Never Mind The Markets
Blogs / Never Mind the Markets 05:00 - 04.10.2013

Wem nützt Bernankes Geldpolitik?

Mark Dittli

Von der Politik der US-Notenbank haben sehr wenige Leute profitiert: Fed-Chef Ben Bernanke spricht in Washington zur Presse, 18. September 2013. (AP/Susan Walsh)

Der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank (Fed) hat am 18. September die Finanzmärkte mit dem Entscheid, das so genannte Quantitative-Easing-Programm nicht zu drosseln, überrascht. Die Bilanz der Zentralbank wird weiterhin mit 85 Milliarden Dollar pro Monat vergrössert.

Ziel von Fed-Chef Ben Bernanke ist es, die Arbeitslosenquote unter den Wert von 6,5 Prozent zu bringen. Doch wer profitiert tatsächlich von der unkonventionellen Geldpolitik?

Die Statistik von Emmanuel Saez an der University of California in Berkeley bringt Klarheit. Der Ökonom Saez erhebt regelmässig Daten von der US-Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) und berechnet damit den Grad der Einkommens-Ungleichheit in der amerikanischen Bevölkerung. Mein Kollege Markus Diem Meier hat in diesem Beitrag bereits eingehend über Saez und das Thema Ungleichheit geschrieben, ich gehe an dieser Stelle nur auf einen Teilaspekt der Studie ein.

Aus dem aktuellen Datensatz von Saez stechen einige Zahlen hervor:

  • Das Einkommenswachstum der reichsten 1% der US-Bevölkerung von 2009 bis 2012: +31,4%
  • Das Einkommenswachstum der restlichen 99% der US-Bevölkerung von 2009 bis 2012: +0,4%
  • Das Einkommenswachstum der reichsten 1% der US-Bevölkerung im Jahr 2012: +19,6%
  • Das Einkommenswachstum der restlichen 99% der US-Bevölkerung im Jahr 2012: +1%
  • Auf die reichsten 1% der US-Bevölkerung entfallen 22,5% aller Einkommen

Saez’ Erhebung zeigt: In der kruden Unterscheidung zwischen «Top 1%» und «Bottom 99%» haben nur die reichsten 1% in den vergangenen vier Jahren, seit dem Höhepunkt der Finanzkrise, nennenswerte Einkommensgewinne erzielt. Und das ist genau der Zeitraum, in dem Bernankes unkonventionelle Geldpolitik aktiv war.

Die plausibelste Erklärung dafür sind die Kapitalgewinne, die Saez in seiner Berechnung zu den Einkommen zählt. Mit anderen Worten: Bernankes Geldpolitik hat primär den Aktienmarkt aufgepumpt, und die dort erzielten Kapitalgewinne flossen zu einem weit überproportionalen Teil in die Taschen der reichsten 1%. Der Rest der Bevölkerung hatte nicht viel davon.

Der an der ETH Zürich lehrende Physiker Didier Sornette hat in diesem Interview bereits gewarnt, dass die US-Notenbank eine neue Blase an den Finanzmärkten aufpumpe. Und wir haben in diesem Blogbeitrag schon einmal dargelegt, wie der «pawlowsche» Aktienmarkt seit Ende 2008 ausgeprägt auf geldpolitische Stimuli der grossen Notenbanken reagiert. Hier noch ein Chart, der die gleiche Thematik auf eine etwas andere Art darstellt:

Die Grafik stammt von David Rosenberg, Chefstratege des kanadischen Vermögensverwalters Gluskin Sheff. Die dünne schwarze Kurve zeigt das Bilanzvolumen der US-Notenbank (rechte Skala, in Billionen Dollar). Die dunkelgrüne Kurve zeigt den S&P-500, den Leitindex am Aktienmarkt. Die senkrechte rote Linie markiert den Start der QE-Politik von Bernanke. Man sieht eindrücklich: Vor dem Start der Quantitative-Easing-Programme ist die Korrelation der beiden Kurven nahezu null. Seit dem Start der QE-Politik korrelieren die beiden Kurven dagegen mit einem Wert von 0,9 fast perfekt.

Wir wissen: Korrelation bedeutet nicht zwingend Kausalität. Aber die These sei geäussert, dass die expansive Geldpolitik Bernankes ein enorm wichtiger Treiber des seit viereinhalb Jahren laufenden Aktienbooms ist.

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit dem Zuger Hedge-Fund-Manager Felix Zulauf ein längeres Gespräch zu führen. «Im Fed müssten eigentlich jetzt schon alle Alarmglocken läuten, weil eine neue Blase entsteht», warnte er. Sie finden das volle Interview hier (er erwähnt dort übrigens auch, dass die aktuelle Kreditblase in China doppelt so gross sei wie die Subprime-Blase in den USA…).

Nun denn, Bernanke und seine Kolleginnen und Kollegen im Offenmarktausschuss haben beschlossen, das Spiel noch etwas weiter zu spielen.

Wenn das nur gut geht.

Und zum Wochenende noch ein Link in eigener Sache: Wir haben in diesem Blog schon mehrmals über die Lehre von Hyman Minsky gesprochen. Wen’s interessiert: Hier habe ich ein umfassendes Portrait dieses meiner Meinung nach viel zu lange vergessenen Ökonomen publiziert.