Luxus / Automobil 14:04 - 09.02.2017

Peugeot 3008

Die Franzosen wissen zu überzeugen.

Es braucht, wir sind da auch etwas selbstkritisch, schon einiges, damit wir von einem Automobil noch überrascht werden können. Nicht, dass wir die erste Version des Peugeot 3008 nun grossartig gefunden hätten, es war dies in unseren Augen ein Designdesaster, aber wir haben uns schon gefragt, weshalb es ein SUV werden musste, also: noch so ein SUV, und das hat unseren ersten Blick auf den Löwen ziemlich getrübt.

Doch jetzt durften wir den Franzosen fahren, haben ihn auch genauer angeschaut – und wollen bekennen, dass uns der Peugeot 3008 erstaunlich gut gefallen hat.

Was macht es aus? Der Peugeot wirkt auf der Strasse bedeutend besser als auf Bildern. Er hat zwar eine stattliche Grösse, ist 4,45 Meter lang, 1,91 Meter breit und 1,62 Meter hoch, wirkt aber nicht zu adipös – und ist optisch nicht so aufdringlich in seinem Auftritt wie andere SUV.

Und es gibt viele schöne Details für das Auge, da hebt sich das Design wohltuend von dem der meisten Konkurrenten ab. Es ist aber allerdings schon so, dass die gehobenen Ausstattungen – wir fuhren den GT – mit den grösseren Rädern deutlich besser aussehen als die Basisvarianten.

Bild: Peter Ruch

Klassenspitze im Kofferraum

Aber das allein ist es sicher noch nicht. So richtig freundlich gestimmt hat uns das Innenleben. Nein, nicht die 520 Liter Kofferraum, die der Peugeot bieten kann, obwohl das Klassenrekord bedeuten dürfte. Maximal packt er sogar 1482 Liter – hat aber irgendwie ein Problem mit der Zuladung, je nach Ausstattung können das auch nur gerade 350 Kilo sein.

Auch nicht, dass die hinteren Passagiere erstaunlich viel Raum vorfinden, was in diesem Segment auch mehr die Ausnahme als die Regel ist. Es ist vor allem das Cockpit, die jüngste Ausbaustufe des i-Cockpit von Peugeot, also: kleines Lenkrad mit darüber angeordneten Armaturen.

Das kennt man zwar vom 208 und vom 308, doch jetzt sind die Franzosen eine Stufe weiter. Die Übersicht hat gewonnen, die Bedienungsfreundlichkeit auch. Ob das alles ergonomisch passt, das muss jeder Kunde für sich selbst herausfinden.

Ja, das sind teils Spielereien, der grosse Screen, der sich an die Bedürfnisse des Fahrers anpassen lässt, der kleinere Touchscreen, über den sich quasi alle Funktionen steuern lassen. Doch bei Peugeot ist das mehr, es ist optisch und haptisch schön gemacht, feine Materialien, sauber verarbeitet.

Premium, das sind nicht Bücher mit Sonderausstattungen, nicht absurde Spaltmasse und sicher nicht Möglichkeiten, auch noch den Dachhimmel mit den Häuten geschützter Tierarten tapezieren zu lassen – Premium ist die Bereitschaft, dem Kunden etwas Gutes zu tun.

Und das machen die Franzosen auf einem Niveau, das manch anderem Hersteller gut anstehen würde. Es könnte durchaus sein, dass der PSA-Konzern für die Positionierung seiner drei Marken Peugeot, DS Automobiles und Citroën einen guten Weg gefunden hat.

Die Sitzposition im 3008  ist hoch, aber nicht so hoch wie bei anderen SUV; das passt. Das Plus an Bodenfreiheit spürt man am Fahrkomfort, der gut ist, auch mit den 18-Zöllern; auch da hat Peugeot einen Kompromiss gefunden, der erfreut, denn der 3008 kann durchaus sportlich durch die Kurve gefahren werden.

Das kleine Lenkrad vermittelt den Eindruck von mehr Agilität und Sportlichkeit, als tatsächlich vorhanden ist. Es muss hier aber auch klar und deutlich gesagt sein: Frontantrieb. Und: nur Frontantrieb. Zwar mit diversen Fahrmodi, den fehlenden 4×4 kann Peugeot damit vielleicht kaschieren, aber sicher nicht vergessen machen.

Mal schauen, was Opel daraus macht: Der Meriva, der 2017 kommt, teilt die Basis mit dem Peugeot – dessen Basis allerdings schon lange bekannt ist, etwa vom 308 und von den C4-Varianten von Citroën.

Bild: Peter Ruch

Fünf Motorvarianten

Es gibt vorerst zwei Benziner (130, 165 PS) und drei Diesel (120, 150, 180 PS); wir konnten nur die stärkste Variante fahren, den 2-Liter-Diesel mit 180 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm, die bei 2000/min anstehen.

Für diese Maschine wird nur die Sechsgangautomatik angeboten, die ihre Arbeit aber lächelnd und ruckfrei erledigt. Auch angenehm ruhig ist dieser Antrieb, fast ein bisschen wie in Watte gepackt. Dies passt bestens zu diesem Wagen, der mit seinen Insassen so freundlich umgeht.

Dass der kleine 1,2-Liter-Dreizylinder mit seinen 130 PS das alles schafft, wagen wir ein wenig zu bezweifeln, denn das Gewicht ist schon stattlich. Der Preis dagegen nicht: ab 23 350 Fr. ist die Basisversion zu haben, das ist viel Auto fürs Geld.

Da ist dann wohl nicht besonders viel von den Assistenzsystem verbaut, die es für den Peugeot 308 selbstverständlich auch en masse gibt; sehr modisch scheint derzeit die sich automatisch öffnende Heckklappe zu sein, die hat der Franzose folglich auch. Als GT, wie wir ihn fahren konnten, sind dann schon 44 050 Fr. fällig.

Und doch erscheint uns auch dieses Angebot noch sehr fair, das Verhältnis von Preis zu Leistung stimmt. Zwar hat Peugeot den SUV-Trend lange missachtet, doch was da jetzt kommt, kommt gut an, bei uns jedenfalls. Und wir sind jetzt plötzlich auch gespannt auf den grösseren 5008.

Bild: Peter Ruch