Zum Thema: An der Schwelle zur säkularen Stagnation 14:20 - 11.09.2014

Was ist eine Bilanzrezession?

Die Bilanzrezession folgt in der Regel einer von Kreditexzessen getriebenen Vermögensblase. Die Bewältigung kann Jahrzehnte dauern.
lesen sie mehr
zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Crowding-out
Staatliche Tätigkeit verdrängt den Privatsektor. Beispiel: Der Staat entzieht dem Kapitalmarkt über die Ausgabe von Anleihen Finanzmittel und verwendet sie nicht so produktiv, wie es private Unternehmen machen würden.
Fremdkapital
Auf der Passivseite der Bilanz aufgeführte Forderungen Dritter.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Liquiditätsfalle
Situation, in der sich eine Volkswirtschaft in einer Rezession befindet, die Nominalzinsen bei null liegen und konventionelle geldpolitische Massnahmen keine Wirkung zeigen (vgl. quantitative Lockerung ).
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Research
Systematische Wertpapierbeurteilung als Grundlage für die Anlagepolitik. Sie gliedert sich in die Fundamentalanalyse und die technische Analyse .
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Umlaufgeschwindigkeit
Gibt an, wie oft jede Geldeinheit bei Transaktionen innerhalb einer Periode (wieder-)verwendet wird.

Beiträge zum ThemaAn der Schwelle zur säkularen Stagnation

Was ist säkulare Stagnation?
Der Begriff Bilanzrezession wurde vom Chefökonomen des Nomura Research Institute (NRI), Richard Koo, geprägt. Für Koo existieren grundsätzlich zwei Arten von Rezessionen: An die «normale», ungefährliche Art hat sich die westliche Welt in den sechs Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gewöhnt. Ihr Auslöser ist meist eine bewusst restriktive, antiinflationäre Politik der Notenbank, und sie wird oft durch den zyklisch bedingten Lagerabbau in der Unternehmenswelt verstärkt. Koo spricht in seinem Buch «The Holy Grail of Macroeconomics» von der Yang-Rezession, nach dem chinesischen Wort für Sonne oder Licht. Die Yang-Rezession kann problemlos bekämpft werden, indem die Notenbank die Zinsen senkt und den Investitions- und Konsumzyklus wieder in Gang bringt. In diesem Umfeld sind staatliche Konjunkturprogramme kontraproduktiv, da sie ohnehin zu spät einsetzen und private Investitionen verdrängen (Crowding-out-Effekt).

Deutlich gefährlicher ist die Yin-Rezession (nach dem chinesischen Wort für Mond oder Schatten). Sie tritt selten auf und folgt in der Regel einer von Kreditexzessen getriebenen Vermögensblase. In der Yin-Phase richtet sich der Rezessionsverlauf nach einem anderen Drehbuch. Die privaten Wirtschaftsakteure, seien es Unternehmen, Konsumenten oder beide, erleiden massive Vermögenseinbussen und sitzen auf überschuldeten Bilanzen. Jedes Individuum tut in dieser Situation für sich das Richtige, verkauft seine Vermögenswerte und baut Schulden ab. Doch wenn dies alle gleichzeitig tun, tritt eine deflationäre Schuldenliquidation ein, in deren Verlauf die Wirtschaft und die Vermögenspreise immer weiter fallen. Bilanzrezessionen gemäss Koo waren die Grosse Depression in den Dreissigerjahren und die grosse Rezession in Japan nach dem Crash der Aktien- und Immobilienblase von 1990. In Japan war es der Unternehmenssektor, der hoffnungslos überschuldet war, in der Grossen Depression waren es Unternehmen und die Privathaushalte.

In der Bekämpfung der Yin-Rezession ist die Geldpolitik der Notenbanken nach Ansicht Koos machtlos, weil die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes laufend sinkt (Liquiditätsfalle). Erstens wollen die Banken in diesem Umfeld keine neuen Kredite vergeben, und zweitens – viel wichtiger – besteht aus der Privatwirtschaft keine Nachfrage nach Fremdkapital. Als einzige Nachfragequelle, die ihre Ausgaben erhöhen kann, muss der Staat mit Stimuluspaketen in die Bresche springen, um die Wirtschaft zu stützen. Andernfalls droht eine unkontrollierte Depression. Die Stimuluspakete müssen nach Koo während der gesamten Dauer des Schuldenabbauprozesses (Deleveraging) aufrechterhalten werden, da die Konjunktur sonst wieder einknickt. Die Bewältigung einer Bilanzrezession und ihrer Folgen kann Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

An der Schwelle zur säkularen StagnationDie amerikanische Wirtschaft hat die schwerste Krise der Nachkriegszeit überwunden. Doch die schleppende Erholung lässt neue Zweifel aufkommen. Lesen Sie hier den Bericht von FuW-Redaktorin Tina Haldner.