Märkte / Devisen 13:45 - 16.03.2015

Fluch und Segen der Dollarstärke

Eine derart kräftige Aufwertung der Weltwährung geht an den globalen Finanz- und Gütermärkten nicht spurlos vorbei.
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zum Stichwort
Abwertung
Bewirkt einen geringeren Aussenwert der Währung, was Exporte vergünstigt und Importe verteuert.
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Aufwertung
Bewirkt einen grösseren Aussenwert der Währung, was Exporte verteuert und Importe vergünstigt.
Ausfallwahrscheinlichkeit
Bezeichnet das Risiko, dass eine Forderung vom Schuldner nicht gedeckt werden kann. Bei Wertpapieren besteht das Ausfallrisiko vor allem darin, dass der Emittent z. B. infolge von Liquiditätsschwierigkeiten oder eines Konkurses (Credit Event ) seine Anleihen nicht bedienen kann. Dieses Risiko wird auch als Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, die sich im Rating spiegelt.
BIZ
1930 mit Sitz in Basel gegründete Organisation. Die BIZ fördert die Zusammenarbeit der Zentralbanken (darunter SNB ), die auch die Aktionäre der BIZ sind. In ihrem Rahmen wurde Basel II erarbeitet.
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
1930 mit Sitz in Basel gegründete Organisation. Die BIZ fördert die Zusammenarbeit der Zentralbanken (darunter SNB ), die auch die Aktionäre der BIZ sind. In ihrem Rahmen wurde Basel II erarbeitet.
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Cap
Kurs eines Basiswerts oder ein Zins, den zu erreichen oft darüber entscheidet, ob der Basiswert geliefert oder ein Barbetrag gezahlt wird.
Deflation
Breit angelegter Rückgang des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft , nicht nur in einzelnen Branchen (z. B. Informatik). In der Regel geht sie mit einer Rezession einher, weil es sich lohnt, Geld zu horten, statt zu investieren und zu konsumieren, da Güter und Dienstleitungen laufend günstiger werden und der Realzins unattraktiv hoch ist.
Devisen
Auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen, insbesondere Bankguthaben, Checks und Wechsel. Allgemein auch ein Sammelbegriff für ausländische Währungen.
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Emission
Ausgabe von Wertpapieren zwecks Beschaffung von Fremd- oder Eigenmitteln am Kapitalmarkt .
Europäische Zentralbank
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
Fremdkapital
Auf der Passivseite der Bilanz aufgeführte Forderungen Dritter.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Grossbanken
In der Schweiz UBS und Credit Suisse. Sie sind mit einem Anteil von 50% an der Bilanzsumme und 75% an der Börsenkapitalisierung aller Schweizer Bankaktien die bedeutendste Bankengruppe. Auch international gehören sie zu den grössten Banken.
Hausse
Längere Zeit anhaltende Kurssteigerungen an der Börse, auch Bull Market genannt. Gegenteil: Baisse .
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationsrate
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Laufzeit
1. Lebensdauer eines Derivats oder einer Obligation . 2. Frist im Optionsgeschäft, während deren eine amerikanische Option ausgeübt werden kann.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Offenmarktausschuss
Für die Geldpolitik zuständiges Gremium des US Federal Reserve , der amerikanischen Zentralbank . Es legt den Leitzins fest und setzt sich aus den sieben Mitgliedern des Fed-Direktoriums (Fed Board), dem Präsidenten der New Yorker Fed und vier der restlichen elf Distriktnotenbankpräsidenten zusammen, die im Einjahresturnus ein Stimmrecht erhalten.
Pari
Börsenkurs oder Emissionspreis , der dem Nennwert eines Wertpapiers entspricht. Ist ein Kurs über pari (d. h. über 100%), weist er ein Aufgeld auf.
Real
1. Gibt den inflationsbereinigten Wert an. Gegenteil: nominal. 2. Name der brasilianischen Währung.
Refinanzierung
Als Refinanzierung bezeichnet man die Geldbeschaffung von Kreditinstituten. Hat eine Bank Gelder an Kreditnehmer ausgezahlt, kann sie sich u. a. über die Emission festverzinslicher Wertpapiere refinanzieren und erhält somit den Spielraum, weitere Kredite zu gewähren.
Renditedifferenz
1. Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen. Die Renditedifferenz ist die vereinfachte Form der Zinskurve . 2. Risikoaufschlag, den die Obligationen einer bestimmten Schuldnerkategorie oder eines einzelnen Schuldners im Vergleich zu einer Benchmark , z. B. der Rendite von Staatsanleihen oder dem Swapsatz, aufweisen (vgl. Risikoprämie ).
Renminbi
Bezeichnung für die chinesische Währung. Sie ist in die Zahlungseinheiten Yuan, Jiao und Fen gegliedert.
Research
Systematische Wertpapierbeurteilung als Grundlage für die Anlagepolitik. Sie gliedert sich in die Fundamentalanalyse und die technische Analyse .
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
SNB
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
Wechselkurs
Gibt an, in welchem Verhältnis die Währung eines Landes gegen die Währung eines anderen Landes gewechselt werden kann (vgl. effektiver Wechselkurs ).
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Der Dollar-IndexDer Dollar-Index misst den Wert des amerikanischen Dollars im Vergleich zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner der USA. Seit 1999 umfasst der Korb die sechs Hauptwährungen Euro (57,6%), Yen (13,6%), Pfund (11,9%), Kanada-Dollar (9,1%), Schwedenkrone (4,3%) und Franken (3,6%). Zuvor war das Gewicht des Euros auf die fünf europäischen Hauptwährungen verteilt. Der Index beginnt im Jahr 1973 bei 100.

