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Blogs / Momentum 07:30 - 25.08.2012

Plant Vontobel den Spin-off der Struki-Plattform?

In der Branche kursieren Gerüchte: Vontobel plane den Spin-off der Struki-Plattform Deritrade. Dies soll die Expansion in Asien begünstigen.

Schon seit einer Weile wird in der Branche für strukturierte Produkte wild darüber spekuliert, was Bank Vontobel mit ihrer Plattform Deritrade plant. Über Deritrade können Anleger Zertifikate von Vontobel (VONN 34.95 2.64%) (ab 50 000 Fr.) massschneidern und erwerben. Aus dem Markt ist zu vernehmen, die Plattform werde für weitere Emittenten geöffnet, somit würde daraus eine Metaplattform entstehen. Das ist ein Marktplatz, auf dem mehrere Emittenten Masszertifikate anbieten. Dazu gehören sollen Société Générale, Merrill Lynch und Morgan Stanley (MS 35.07 1.59%). Die Umformierung Deritrades zur Metaplattform dürfte der Bank zusätzlichen Ertrag durch Transaktionsgebühren bescheren. Das wäre eine willkommene Einkunft, denn das Struki-Geschäft ist rückläufig.

Nun akzentuieren sich die Gerüchte. Vontobel plane den Spin-off von Deritrade. Das berichten marktnahe Quellen, Vontobel gibt keinen Kommentar. Die Plattform soll vom Mutterhaus ausgegliedert werden in ein eigenständiges Unternehmen, Vontobel würde weiterhin Zertifikate darüber emittieren. Das brächte der Bank Vorteile: Einerseits würde dannzumal die Metaplattform Deritrade gegenüber den anderen teilnehmenden Emittenten an Glaubwürdigkeit gewinnen. Sie wäre separiert vom Mutterhaus; Vontobel hätte somit keine Einsicht mehr in die Transaktionen dieser Emittenten.

Ausserdem könnte das eigenständige Deritrade Vontobels Expansion in Asien begünstigen, die derzeit forciert wird: Im zweiten Quartal kamen Vertriebsstandorte in Singapur und Dubai hinzu. Der Spin-off von Deritrade würde es ermöglichen, dass sowohl lokal verankerte Banken, die über ein Vertriebsnetz verfügen, als auch professionelle Anleger die Möglichkeit erhalten würden, sich an Deritrade zu beteiligen – sei es nun als Aktionär oder als Emittent. Dadurch könnte Vontobel in den asiatischen Märkten einfacher und schneller Fuss fassen und somit die Expansion vorantreiben, denn neue Struki-Märkte zu erschliessen ist eine Herausforderung. Eintritthürden bestehen und lokale Emittenten dominieren. In der Vergangenheit scheiterten ausländische Banken schon mehrfach, die in der Schweiz Zertifikate vertreiben wollten.

Ginge die Strategie auf, könnte Vontobel Skaleneffekte realisieren. Der teure Apparat Deritrade – und das daran gekoppelte Investment Banking – existiert, und es besteht Überkapazität, Zertifikate zu lancieren. Nun muss Vontobels Apparat mit zusätzlichen Transaktionen gefüttert werden. Oder wie man im Branchenjargon sagt: Deritrade benötigt mehr Flow. Ich bin gespannt, ob der Flow kommen wird.

Wichtig ist: Das Geschäft mit Zertifikaten ist enorm wichtig für Vontobel. Im ersten Semester stammten 77% des gesamten Betriebsertrags aus der Struki-Sparte. Dort nimmt Deritrade eine wichtige Position ein. Stattliche 60% des Primärvolumens (Zeichnungsprodukte) werden gemäss CFO Martin Sieg über die Plattform abgewickelt. Die künftige Entwicklung des Geschäftsgangs von Vontobel ist eng an Deritrade gekoppelt.