünstige Nachbar Guatemala, der das halbe Territorium Belizes für sich beansprucht, einst gar das ganze. Von Belize bliebe so wenig übrig wie von San Escobar.