Ein steigender Index zeigt eine Aufwertung an. Der Dollar-Index ist vergleichbar mit dem effektiven Wechselkurs des Fed. Letzterer ist genauer, da die Gewichtung regelmässig angepasst wird, aber auch komplexer. Die Währungen werden mit einer Kombination aus verschiedenen bilateralen Kennzahlen wie Im- und Exporten gewichtet.
Der Dollar ist nicht mehr zu bremsen. Diese Woche ist der handelsgewichtete Dollarindex (vgl. Grafik unten) zum ersten Mal seit 2003 über 100 gestiegen. In weniger als einem Jahr hat sich der Dollar 25% aufgewertet. Bleibt er bis Ende Monat auf dem aktuellen Niveau, wäre das das stärkste Quartal seit 1992. Der Euro-Dollar-Kurs ist seit Jahresbeginn von 1.20 auf 1.06 $/€ gefallen, die Parität ist in Griffnähe. Zum japanischen Yen notiert der Dollar auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2007.

Eine Aufwertung des Dollars war zwar von vielen Analysten erwartet worden. Dass es so schnell gehen könnte, überrascht nun aber selbst die grössten Dollarbullen. Treibende Kraft hinter der Hausse ist die divergierende Geldpolitik und damit die Zinsdifferenz: Während die US-Notenbank immer lauter über die Zinserhöhung nachdenkt, hat am Montag auch die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Kauf von Staatsanleihen im grossen Stil angefangen.

Japan und Europa atmen auf

Solch enorme Wechselkursbewegungen gehen an den Finanzmärkten und der Realwirtschaft nicht spurlos vorbei. In Japan und in der Eurozone, wo sich die Zentralbanken das Überwinden der Deflation und Stagnation auf die Fahne geschrieben haben, kommt die Dollarstärke und die Abwertung ihrer Währungen gelegen. Sie versprechen sich dank der Währungsvorteile Impulse in der Exportwirtschaft. Auch vielen Schweizer Unternehmen hilft die Dollarhausse, die Frankenaufwertung nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB (SNBN 1400 -4.11%) zu verdauen. Zu den grössten Dollarprofiteuren gehören die Pharmaunternehmen, die Uhrenhersteller und zu einem gewissen Grad auch die Grossbanken.

