Märkte / Makro 14:48 - 03.03.2017

Macron festigt seine Favoritenrolle

Der parteiunabhängige französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron lag in einer am Freitag veröffentlichten Umfrage vor Fillon und Le Pen.
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Fachbegriffe
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
EU
Supranationale Organisation (früher Europäische Gemeinschaft), in der 27 europäische Staaten zusammengeschlossen sind. Pfeiler ist die wirtschaftliche Integration. Die wichtigsten Errungenschaften sind der Binnenmarkt und der Euro .
Pari
Börsenkurs oder Emissionspreis , der dem Nennwert eines Wertpapiers entspricht. Ist ein Kurs über pari (d. h. über 100%), weist er ein Aufgeld auf.

(Reuters) Der parteiunabhängige französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron festigt seine Favoritenrolle. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage lag er erstmals sogar im ersten Wahlgang vor der Kandidatin der Rechtsextremen, Marine Le Pen. In einer Stichwahl würde er sich allen Umfragen zufolge klar gegen Le Pen durchsetzen und Nachfolger des sozialistischen Amtsinhabers Francois Hollande werden. Sowohl Le Pen als auch der Drittplatzierte Francois Fillon von den konservativen Republikanern stehen im Mittelpunkt politischer Skandale. Immer mehr Unterstützer Fillons verweigern dem Konservativen ihre Gefolgschaft. In der Partei wurde angedeutet, dass Ex-Premier Alain Juppe sich wieder einschalten könnte.

Der Erhebung des Odoxa-Instituts für den Sender France 2 zufolge kommt Macron in der ersten Runde am 23. April auf 27% (plus zwei Punkte), Le Pen auf 25,5% (minus 1,5 Punkte). Fillon könnte weiterhin nur mit 19%  der Stimmen rechnen und würde es damit nicht in die Stichwahl am 7. Mai schaffen. An den Finanzmärkten wurde die Umfrage mit Erleichterung aufgenommen. Anleger deckten sich wieder mit Frankreich-Anleihen ein.

Auch in der täglichen Umfrage des Instituts Opinionway kann Macron zulegen und kommt auf 24% (plus eins). Verbessern konnte sich hier aber auch Le Pen auf 27%  (plus zwei Punkte). Fillon verliert zwei Punkte auf 19%. Eine klare Mehrheit der Franzosen rechnet dem Institut zufolge damit, dass Macron, der der politischen Mitte zugerechnet wird, nächster Präsident sein wird. Am Donnerstag hatte er sein Programm vorgestellt, das unter anderem den Verkauf von Staatsanteilen an Unternehmen sowie eine Senkung von Unternehmenssteuern vor.

Kommt Juppe?

Bislang hatte Le Pen in allen Umfragen für die erste Wahlrunde vor ihren Konkurrenten gelegen. In der Stichwahl würde sie den Befragungen zufolge jedoch klar sowohl gegen Macron als auch gegen Fillon unterliegen. Ein anderes Bild ergibt sich der Odoxa-Umfrage zufolge, wenn Fillon durch Juppe als Kandidat abgelöst würde. Dann entfielen auf Juppe 26,5 % und auf Macron 25%. Le Pen würde es mit 24% nicht in die zweite Runde schaffen. In republikanischen Parteikreisen hiess es, Juppe sei «bereit, sich an der Suche nach einer Lösung zu beteiligen». Nach seiner Niederlage gegen Fillon im parteiinternen Ausscheidungsverfahren hatte er erklärt, er stehe als Ersatzkandidat nicht zur Verfügung.

Macron profitiert insbesondere von der Schwäche Fillons, gegen den ein Ermittlungsverfahren wegen Scheinbeschäftigung von Familienangehörigen auf Staatskosten vorgeworfen wird. Fillon hat die Vorwürfe zwar zurückgewiesen und erklärt, er halte an seiner Kandidatur fest. Doch auch im eigenen Lager stösst er auf Skepsis. Am Freitag trat sein Sprecher Thierry Solaire zurück. Zuvor hatte schon sein aussenpolitischer Berater Bruno Le Maire seinen Rücktritt erklärt. Das liberale Bündnis UDI kündigte an, im Wahlkampf zunächst nicht mehr für den früheren Premierminister zu werben. Ungeachtet dessen planen die Republikaner für Sonntag in Paris eine Demonstration zur Unterstützung Fillons.

Auch Le Pen ist mit Ermittlungen konfrontiert. Das EU-Parlament hob am Donnerstag ihre Immunität auf und machte den Weg für Ermittlungen frei. Le Pen wird in Frankreich vorgeworfen, auf Twitter (TWTR 14.93 -0.33%) Fotos von Gewalttaten der IS-Miliz gepostet zu haben. Dies ist in Frankreich strafbar. Ausserdem sieht sie sich als Europa-Abgeordnete Vorwürfen ausgesetzt, eine Sekretärin im Parlament als Assistentin bezeichnet und damit wesentlich höhere Gehälter kassiert zu haben. In einem zweiten Fall soll ein Leibwächter als Parlamentsassistent deklariert worden sein. Sie hat die Vorwürfe zurückgewiesen.