Kommentare 18:36 - 11.12.2015

Kurze Ruhe für den Franken

«SNB-Präsident Thomas Jordan verströmt Zuversicht, doch seine Lage ist verzwickt.»
Die SNB hat die Geldpolitik nicht weiter gelockert. Sie hofft, dass die Entspannung am Devisenmarkt andauert, doch die Pläne des Fed könnten den Druck auf den Franken erhöhen, schreibt FuW-Ressortleiter Philippe Béguelin.
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zum Stichwort
Aufwertung
Bewirkt einen grösseren Aussenwert der Währung, was Exporte verteuert und Importe vergünstigt.
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Devisen
Auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen, insbesondere Bankguthaben, Checks und Wechsel. Allgemein auch ein Sammelbegriff für ausländische Währungen.
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
SNB
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .
Wechselkurs
Gibt an, in welchem Verhältnis die Währung eines Landes gegen die Währung eines anderen Landes gewechselt werden kann (vgl. effektiver Wechselkurs ).
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Die SNB hat den Negativzins nicht verschärft. Das ist erfreulich und hebt sie wohltuend ab von der übereifrigen Europäischen Zentralbank – auch wenn diese die Geldpolitik in der Vorwoche weniger lockerte als erwartet. Während die EZB weiterhin warnt, setzte die SNB an der vierteljährlichen Lagebeurteilung am Donnerstag auf das Prinzip Hoffnung. Die Änderung ihres Tonfalls ist frappant, denn mit dem Mindestkurs, also bis Anfang 2015, betonte das Direktorium durchweg Risiken und Gefahren.

Jetzt nicht mehr. Wenn die US-Notenbank den Leitzins nächsten Mittwoch erhöhe, sei das ein Zeichen für die Normalisierung der Geldpolitik und die Robustheit der Wirtschaft, sagt SNB-Präsident Thomas Jordan. Die Hoffnung: Dank höheren Zinsen sollte der Dollar zulegen und Druck vom Franken nehmen.

Ob die Entspannung von Dauer ist, hängt am Ausblick der US-Notenbank. Sie könnte weitere Zinserhöhungen vertagen. Und seit 1970 sank der Dollar stets, wenn das Fed den Leitzins nach dem Tiefpunkt erstmals erhöhte. Passiert das erneut, dürfte der Aufwertungsdruck auf den Franken zu-, statt wie erhofft abnehmen.

Jordan verströmt Zuversicht, doch seine Lage ist verzwickt. Der Negativzins ist schon tief, wie die SNB selber sagt, und allzu viel Spielraum nach unten bleibt nicht, da sonst Bargeld gehortet wird. Der Fremdwährungsbestand in der Bilanz ist bereits hoch und damit ein Hemmschuh, um den Franken mit dem Kauf von Devisen über lange Zeit zu schwächen. Zudem ächzt der Werkplatz Schweiz weiterhin unter dem tiefen Wechselkurs.

Die bloss moderate Lockerung der EZB hat den Franken entlastet. Eine allzu moderate Straffung des Fed wird womöglich schon bald zur Bürde. Dann verfliegt die Hoffnung.

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