Die grossen Wellenbewegungen des Dollarszoom

In den USA dagegen wächst das Unbehagen. Schon im Oktober äusserten sich Mitglieder des Offenmarktausschusses des Fed besorgt zu den möglichen negativen Auswirkungen der Dollarstärke auf die US-Wirtschaft. Capital Economic hält diese Sorgen allerdings für wenig begründet. Das Research-Institut rechnet, dass die Einbussen beim Export durch mehr Wachstum beim Konsum mehr als wettgemacht werden.

Die Aufwertung des Dollars macht den Unternehmen allmählich zu schaffen. Sie schwächt die Wettbewerbsfähigkeit im Exportgeschäft und führt zu Einbussen durch die Umrechnung des Umsatzes im Ausland. Wegen der Dollarstärke und dem Kollaps der Erdölpreise haben die Analysten die Gewinnerwartungen für US-Gesellschaften deutlich nach unten korrigiert. Die Unternehmen im S&P500 erzielen zwischen 30 und 40% des Umsatzes im Ausland. Das Thema beschäftigt auch die Börsianer: Die US-Aktienmärkte notieren auf dem Niveau von Anfang Jahr, während der europäische Index Euro Stoxx 50 um 15% im Plus liegt.

Dollarschock wirkt global

Mehr zum ThemaWenn China abwertetzoomNicht nur für die US-Konjunktur und die Unternehmensgewinne ist der Dollarschock ein Risikofaktor. Denn der Dollar ist nicht irgendeine Währung: Er ist noch immer die mit Abstand wichtigste Reserve- und Handelswährung. Laut Daten der EZB lauten 80% der Handelsfinanzierungen auf Dollar. Im Devisenhandel ist er in 90% aller Transaktionen die Gegenwährung. Auch bei der Kreditaufnahme ist er die Währung erster Wahl. Mehr als die Hälfte aller internationalen Schuldtitel lauten auf den Dollar. Am Dollar und an der Politik des Fed hängt auch die Geldpolitik aller Länder, die ihre Währungen in irgendeiner Form an den Dollar gebunden haben. Dazu gehören nicht nur Hongkong und die erdölexportierenden Golfstaaten, sondern auch China, das den Renminbi nur in enger Bandbreite zum Dollar schwanken lässt.

Für all diese Staaten bedeutet ein stärkerer Dollar eine Straffung der Geldpolitik just in einer Phase, in der sie geldpolitische Impulse brauchen könnten. Denn China hat ein Deflationsproblem  und die erdölexportierenden Länder leiden unter dem niedrigen Ölpreis.

Der zweite Kanal, über den die Dollarstärke die Finanzmärkte erschüttern könnte, ist die Verschuldung in Dollar. Sie steigt und verschlechtert die Bilanzqualität, wenn die Einkommen vorwiegend in schwacher Lokalwährung erzielt werden. Eine Analyse der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigt, dass sich die Dollarschulden ausserhalb der USA rapide vermehrt haben. Das Volumen der Dollarkredite an Nicht-Banken ist seit der Finanzkrise von 6 auf über 9 Bio. $ gestiegen. Der Anstieg geht in erster Linie auf das Konto der Schwellenländer: Dort haben sich die Dollarschulden auf 4 Bio. $ verdoppelt (vgl. Grafik 2 oben).

Während die Staaten vermehrt auf Lokalwährungsanleihen zurückgreifen, fand der Dollar-Schuldenaufbau vor allem bei den Unternehmen statt. Grosse Namen wie die Erdölkonzerne Cnooc (883 1.092 0%), Lukoil (LKOD 44.74 -2.31%) und Reliance sowie der brasilianische Bergbaukonzern Vale (VALE3 5.05 0%) haben mehr als 80% der Schulden in Dollar. Am Markt werden die Ausfallwahrscheinlichkeiten nach oben revidiert. So ist die durchschnittliche Renditedifferenz auf Unternehmensanleihen der Schwellenländer seit Beginn der Dollarstärke im vergangenen Sommer von 3,5% auf rund 5% gestiegen.

