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Blogs / Momentum 09:02 - 29.01.2016

Was Goldanlegern Hoffnung macht

Die Erholungsrally könnte erst gerade angefangen haben. Neun Charts zu den Faktoren, die sich im Goldpreis abzeichnen.

Goldanleger können sich zum ersten Mal seit langem wieder über die Preisentwicklung des Edelmetalls freuen. Seit Anfang Jahr hat der Goldpreis über 5% zugelegt. Währenddessen haben die weltweiten Aktienmärkte fast 6% verloren, der Rohstoffindex Bloomberg Commodity Index ist mehr als 3% gesunken.

Gold vs. Aktien vs. RohstoffePerformance-Vergleich, Ende 2015 = 100zoomQuelle: Bloomberg

Ist nun eine Trendumkehr im Gange und der lang anhaltende Abwärtstrend gebrochen? Noch Mitte Dezember notierte Gold (Gold 1335.34 -0.15%) zeitweise unter 1050 $ je Unze – der tiefste Stand seit fünf Jahren und ein Verlust von über 40% seit dem Höchst von 2011. Auf dem langfristigen Chart sieht man die neue Aufwärtsbewegung kaum – noch zeigt der Trend nach unten.

Goldpreis seit dem Jahr 2000zoomQuelle: Bloomberg

Die Investoren kommen zurück

Die Stimmung dreht – die Investoren trauen sich wieder in Gold. Die börsengehandelten Goldfonds (ETF) konnten seit Jahresanfang dank Neugeldzuflüssen mehr als 1,6 Mio. Unzen dazukaufen – in Dollar gemessen entspricht das fast 1,8 Mrd. $. Die gehaltenen Goldeinlagen sind damit um 3,5% gestiegen.

Der von den ETF gehaltene Goldbestand hat nun den Wert von Anfang November erreicht. «Die Zuflüsse sind deutlich gestiegen, nachdem der Goldpreis die Marke von 1100 $ durchbrochen hatte», beobachten Analysten von Barclays (BARC 167.4 -0.39%). Das bedeutet: Ein höherer Goldpreis zieht mehr Käufer an. Falls sich die Stimmung tatsächlich wandelt, könnte dadurch die Rally neue Fahrt gewinnen.

Goldbestände von FondszoomQuelle: Bloomberg

In den USA hat laut Barclays auch der Münzhandel angezogen. In den ersten zwei Wochen seit Jahresanfang wurden dort schon 50% mehr Goldmünzen verkauft als im ganzen Januar 2015.

Schwellenländer haben Lust auf Gold

Auf der Nachfrageseite kommen zudem Impulse aus den Schwellenländern. So haben Indien und China ihre Importe an Gold zum Jahresende deutlich gesteigert. Indien hat im Dezember 2015 aus dem Ausland 179% mehr von dem Edelmetall importiert als im Vorjahresmonat.

Und Festlandchina hat aus Hongkong 81% mehr Gold gekauft als im Vorjahresmonat. Aufs Gesamtjahr gerechnet hat China seine Einfuhren aus Hongkong um 6% erhöht. «Der niedrige Goldpreis, die Angst vor einer weiteren Abwertung des chinesischen Yuans und das bevorstehende Neujahrsfest haben wohl zu den robusten Goldimporten beigetragen», vermuten Analysten der Commerzbank (CBK 5.964 -1.36%).

Die Volksrepublik leidet unter einer anhaltenden Kapitalflucht. Je grösser die Angst vor einer Währungsabwertung und einer Wirtschaftskrise, desto mehr werden alternative Anlagen wie Gold gesucht. Parallel dazu wird auch das digitale Gold, die Kryptowährung Bitcoin, von Chinesen stark nachgefragt.

Exporte nach Festland-ChinazoomQuelle: Commerzbank

Auf einen ungebrochenen Appetit der russischen Zentralbank auf Gold verweist Christopher Wood vom Broker CLSA in Hongkong. So hat Russland in den ersten elf Monaten 2015 fast 187 Tonnen Gold als Notenbankreserven gekauft. Deutlich mehr als im gesamten Jahr 2014. Auch die Commerzbank weist auf gestiegene Goldkäufe der Notenbanken der Schwellenländer hin. Sie könnten den Goldpreis dieses Jahr stützen.

