Märkte / Anleihen 07:55 - 26.09.2016

Türkei-Bonds sind Ramsch

Die Ratingagentur Moody's senkt die Bewertung für die türkischen Staatsanleihen auf Ba1. Damit sind die Titel in den Non-Investment-Bereich gerutscht.
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Bonität
Mass der Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit eines Schuldners. Dabei bezieht sich die Kreditfähigkeit auf die Vermögens- und Ertragslage des Schuldners und die Kreditwürdigkeit auf seinen Willen, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen (vgl. Rating ).
Put
1. Option , die den Käufer berechtigt, aber nicht verpflichtet, einen bestimmten Basiswert in einer bestimmten Menge zu einem im Voraus festgelegten Preis (Ausübungspreis ) bis zu (amerikanisch ) oder an (europäisch ) einem bestimmten Termin zu verkaufen (Long Put ). Auf der Gegenseite steht der Verkäufer der Option (Short Put ). 2. Berechtigt den Anleger zur Kündigung von Obligationen .
Rating
Einstufung der Bonität eines Schuldners durch spezialisierte Ratingagenturen anhand einheitlicher Kriterien und Verfahren. Am Rating kann ein Investor ablesen, wie hoch das Ausfallrisiko ist.
Ratingagentur
Auf die Prüfung der Kreditqualität spezialisiertes Unternehmen, das anhand standardisierter Methoden und transparenter Kriterien eine Bewertung der Schuldnerbonität und eine Einstufung in Form von Ratings vornimmt. Die grössten und bekanntesten Ratingagenturen sind Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch.

(Reuters) Die Ratingagentur Moody’s senkt den Daumen über die Türkei. Die langfristigen Verbindlichkeiten würden nun nur noch mit “Ba1″ bewertet, teilten die US-Bonitätswächter am Freitagabend mit. Das ist zwar nur eine Herabsetzung um eine Stufe, bedeutet aber, dass die Türkei aus dem so genannten Investment-Bereich in den Ramsch-Bereich hineinrutscht.

Der Rating-Ausblick ist aber weiterhin stabil, womit dem Land vorerst keine weitere Herunterstufung droht. Allerdings könnte der Türkei eine milliardenschwere Kapitalflucht bevorstehen. Große Investoren verlassen sich in der Regel auf die Ratings und sind quasi gezwungen, Geld abzuziehen, wenn die Ratingagenturen Länder schlechter bewerten.

Herabstufung mit Vorwarnung

Moody’s hatte bereits Mitte Juli nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei erklärt, eine Herabstufung zu prüfen. Es müssten die mittelfristigen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und politische Einrichtungen bewertet werden, hatte es geheißen.

Am Freitag teilte Moody’s nun mit, für die Jahre 2016 bis 2019 werde für die Türkei nur noch ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent erwartet. Das liege deutlich unter den 5,5 Prozent, mit denen die türkische Wirtschaft im Schnitt zwischen 2010 und 2014 gewachsen sei.

Reaktion nach Putschversuch wirft Fragen auf

Die Reaktion der Regierung auf den gescheiterten Militärputsch werfe Fragen auf, erklärte Moody’s. So gebe es nach dem türkischen Vorgehen gegen Privatfirmen, die Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fettullah Gülen hätten, nun zunehmende Sorgen mit Blick auf den Schutz privater Investments in der Türkei. Das belaste das Investitionsklima insgesamt. Die Türkei wirft Gülen vor, Drahtzieher des gescheiterten Putsches vom 15. Juli zu sein. Gülen hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Bei der türkischen Regierung stieß die Rating-Herabstufung durch Moody’s auf Kritik. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, der Schritt zeige, dass die Bewertung nicht neutral sei.

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