Luxus / Automobil 15:36 - 02.02.2017

Porsche Panamera

Ein Alleskönner.

Selbstverständlich ist der Sustenpass nicht das bevorzugte Geläuf für einen Porsche Panamera; dort ist man sicher fröhlicher mit einem Cayman oder einem Boxster. Aber wenn man den Berg vor der Tür hat und nicht die deutsche Autobahn, dann nimmt man halt sowohl Passstrasse wie auch den 550-PS-Turbo in Kauf. Und muss danach anerkennen: Er kann das, der über 5 Meter lange Porsche.

Er kann das sogar richtig gut, was teilweise auch seinen Hilfssystemen geschuldet ist, aber auch der hervorragenden Auslegung des Fahrwerks. Da muss man Porsche einfach immer wieder loben: Auch wenn sie natürlich wissen, was sich mit den elektronischen Assistenten alles aus einem Fahrzeug herausholen lässt – sie machen trotzdem immer noch und mit unerbittlicher Konsequenz ihre Hausaufgaben.

Und so staunten wir dann etwa bergab, die Strasse nass, die Kurve eng. Und dann kommt man etwas gar flott, ist deshalb ganz kurz vor dem Regelbereich des ABS, es liegen quasi die ganzen 2 Tonnen des Panamera auf der Vorderachse – und dann zieht er trotzdem wunderbar in und durch die Kurve.

Ohne dass der Pilot deshalb ins Schwitzen kommen müsste; okay, vielleicht ein bisschen, man mag ja so einen Wagen mit einem Grundpreis von 186 700 Fr. nicht in diesen Steinmäuerchen parken, die die Passstrasse säumen. Aber er macht das so richtig, richtig gut, der Panamera – und auch den Berg hoch, Sport plus, Spitzkehre, zweiter Gang (von acht).

Er kommt hinten schönst, mit Ankündigung, und wenn man dann den Mut hat, auf Zug zu bleiben, dann bleibt die Bewegung flüssig. Die Bremsen sind selbstverständlich auf höchstem Niveau, eigentlich überdimensioniert für den Alltag, auch die flotte Fahrt bergab quittierten sie mit einem Lächeln.

Bild: Werk

Sportwagen und Luxus? Nein

Trotzdem: Wir müssen Porsche widersprechen. Der Sportwagen unter den Luxuslimousinen ist der Panamera auch als Turbo nicht. Ein Sportwagen ist einfach keine 2 Tonnen schwer und über 5 Meter lang und 1,94 Meter breit.

Gut, dann müssten wir auch den grossen Ferrari aus der Sportwagenwertung nehmen, der ist noch breiter und leider auch fast gleich schwer, doch der GTC4 Lusso ist ein besonderes Kapitel im Ferrari-Programm – und der einzige Konkurrent für den Panamera, zumindest für den Turbo. Doch auch wenn Panamera und GTC4 Lusso am Berg durchaus Qualitäten haben – ihre Spielwiese ist das nicht.

Aber da sind wir Schweizer vielleicht auch etwas eigen in der Beurteilung sowie unserem Verhältnis zu den Bergstrassen. Und ja, wir wissen um die Hinterradlenkung; sie macht den Stuttgarter sicher agiler, wendiger, aber flink wie der Hase wird er deshalb nicht.

Sie haben ihn schön gemacht, die Porsche-Designer. Seine bisherige optische Schwäche, das Heck, ist nun seine Schokoladenseite; man schaut ihn kaum noch von vorne an, den Panamera. Gut, es ist einfacher, ein über 5 Meter langes Fahrzeug zu gestalten als einen Kleinwagen, es bleibt mehr Spielraum für Eleganz, doch man muss das auch sauber hinkriegen, dass die Formen harmonisch wirken.

