Märkte / Makro 15:49 - 03.01.2017

Inflation in Deutschland feiert Comeback

In Deutschland sind die Preise überraschend stark gestiegen. Die Teuerung ist damit auf höchstem Stand seit Mitte 2013.
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Barrel
Handelsübliche Masseinheit für Rohöl. Entspricht 158,97 Litern.
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Europäische Zentralbank
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationsrate
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Kerninflation
Um vorübergehende Verzerrungen bereinigte Rate, die eine akkuratere Aussage über den Inflationstrend zulässt als die Gesamtinflation. Die Schweizerische Nationalbank publiziert eine Trimmed-Mean-Rate, bei der die Güter mit den stärksten Preisschwankungen nach oben und unten aus dem Landesindex der Konsumentenpreise ausgeschlossen werden. Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht die Kernrate 1 (Konsumentenpreise ohne Nahrung, Getränke, Tabak, Saisonprodukte, Energie und Treibstoff) und 2 (Kernrate 1 ohne Produkte mit administrierten Preisen).
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Leichtöl
Rohöl gilt als «Sweet», wenn es einen Schwefelgehalt von weniger als 0,5% aufweist. Die bekanntesten Sorten sind Brent aus der Nordsee und das amerikanische West Texas Intermediate (WTI). Raffineure bevorzugen Leichtöl, weil es einfacher zu verarbeiten ist und daraus mehr Heizöl, Benzin und Kerosin zu gewinnen ist. Kommt es in Raffinerien zu Engpässen oder Störungen, steigen deshalb auch die Preise von Brent- und WTI-Öl (vgl. Schweröl ).
Nullzinspolitik
Zur Bekämpfung einer Deflation senkt die Notenbank den Leitzins auf 0% und versucht auf diese Weise negative Realzinsen zu erzielen, sodass ein Anreiz geschaffen wird, zu investieren und Kredite aufzunehmen (vgl. quantitative Lockerung ).
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

(Reuters)  Die Inflation in Deutschland ist zurück. Sie kletterte zum Jahreswechsel auf den höchsten Stand seit Juli 2013. Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember im Schnitt 1,7% mehr als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Grund dafür ist, dass sich Energie – also Tanken und Heizen – erstmals seit drei Jahren wieder zum Vorjahresmonat verteuerte. «Die Inflation feiert ein Comeback», sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank (VPB 108 0.09%) aus Liechtenstein. Über das Gesamtjahr 2016 gesehen blieb der Preisdruck allerdings gedämpft – im Schnitt stiegen die Verbraucherpreise um 0,5%, nach 0,3% 2015.

Im laufenden Jahr dürfte es deutlich stärker nach oben gehen. Die Bundesregierung und die Wirtschaftsweisen peilen eine Inflationsrate von 1,6% an. Es wäre der höchste Wert seit 2012. Im Frühjahr könnte die Teuerung sogar über die Marke von 2% springen, sagte Michael Holstein von der DZ Bank. «Das wird die Kaufkraft der Verbraucher belasten und auf den privaten Konsum drücken – ein Grund, warum die Konjunktur in diesem Jahr wohl nicht mehr ganz so dynamisch verläuft wie 2016.» Auch NordLB-Experte Jens Kramer erwartet eine dämpfende Wirkung. «Wer mehr für Benzin und Haushaltsenergie ausgeben muss, dem sitzt das Geld für andere Dinge eben nicht mehr so locker.»

Für die Europäische Zentralbank (EZB) sind höhere Inflationsraten gute Nachrichten. Denn sie strebt im gesamten Währungsraum stabile Preise an und sieht dies nur bei Werten von knapp 2% gewährleistet. Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Jahresteuerung im Euroraum im Dezember auf 1,0 von 0,6% erhöht. Die Daten werden am Mittwoch veröffentlicht. Die EZB will mit ihrer – in Deutschland scharf kritisierten – lockeren Geldpolitik die Inflation anheizen und die Konjunktur ankurbeln. «Die Nullzinspolitik bei steigender Inflation ist verheerend für den deutschen Sparer», bekräftigte etwa Bayerns Finanzminister Markus Söder im «Handelsblatt». Fachleute gehen aber davon aus, dass die Währungshüter ihren Kurs mit sehr niedrigen Zinsen zunächst fortsetzen. Denn die sogenannte Kerninflation – bereinigt um die oft schwankenden Preise von Energie und Nahrungsmitteln – bleibe niedrig, sagte Commerzbanker Marco Wagner.

Inflation im Schlepptau des Ölpreises

Entscheidend für die Inflation war in den vergangenen Jahren die Entwicklung des Ölpreises, der Mitte 2014 auf Talfahrt ging. Im Dezember verteuerte sich Energie um 2,5% und damit erstmals seit drei Jahren. Dies dürfte sich zunächst fortsetzen, denn das Ölkartell Opec und andere Förderländer wollen mit einer Produktionskürzung den Preis für den Rohstoff hoch halten. Nordseeöl der Sorte Brent (Brent 55.447 2.13%) und US-Leichtöl kosteten je Barrel (159 Liter) so viel wie zuletzt im Juli 2015.

In Nordrhein-Westfalen etwa verteuerte sich Heizöl im Dezember um gut 21% und Tanken kostete 7,4% mehr. Die Trendwende bei der Energie zeigt sich beim Blick auf die Jahresdurchschnittspreise: Hier sparten die NRW-Bürger 2016 gut 17% beim Heizöl und fast acht Prozent an der Zapfsäule.

Bundesweit lag die Teuerung im November noch bei 0,8%. Ein Grund für den Anstieg zum Jahresende waren auch Nahrungsmittelpreise, die um 2,5% zulegten. Pauschalreisen verteuerten sich wie zu dieser Jahreszeit üblich. In einigen Bundesländern mussten Touristen dafür gut 20% mehr ausgeben als noch im November.