Unternehmen / Schweiz 15:07 - 17.03.2017

Rainer-Marc Frey: Das Schwergewicht im Hintergrund

Der Investor hat sein Leonteq-Paket aufgestockt. Kaum einer weiss so viel über Probleme schnellwüchsiger Finanzfirmen wie das ehemalige Hedge-Fund-Wunderkind.
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Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Aktionär
Teilhaber einer AG bzw. Inhaber einer Aktie oder einer Mehrzahl von Aktien.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Börsengang
Öffnung einer privaten Aktiengesellschaft, deren Aktienkapital bisher ausschliesslich im Eigentum eines beschränkten Personenkreises lag, zur Publikumsgesellschaft durch die Ausgabe und die Kotierung von Aktien. Auch Initial Public Offering (IPO) genannt. Gegenteil: Going Private .
Family Office
Institution, in der die Vermögenswerte (Cash, Wertschriften , Immobilien, Kunst usw.) wohlhabender Familien oder reicher Privatklienten in umfassender Weise betreut werden. Abgedeckt werden auch Bedürfnisse rechtlicher und steuerlicher Natur. Entsprechende Dienstleistungen werden von vielen Vermögensverwaltungsbanken angeboten.
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
Hedge Funds
Anlagevehikel, die in der Regel ihr Domizil in Offshore-Finanzplätzen ohne strenge Aufsicht wie auf den Bahamas oder den Cayman Islands haben. Dies erlaubt ihnen, mit Fremdkapital (vgl. Leverage ) und Derivaten zu arbeiten. Damit können sie sowohl auf steigende als auch auf fallende Wertpapierkurse setzen. Der Hedge-Fund-Manager hat typischerweise einen Grossteil seines privaten Vermögens im Fonds plaziert und lässt sich vor allem über eine Performance Fee entschädigen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Obligation
Als Wertpapier ausgestalteter und somit handelbarer Bruchteil (Stückelung ) einer Anleihe .
Private Equity
Investition in nichtkotierte Unternehmen mit dem Ziel der Wertvermehrung, damit lukrativ über einen Exit ausgestiegen werden kann. Gehört zu den alternativen Anlagen .
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
VR
Überwacht und lenkt (über die Strategiefestlegung) für die Gesamtheit der Aktionäre die Geschäftsleitung eines Unternehmens. Die VR-Mitglieder einer AG schweizerischen Rechts müssen in der Regel mehrheitlich das Schweizer Bürgerrecht besitzen und in der Schweiz wohnhaft sein. Der VR besteht aus exekutiven (unternehmensinternen) und nicht exekutiven (externen) Mitgliedern. Immer mehr setzt sich im Rahmen einer guten Corporate Governance die Praxis durch, dass ein bedeutender Teil der VR in keiner geschäftlichen Beziehung zum Unternehmen stehen darf. Der VR wird von der GV gewählt.
Vermögensverwaltung
Geschäftsbereich, in dem die Banken die gesamten Vermögenswerte von privaten und institutionellen Kunden aktiv selbst betreuen. Dazu gehört auch das Angebot von Anlagefonds . Gegenteil: Anlageberatung .
Verwaltungsrat
Überwacht und lenkt (über die Strategiefestlegung) für die Gesamtheit der Aktionäre die Geschäftsleitung eines Unternehmens. Die VR-Mitglieder einer AG schweizerischen Rechts müssen in der Regel mehrheitlich das Schweizer Bürgerrecht besitzen und in der Schweiz wohnhaft sein. Der VR besteht aus exekutiven (unternehmensinternen) und nicht exekutiven (externen) Mitgliedern. Immer mehr setzt sich im Rahmen einer guten Corporate Governance die Praxis durch, dass ein bedeutender Teil der VR in keiner geschäftlichen Beziehung zum Unternehmen stehen darf. Der VR wird von der GV gewählt.

Interviews gibt er praktisch nie, und auch der FuW steht Rainer-Marc Frey nicht zur Verfügung. Einer wie er hat Publicity nicht nötig. Er bewegt sich in den obersten (Finanz-)Kreisen, mal mit dem Zementbaron Thomas Schmidheiny und BMW-Erbin Susanne Klatten im gemeinsamen Afrika-Investment, mal mit UBS-Chef Sergio Ermotti an der Ski-WM in St. Moritz.