Man kann den 911er-Heckschwung durchaus sehen, wenn man will, doch uns gefallen die Retrozitate innen eigentlich besser. Da ist der Panamera wieder viel mehr Porsche als bei seinem Vorgänger, und das tut ihm gut. Der Arbeitsplatz ist eine Wucht, perfekt auf den Fahrer zugeschnitten, die Sitzposition drei Zentimeter tiefer und folglich wieder da, wie das sein muss bei einem Produkt aus Stuttgart.

Was man sich fragen könnte: Braucht es wirklich all die Knöpfe und Schalter, wenn es ja diesen grossen Touchscreen gibt? Aber Porsche denkt da etwas konservativer – und die Kundschaft wohl auch. Die Sitze: bestens. Hinten sitzt man auch gut, aber weiterhin etwas im Dunkeln. Die 500 Liter Kofferraumvolumen sind gut nutzbar, und wenn man ihn zum Zweiplätzer macht, dann sind es satte 1300 Liter. Das reicht für ein sehr langes Wochenende.

Gefahren sind wir vorerst nur den Turbo. Also mit dem neuen 4-Liter-V8 und doppelter Zwangsbeatmung, 550 PS, 770 Nm maximales Drehmoment zwischen 1960 und 4500/min. Von 0 auf 100 in 3,8 Sekunden. Über 300 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Maschine hat TwinScroll-Turbinen im Einsatz, die Abgasströme werden bis zum Turbinenrad getrennt geführt – für einen optimierten Ladungswechsel und ein hohes Drehmoment bereits bei niedrigen Drehzahlen, wie Porsche das erklärt.

Bild: Peter Ruch

Immer volle Sause

Es gibt kein Turboloch, eigentlich immer die volle Sause. Aber mehr Kraft ist nur dann sinnvoll, wenn man weiss, wohin damit. Und zwar schnell – und effektiv. Deshalb verfügt der neue Panamera über ein neu entwickeltes Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK), das die enorme Kraft der Motoren quasi ohne Zugkraftunterbrechung in Vortrieb umsetzt – sorry, dass wir da jetzt etwas schwärmerisch werden, aber das ist einfach nur grossartig. Quasi ruckfrei.

Und beim Anbremsen vor der Kurve nimmt es auch einmal drei Gänge auf einmal, lächelnd, souverän. Ja, Allradantrieb auch noch, er bringt seine urige Kraft problemlos auf den Boden – und Einflüsse auf die Lenkung spürt man eigentlich keine.

Ebenfalls lobend erwähnt sei die Fahrwerkabstimmung. Die Sportlichkeit wurde schon erklärt, aber wenn man dann so rollt, in aller Ruhe, im Modus Komfort, dann bietet der Panamera diesen auch. Er ist dann sehr ruhig, sehr angenehm, es ist dank Luftfederung mehr ein Schweben.

Auch den V8 hört der Fahrer dann kaum mehr – das Wissen, dass er auch ganz anders kann, Sport plus, grosse Klappe und dann ein Röcheln und Blubbern wie in einem klassischen US-V8, macht diese Ruhe fast etwas unheimlich. Aber diese Spreizungen des Charakters, die die Elektronik heute möglich macht, sind ja interessant.

Der Porsche Panamera ist als Turbo ein Vergnügen mit einem hohen Preis, mit etwas Ausrüstung wird er die Marke von 200 000 Fr. locker überschreiten. Auch das Einstiegsmodell, der 4S mit seinen bescheidenen 440 PS, ist schon mit 138 000 Fr. angeschrieben.

Da darf man in Sachen Qualität, Materialien und Verarbeitung schon so einiges erwarten, und wir konnten bei dieser ersten Probefahrt nichts finden, was zu Kritik Anlass geben könnte. Die Perfektion ist so hoch, dass sie fast schon ein wenig steril wirkt, aber das ist selbstverständlich eine sehr subjektive Empfindung.

Am Ende des Tages ist der neue Panamera tatsächlich ein Alleskönner, einen bösen 911er braucht man eigentlich nur noch für die Rennstrecke.

Bild: Werk

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