Capital Economics sieht denn auch in den Schwellenländern mit hoher Auslandverschuldung und hoher Inflation  die grössten Herausforderungen. Das seien derzeit vor allem Brasilien, Russland, Südafrika und die Türkei. Die Dollarstärke sei aber ein Problem unter vielen für diese Ökonomien. Der Blick auf die Währungsentwicklung bestätigt diese Einschätzung. Der brasilianische Real, der russische Rubel und auch der südafrikanische Rand gehören jetzt trotz bereits tiefer Kurse zu den schwächeren Währungen (vgl. Grafik 1).

Andere Gläubigerbasis

Anders als in den Schwellenländer-Krisen der Neunzigerjahre ist das US-Bankensystem weniger stark in die Kreditorgie involviert. Auffallend ist aber das schnelle Wachstum der Verschuldung über die Emission von Anleihen. Grundsätzlich bergen Anleihenschulden wegen ihrer längeren Laufzeit weniger Sprengstoff als kurzfristige Kredite von Banken. Doch auch Anleihen müssen irgendwann zurückgezahlt werden. Fällt die Refinanzierung in eine turbulente Zeit, kann es ebenfalls zu einer deutlichen Erhöhung der Fremdkapitalkosten kommen. Dass nicht mehr die Banken die Kredite gewähren, sondern vor allem Anleger über Fonds, ist ebenfalls ein Novum. Die BIZ sieht darin ein neues mögliches Risiko für die Finanzmarktstabilität, über das noch viel zu wenig bekannt ist.

Ein weiterer Aspekt der Dollarstärke sind die fallenden Rohstoffpreise. Der inverse Zusammenhang ist frappant (vgl. Grafik 3 oben). Die fallenden Rohstoffpreise wiederum wirken deflationär. Das ist in einem Umfeld ohnehin schon niedriger Inflationsraten nicht unbedingt das, was die Weltwirtschaft braucht.

Wenn China abwertet - Peking steckt im Dilemma«Für Länder, die ihre Währung an den Dollar gekoppelt haben, wirkt eine Dollaraufwertung wie eine Straffung ihrer Geldpolitik», sagt Russell Napier, unabhängiger Anlagestratege und Mitgründer der Online-Researchplattform ERIC. Er warnt, dass der starke Dollar die Welt in eine Deflation stürzen könnte. Das Fass zum Überlaufen bringen könnte China, dann nämlich, wenn auch Peking die Währung abzuwerten beginnt und anfängt, wie Japan und die Eurozone fallende Preise zu exportieren.

Doch China steht vor einem Dilemma: Auf der einen Seite ist es mit einer nachlassenden Wachstumsdynamik und zahlreichen Deflationsherden konfrontiert. Die Konsumentenpreisinflation liegt bei niedrigen 1,4%, die Produzentenpreise entwickeln sich seit 2012 rückläufig. Gleichzeitig nimmt das Lohnwachstum ab: Lokalen Medienberichten zufolge ist der Durchschnittslohn in den grössten vier Städten gemäss Umfrage einer Personalagentur zum Vorjahr sogar 6% gefallen. China hätte demnach gute Gründe, die Geldpolitik zu lockern. Doch diese wird zu einem grossen Teil von der US-Zentralbank bestimmt, da der Yuan an das Schicksal des Dollars gebunden ist. Ein Ausweg aus der Sackgasse könnte die Abwertung gegenüber dem Dollar sein.

Das könnte jedoch den chinesischen Privatsektor empfindlich treffen. Denn ein beträchtlicher Teil der neuen Schulden wurde in Dollar aufgenommen. Seit 2009 hat sich das Gesamtvolumen der Dollarschulden von Unternehmen, Banken und anderen Finanzinstituten auf 400 Mrd. $ verachtfacht. Eine Abwertung des Yuans würde die Schuldenlast auf einen Schlag deutlich vergrössern und könnte die Bilanzen in Schieflage bringen. Laut den Ökonomen von Morgan Stanley würde eine Yuanabwertung kurzfristig Chinas Schmerzen lindern, aber längerfristig könnte sie die Wirtschaft weiter destabilisieren. Peking werde wohl weiterhin auf andere Massnahmen setzen, wie etwa die Senkung der Leitzinsen oder des Mindestreservesatzes.

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