Streicheleinheiten für LeonteqDem Derivatspezialisten droht 2017 ein Verlustjahr. Zu glauben, das Unternehmen sei marod, geht aber zu weit.
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Leonteq (LEON 37.95 3.27%) hätte in der Tat schlechtere Investoren finden können als den 54-jährigen Milliardär. Für Frey ist Leonteq wohl ein «Déjà-vu». Gegenüber «Persönlich» erklärte er einmal: «Als Unternehmer, der den ganzen Zyklus durchgemacht hat, von Start-ups über Entwicklung, Expansion bis Verkauf und Integration, hatte ich immer wieder schwierige Entscheidungen zu treffen – auf strategischer wie auf personeller Ebene. Im Finanzmarkt sind die Zyklen relativ schnell. Da gibt es fast jedes Jahr eine Krisensituation. Wir mussten während der Zeit bei RMF das Geschäftsmodell mehrfach neu anpassen.»

Rainer-Marc Frey hat, was es für den Erfolg braucht: einen aussergewöhnlichen finanziellen Instinkt und beste Networking-Fähigkeiten. Er studierte Wirtschaft an der Uni St. Gallen, arbeitete dann bei Salomon Brothers und Merrill Lynch mit Aktien, Obligationen und Währungen. 1992 gründete er in Pfäffikon SZ einen der ersten europäischen Hedge Funds. RMF Investment Group war anfangs nicht sonderlich erfolgreich. Doch ab 1996 schafften es Frey und sein Partner Adrian Gut, grosse Institutionen in delikaten Deals gleichzeitig als Aktionär und Kunden zu gewinnen: Swiss Life (SLHN 317.6 -0.59%) (1998 und 2002) und Credit Suisse (CSGN 14.6 0.27%) (2001) stiegen mit Milliardenbeträgen ein und überliessen RMF gleichzeitig Milliardenportfolios zur Verwaltung. Und 2002 verkaufte Frey RMF an die britische Man Group. Von den 1,3 Mrd. Fr. Verkaufserlös gingen 500 Mio. Fr. an Frey.

2005 machte Frey sich daran, die Erfolgsstory mit Horizon21 zu wiederholen. Er gründete in Freienbach eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, die für ihre Kunden vor allem in alternative Anlagen wie Private Equity investieren sollte. Er gewann Swiss Re (SREN 89.05 -0.95%) als strategische Partnerin. Doch anders als Partners Group (PGHN 538 -0.19%), die eine vergleichbare Strategie verfolgte, war Horizon21 nicht nachhaltig erfolgreich. Das Unternehmen, das zu seinen besten Zeiten 160 Personen beschäftigte, musste Fonds schliessen und wurde 2009 auf ein Family Office mit einer Handvoll Mitarbeitern zurückgestutzt. Swiss Re zog sich zurück.

Seiher ist Frey privater Investor. Ein blosser Hobby-Investor ist er deswegen nicht. Freys analytische Fähigkeiten sind gefragt und unbestritten. Von Oktober 2008 bis Mai 2014 war er im Verwaltungsrat der UBS (UBSG 15.54 -0.38%) und galt dort als kritisch-unabhängiges Mitglied im wichtigen neu gebildeten Risikoausschuss. Nicht gerade imagefördernd war der Umstand, dass Frey im November 2008 als frischgebackener Verwaltungsrat 1 Mio. UBS-Aktien verkaufte. «Mein Aktienverkauf war ein Fehler», sagte er später. Frey hatte wegen der Börsenturbulenzen in einem Notverkauf seine finanzielle Situation schützen müssen.

Damals spitzte sich für die Grossbank der US-Steuerstreit zu, was Frey sicher wusste. Der Kurs sank unablässig, betrug im November noch 16 Fr. und sackte bis Frühling 2009 auf 9.50 Fr. ab. Der Kurs liegt heute nicht höher als damals im November. So gesehen hat Frey zwar illoyal, aber richtig gehandelt.

Kaum Aufsehen erregte Frey beim Handelskonzern DKSH (DKSH 80.1 0%), wo er vor dem Börsengang einstieg, 3,9% hält und seit 2008 im VR sitzt. Frey ist zudem Hauptaktionär von Lonrho, einem diversifizierten Konglomerat mit bunter Vergangenheit, das in Subsahara-Afrika tätig ist.

Frey ist mit seiner Frau Tatjana wohltäterisch engagiert. Die Frey Charitable Foundation unterstützt benachteiligte Kinder und soziales Unternehmertum. In seiner Freizeit widmet sich Frey seiner Passion, der Fliegerei. Anscheinend hat er eine Wette laufen. Gewinner ist, wer zuerst alle Flughäfen dieser Erde angeflogen hat.

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