Märkte / Aktien 11:37 - 05.07.12

Wann Momentum, wann Value?

Thorsten Hens
Im sechsten Teil der Serie Behavioural Finance wird erläutert, wie es zu Marktanomalien kommt. Momentum und Value können, je nach Situation, erfolgsversprechend sein.
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Bruttosozialprodukt
Entspricht dem BIP zuzüglich des ausländischen Nettoeinkommens aus Vermögen und Arbeitnehmertätigkeit. Es hat in der Statistik den früher verwendeten Begriff des Bruttosozialprodukts ersetzt.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Cashflow
Ordentlich erwirtschafteter Mittelzufluss aus der betrieblichen Tätigkeit eines Unternehmens. Ausserordentliche Aufwendungen und Erträge sollten aus der Berechnung des Cashflows ausgeklammert werden, ebenso extreme Veränderungen bei der Bildung oder der Auflösung stiller Reserven .
Derivate
Finanzkontrakte, deren Wert vom Preis eines Basiswerts abgeleitet wird. Grundsätzlich lassen sich zwei Gruppen von Derivaten unterscheiden: unbedingte (Futures ) und bedingte (Optionen ) Termingeschäfte . Zu den sogenannten verbrieften Derivaten gehören Warrants (Optionsscheine) und strukturierte Produkte .
Dividende
Der von einer Aktiengesellschaft je Aktie ausgezahlte Gewinnanteil. Die Dividende wird durch die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrats festgesetzt. Als Dividende werden auch die Auszahlungen an die Inhaber von Genuss- und Partizipationsscheinen bezeichnet.
Hedge Funds
Anlagevehikel, die in der Regel ihr Domizil in Offshore-Finanzplätzen ohne strenge Aufsicht wie auf den Bahamas oder den Cayman Islands haben. Dies erlaubt ihnen, mit Fremdkapital (vgl. Leverage ) und Derivaten zu arbeiten. Damit können sie sowohl auf steigende als auch auf fallende Wertpapierkurse setzen. Der Hedge-Fund-Manager hat typischerweise einen Grossteil seines privaten Vermögens im Fonds plaziert und lässt sich vor allem über eine Performance Fee entschädigen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Laufzeit
1. Lebensdauer eines Derivats oder einer Obligation . 2. Frist im Optionsgeschäft, während deren eine amerikanische Option ausgeübt werden kann.
Momentum
Instrument der technischen Analyse . Wird aus der Subtraktion des aktuellen Kurses vom Kurs vor einer bestimmten Anzahl Tage ermittelt. Das Momentum gilt als Vorlaufindikator und gibt ein Signal über die Richtung eines Trends.
Obligation
Als Wertpapier ausgestalteter und somit handelbarer Bruchteil (Stückelung ) einer Anleihe .
Ratio
Menge des Basiswerts , die einer Option bzw. einem Warrant zugrunde liegt.
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
Transaktionskosten
Mit der Durchführung einer Börsentransaktion verbundene Kosten wie Courtagen und Clearinggebühren.
Volatilität
Kursschwankungen eines Basiswerts (vgl. historische Volatilität , implizite Volatilität , Vega , Volatilitätsanalyse , Volatilitätsindex ).
Wallstreet
Im übertragenen Sinne Bezeichnung für die an der Strasse Wall Street gelegene Nyse , aber auch allgemein für New York als Finanzplatz .
Wertpapier
Urkunde, mit der ein Recht derart verknüpft ist, dass es ohne die Urkunde weder geltend gemacht noch auf andere übertragen werden kann. Zu den Wertpapieren zählen Aktien , Obligationen , Partizipations- und Genussscheine , Anteile von Anlagefonds , Warrants und strukturierte Produkte .

Die Behavioural Finance zeigt, dass das Verhalten von Anlegern auf vielfache Weise vom Idealbild des rationalen Investors abweicht. Doch könnte es sein, dass sich das individuelle Fehlverhalten ausgleicht? Wenn manche Anleger zu optimistisch und andere zu pessimistisch sind, könnte im Mittel der Markt doch immer noch realistisch sein. Und ist es nicht so, dass die Anleger, die Fehler machen, letztlich Geld an rationale Arbitrageure, wie Hedge Funds, verlieren, sodass sie für das Marktgeschehen immer weniger relevant werden?

Die Behavioural Finance stellt trotz dieser an sich plausiblen Einwände eine Reihe von Marktineffizienzen (Marktanomalien) fest. Es scheint eher zu sein, dass die individuellen Anlagefehler in die gleiche Richtung gehen und auch ziemlich gleichzeitig auftreten. Und es ist nicht klar, ob irrationale Anleger gegen rationale Arbitrageure Geld verlieren. Es kann auch umgekehrt sein. Falls der Aktienmarkt nach fundamentaler Betrachtung zu preiswert ist, sodass rationale Investoren kaufen sollten, kann eine Panik der irrationalen Anleger trotzdem zu weiteren Kursverlusten führen. Keynes beschrieb es schon vor fast hundert Jahren: «Märkte können länger irrational bleiben, als man Geld hat.» Übertriebene Hoffnung, dass sich die rationalen Anleger am Markt schnell durchsetzen, kann sehr gefährlich sein.

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