Unternehmen / Konsum 13:26 - 17.02.2017

Kraft Heinz will für Unilever 143 Mrd. $ bieten

Wolfgang Gamma und Martin Lüscher
Der Hersteller von Heinz-Ketchup stösst beim Zielobjekt auf Widerstand. Die treibende Kraft hinter der Offerte ist Jorge Lemann.
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zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
CEO
Angelsächsische Kürzel für Unternehmenschef (Chief Executive Officer), Leiter der Finanzabteilung (Chief Financial Officer), Leiter Anlagestrategie (Chief Investment Officer) sowie Leiter operatives Geschäft (Chief Operating Officer), die gemeinsam die Geschäftsleitung bilden.
Cap
Kurs eines Basiswerts oder ein Zins, den zu erreichen oft darüber entscheidet, ob der Basiswert geliefert oder ein Barbetrag gezahlt wird.
Investmentgesellschaft
Kotierte Aktiengesellschaft , deren Haupttätigkeit darin besteht, Beteiligungen an anderen Unternehmen zu erwerben. Investmentgesellschaften können auch in Hedge Funds investieren und sind somit kotierte Funds of Hedge Funds .
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Prämie
1. Optionspreis , der vom Käufer einer Option an den Schreiber bezahlt wird. 2. Gibt an, um wie viel Prozent der Kurs des Basiswerts steigen muss, damit die Gewinnschwelle erreicht wird. Die Prämie zeigt, um wie viel Prozent ein Basiswert bei Kauf und Ausübung einer Option teurer wäre als mit dem direkten Erwerb der Aktie. 3. Wandelprämie .
Übernahmeangebot
In der Regel über dem Marktpreis liegendes öffentliches Kaufangebot für die Aktien einer Gesellschaft mit dem Ziel, die Kontrolle zu gewinnen. Die Investoren werden als Raiders oder White Knights bezeichnet.

Es wäre die teuerste Transaktion im Nahrungsmittelsektor und die zweitteuerste überhaupt. 143 Mrd. $ bietet Kraft Heinz (KHC 90.735 -2.52%) für Unilever (UNA 44.62 0.31%). Einzig die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone (VOD 201.25 -1.06%) kurz vor der Tech-Bubble 1999 war noch teurer. Die enorme Summe will der Hersteller von Heinz-Ketchup für den niederländisch-britischen Konzern mit Marken wie Dove und Magnum ausgeben. Der Preis soll in bar und in neuen Aktien bezahlt werden.

Unilever hat das Angebot umgehend zurückgewiesen. Die Offerte schätze den Wert von Unilever zu niedrig ein, teilte das Unternehmen mit. Unilever lehnt die Offerte aber auch aus strategischen Gründen ab. Für weitere Gespräche gebe es keine Grundlage. Die Prämie des Angebots beträgt 18% auf dem Schlusskurs der Aktien vom Donnerstag.  Analysten der Bank Berenberg bezeichnen den gebotenen Preis als «sehr niedrig». Ob Kraft Heinz ein formelles Übernahmeangebot unterbreiten wird, ist unklar. Das Unternehmen hat nun Zeit dafür bis 17. März.

Märkte jubilieren

An der Börse wurde die Mitteilung freudig aufgenommen. Unilever stiegen im Tagesverlauf 13% auf 44.80 €. Der Kurs liegt damit leicht unter dem Angebotspreis. Kraft Heinz gewannen am Vormittag 8%. Das Ziel des Zusammenschlusses ist es laut Kraft Heinz, einen führenden Konsumgüterkonzern zu schaffen, der langfristig wachsen kann. Kraft Heinz erzielte 2016 aus einem Umsatz von 26 Mrd. $ einen Gewinn von 3,5 Mrd. $. Unilever kam im selben Zeitraum auf 52,7 Mrd. € Umsatz und 5,5 Mrd. € Gewinn. Gegen 60% des Umsatzes macht Unilever aber nicht mit Nahrungsmitteln, sondern mit Körperpflege- und Haushaltprodukten. Zusammen kämen Unilever und Kraft Heinz auf 85 Mrd. $ Umsatz und wären damit Nummer zwei hinter Nestlé (NESN 74.3 -0.27%) mit einem Umsatz von 91 Mrd. $. Dass Nestlé dadurch in Zugzwang gerät, ist unwahrscheinlich. Die Geschäftsfelder sind dafür zu unterschiedlich. Zudem hatte sich CEO Mark Schneider an der Präsentation der Jahreszahlen, bevor das Kaufangebot publik wurde, klar gegen grosse Transaktionen ausgesprochen .

3G gibt Gas

An Kraft Heinz hält die Investmentgesellschaft 3G des Brasilien-Schweizers Jorge Lemann knapp 24% und Berkshire Hathaway (BRK.A 255780 0.29%) von Warren Buffett 27%. Lemann und Buffett spannen seit längerem zusammen. Der Brasilianer krempelt mit seinen Grossübernahmen die Getränke- und Nahrungsmittelbranche um. Der Griff nach Unilever kommt weniger als ein Jahr nach der von ihm orchestrierten Megafusion in der Bierbranche, durch die AB InBev die Führungsposition im Sektor kräftig ausgebaut hat. AB InBev liess sich die Übernahme von SABMiller 134 Mrd. $ kosten. Mehr als ein Jahr hatte die Gesellschaft mit CEO Carlos Brito geworben, bis SABMiller dem wiederholt aufgebesserten Angebot nicht mehr widerstehen konnte. Die Absage von Unilever muss nicht das letzte Wort gewesen sein.

Die Investments von 3G Capital folgen einer Strategie. Der Fokus liegt auf starken Marken. Die übernommenen Gesellschaften werden akribisch durchleuchtet und Sparpotenzial schonungslos offengelegt. Ein rigoroses Fitnessprogramm ist die Folge.

Erfolgreiche Beispiele dieses Vorgehens, bei dem alles umgedreht wird, geben die Hamburgerkette Burger King, nun Teil von Restaurant Brands, und der Ketchuphersteller Heinz, Teil von Kraft Heinz. Restaurant Brands ist Anfang 2015 an den Start gegangen. Hinter dem schmucklosen Namen verbergen sich die Fast-Food-Ketten Burger King und Tim Hortons. Daraus ist der weltweit drittgrösste Schnellrestaurantanbieter mit mehr als 18 000 Filialen in 100 Ländern entstanden. Am Zusammenschluss Restaurant Brands hält 3G Capital rund 43%.

Durch die von Lemann in die Wege geleiteten Transaktionen verschieben sich Marktgewichte und Massstäbe in Sachen Effizienz und Ertragskraft. Ob die grosse Dynamik auch nachhaltig ist, kann noch nicht abgeschätzt werden.

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