Hedge Funds shorten Gold nicht mehr

Wie bei den Fonds- und den Münzinvestoren kommt am Terminmarkt – also dort, wo Optionen und Futures auf Gold gehandelt werden – nach extremem Pessimismus etwas Zuversicht auf. Die Netto-Long-Kontrakte messen die Differenz zwischen der Anzahl Wetten auf fallende und der auf steigende Kurse.

Diese Zahl wird als Mass für die Positionierung von spekulativen Anlegern wie etwa Hedge Funds verwendet. Zwar ist die Zahl von weniger als 2000 deutlich geringer als noch im November. Dafür zeigt die Richtung seit Ende Dezember nach einer langen Durstphase wieder nach oben.

Gold-Wetten spekulativer AnlegerzoomQuelle: Bloomberg

Volatilität ist nicht der Treiber

Als Grund für den steigenden Goldpreis ist in Diskussion, dass das Edelmetall als sicherer Hafen beliebt ist. Der Volatilitätsindex Vix ist ein Indikator für die Nervosität der Anleger. Er misst die implizite Volatilität von amerikanischen Aktien und damit die Schwankungsbreite, die in Optionen auf den US-Leitindex S&P 500 (SP500 2146.1 -0.86%) eingepreist ist. Als sicherer Hafen sollte Gold zusammen mit dem Vix steigen.

Der Vix notierte in den vergangenen Wochen zwar deutlich höher, doch den Goldpreis kann man damit nur schlecht erklären. So ist im September der Goldpreis gestiegen, obwohl sich die Lage am Aktienmarkt deutlich beruhigt hat. Nervosität bei den Anlegern sorgt wohl für mehr Goldnachfrage – doch für eine anhaltende Rally braucht es mehr.

Gold und Anleger-NervositätzoomQuelle: Bloomberg

Sinkende Zinsen helfen Gold

Das Zinsniveau scheint über die vergangenen Jahre eine bessere Erklärung für den Trend des Goldpreises zu liefern. Die Faustregel lautet, dass höhere Zinsen den Goldpreis belasten. Denn steigen die Zinsen, werden Anlagen mit Rendite interessanter.

Die Marktzinsen in den USA sind seit Ende Dezember deutlich gefallen. Grund dafür ist die Überzeugung, dass die US-Notenbank Fed nicht so schnell die Leitzinsen erhöhen wird wie vormals gedacht. Dadurch wird es attraktiver, Gold zu halten.

Das letzte Communiqué des Fed hat zwar eine baldige Zinserhöhung nicht ausgeschlossen. Das hat dem Goldpreis diese Woche einen Dämpfer verpasst. Aber falls die Sorgen um die Weltkonjunktur und China an den Märkten andauern, könnte der Goldpreis langfristig nach oben tendieren.

Gold und US-ZinsenzoomQuelle: Bloomberg

Gold ist stärker als der Dollar

Eng mit den US-Zinsen hängt die Entwicklung des Dollars zusammen. Höhere Zinsen in den USA stärken den Dollar. Eine stärkere US-Währung macht in Dollar gehandelte Rohstoffe wie Gold in anderen Währungen teurer und sollte dadurch die Nachfrage und den Goldpreis herabdrücken.

Vergleicht man den handelsgewichteten Dollarwechselkurs (Dollarindex) mit dem Goldpreis, laufen sie tatsächlich entgegengesetzt. Doch der Wert des Edelmetalls hat sich angesichts der Dollarstärke in den letzten Monaten relativ gut gehalten.

Gold und die Dollar-StärkezoomQuelle: Bloomberg

Euroanleger im Plus

Dank dieser Stärke haben Goldanleger im Euroraum über das vergangene Jahr eine deutlich bessere Performance erreicht, als der in Dollar angegebene Goldpreis anzeigt. Seit Anfang 2015 konnten sie gar eine Performance von fast 5% einstreichen. Die Schwankungen des Goldpreises sind für europäische Anleger viel milder und könnten den Einstieg für neue Investoren von dort erleichtern.

Goldpreis in Dollar, Euro und FrankenzoomQuelle: Bloomberg

 

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