Unternehmen / Schweiz 06:52 - 31.03.2016

Samy Liechti: Überhaupt keine lahme Socke

Samy Liechti wagte viel und gewann viel. Er ist Gründer und Inhaber von Blacksocks, hat das Sockenabo erfunden und zählt zu den Schweizer E-Commerce-Pionieren. 
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Börsenkurs oder Emissionspreis , der dem Nennwert eines Wertpapiers entspricht. Ist ein Kurs über pari (d. h. über 100%), weist er ein Aufgeld auf.

Das erste Abonnement für Herrensocken wurde im Juni 1999 online verkauft. Das dafür verantwortliche Unternehmen und sein Gründer, Samy Liechti, prägten die Anfänge des Schweizer Internethandels. Auf der Grundlage einer simplen Idee gründete der heute 46-Jährige Blacksocks und legte damit den Grundstein für ein neues Geschäftsmodell.

Warum sich Liechti als einer der ersten Onlinehändler mit seiner Sockenidee durchsetzen konnte, wird schnell klar, wenn man mit ihm ins Gespräch kommt. Der gute Geschichtenerzähler hat die Begabung, Menschen in seinen Bann zu ziehen. Wenn er von Blacksocks, seinem «Baby», spricht, sind sowohl Stolz als auch Begeisterung spürbar: «Bei mir geht es immer darum, wie man etwas macht, nicht, was man macht.» Mit diesen Eigenschaften ist Gründer und Inhaber Liechti der beste Markenbotschafter, den sich ein Unternehmen wünschen kann.

Liechti, der seit zwanzig Jahren im Zürcher Seefeld lebt, hat eine bewegte Vergangenheit. Er wuchs in Biel auf, studierte in Toronto, Paris und St. Gallen, wo er 1993 mit dem Lizenziat abgeschlossen hat. Nach seinem Studium stieg Liechti in die Beratung ein. In dieser Tätigkeit kam ihm bereits 1994 die Idee mit dem Sockenabo, und zwar bei einer japanischen Teezeremonie mit wichtigen Kunden. Dieses Ritual geht traditionellerweise ohne Schuhe vonstatten. Dessen nicht bewusst, bezahlte der junge Berater teures Lehrgeld. Plötzlich stand er in unterschiedlichen, löchrigen Socken da – eine peinliche Situation. Liechti stellte auf schmerzliche Weise fest, dass ein abonnierbarer Sockenversand eine ganz gute Idee wäre.

Von da an nahm die Idee in seinem Kopf langsam Gestalt an. Auf der Suche nach Abwechslung und auf der Flucht vor dem Berateralltag begann er 1998, seine Idee und die Umsetzung konkreter auszuarbeiten. Mit der vorgeschriebenen Agenda und der beschränkten Rolle als Berater konnte er nie viel anfangen. «Ich wollte endlich selbst entscheiden, mein eigener Chef sein.» Was dem freiheitsliebenden und vom Unternehmertum faszinierten Liechti in der Natur liegt, musste er sich erst erarbeiten.

«Zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig Know-how.» So beschreibt Liechti die ersten Jahre von Blacksocks. Achtungserfolge konnten zwar erzielt werden, doch der Durchbruch liess auf sich warten. Liechti blieb aber hartnäckig optimistisch. Auch durch Rückschläge liess er sich nicht aus der Bahn werfen. Wie zum Beispiel als am 11. September 2001 die gesamte US-Kundendatenbank und 70 000 Bestellungen, abgelegt auf einem Server im World Trade Center, verloren gingen und das Geschäft in den USA um Jahre zurückgeworfen wurde.

Heute ist die Marke Blacksocks gut positioniert. Das Unternehmen hat keine Schulden, generiert siebenstelligen Umsatz und beliefert über 60 000 aktive Kunden. Ein Drittel des Erlöses stammt aus dem Export. 2015 war das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr, 2016 soll noch besser werden. Liechti achtet auf eine schlanke Unternehmensstruktur: Die meisten Aktivitäten sind ausgelagert, zu seinem Team zählt nur eine Handvoll Mitarbeitende. Seine Rolle darin bezeichnet Liechti als Business Developer. Das passt: Er sprüht vor unternehmerischer Energie und fällt immer wieder mit innovativen Ideen auf.

Wenn Liechti nicht im Büro ist, verbringt er seine Zeit am liebsten mit Skifahren. Für mehr bleibt ihm neben dem Job und der jungen Familie momentan keine Zeit. Liechti sagt zwar, dass er seit der Geburt seiner beiden Kinder nicht mehr die gleiche Energie für sein Unternehmen aufwende und viele Kompetenzen abgegeben habe. Mit dem bisherigen Erfolg gibt er sich aber nicht zufrieden. Weiteres Wachstum wäre wichtig, damit auch in Zukunft Investitionen möglich sind. Wachstum um jeden Preis passt aber nicht in Liechtis Philosophie: «Wir müssen unsere Grösse nicht jedes Jahr verdoppeln, zweistelliges Wachstum genügt uns.»

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