Märkte / Makro 14:10 - 21.01.2016

Draghi: «Es gibt keine Limiten»

Tina Haldner
Die EZB signalisiert eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte nach der Zinssitzung, die Notenbank werde ihren Wirtschaftsausblick überprüfen und, wenn nötig, den geldpolitischen Kurs anpassen.
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zum Stichwort
Abwertung
Bewirkt einen geringeren Aussenwert der Währung, was Exporte vergünstigt und Importe verteuert.
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Aufstockung
Ausgabe fungibler Wertpapiere auf eine bereits ausstehende Anleihe .
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Devisen
Auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen, insbesondere Bankguthaben, Checks und Wechsel. Allgemein auch ein Sammelbegriff für ausländische Währungen.
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Einkaufsmanagerindex
Vielbeachteter, international verbreiteter Frühindikator, der auf einer Befragung von Chefeinkäufern von Unternehmen über Lage und Ausblick für Produktion, Preise, Aufträge, Personalbedarf etc. basiert. Saldowerte über (unter) 50 signalisieren eine wirtschaftliche Expansion (Kontraktion).
Europäische Zentralbank
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Geldmarkt
Markt für kurzfristige Finanzierungsmittel mit einer Laufzeit von weniger als zwölf Monaten. Der Geldmarkt zeichnet sich aus durch eine hohe Standardisierung sowie eine hervorragende Bonität der Marktteilnehmer. Die SNB versorgt die Wirtschaft über Repogeschäfte mit Liquidität, während Geschäftsbanken am Interbankenmarkt Liquiditätsausgleich und Arbitragegeschäfte betreiben. Papiere mit längerer Laufzeit werden am Kapitalmarkt abgewickelt.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationserwartung
Entscheidende Grösse für die geldpolitische Lagebeurteilung durch Zentralbanken sowie für die Marktrendite von (Staats-)Anleihen . Nicht die gegenwärtige Inflationsrate beeinflusst das Handeln von Verbrauchern und Investoren, sondern deren Meinung, wie sich die Teuerung in Zukunft entwickeln wird. Inflationserwartungen lassen sich jedoch nur annäherungsweise bestimmen, u. a. anhand von Prognosen und der Renditedifferenz zwischen nominellen und inflationsgeschützten Anleihen gleicher Laufzeit (sogenannte Break-even-Inflationsrate).
Inflationsrate
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationsziel
Geldpolitisches Konzept der Zentralbanken in Grossbritannien, Schweden etc. Die Aufgabe ist, die monetären Bedingungen so auszurichten, dass die tatsächliche Inflationsrate so nahe wie möglich an das fixierte Inflationsziel (Bank of England: 2%, Riksbank: 2% +/–1 Prozentpunkt) heranreicht. Die Teuerung muss also nicht so tief wie möglich ausfallen. Die EZB orientiert sich ebenfalls an einem versteckten Inflationsziel, «nahe, aber knapp unter 2%».
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Laufzeit
1. Lebensdauer eines Derivats oder einer Obligation . 2. Frist im Optionsgeschäft, während deren eine amerikanische Option ausgeübt werden kann.
Leitzinsen
Zinsen der Zentralbanken zur Geldmengensteuerung mit Signalwirkung für die Geldpolitik, in den USA Federal Funds Target Rate genannt. Die Schweizerische Nationalbank verwendet ein Zielband für den Dreimonatssatz Libor .
Limite
Vom Auftraggeber für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren vorgeschriebener Kurs, der beim Kauf nicht überschritten und beim Verkauf nicht unterschritten werden darf.
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
PMI
Vielbeachteter, international verbreiteter Frühindikator, der auf einer Befragung von Chefeinkäufern von Unternehmen über Lage und Ausblick für Produktion, Preise, Aufträge, Personalbedarf etc. basiert. Saldowerte über (unter) 50 signalisieren eine wirtschaftliche Expansion (Kontraktion).
SMI
Wird nach dem Streubesitz der zwanzig bedeutendsten kotierten Schweizer Unternehmen berechnet. Der SMI ist nicht dividendenkorrigiert, ist also ein Preisindex .
SNB
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .
Schweizerische Nationalbank
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
Wechselkurs
Gibt an, in welchem Verhältnis die Währung eines Landes gegen die Währung eines anderen Landes gewechselt werden kann (vgl. effektiver Wechselkurs ).
Widerstand
Instrument der technischen Analyse . Kurs, der aus charttechnischen Überlegungen schwer zu überschreiten ist.
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

(Reuters) Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer ersten Zinssitzung im neuen Jahr die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März weit aufgestossen. «Mit dem Start des neuen Jahres haben sich die Risiken noch einmal verstärkt», sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Es sei daher notwendig, die bisherigen Massnahmen bis zur nächsten Zinssitzung zu überprüfen. «Es gibt keine Grenzen, wie weit wir bereit sind, unsere geldpolitischen Instrumente einzusetzen.» Den Schlüsselzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beliess die Notenbank unterdessen auf dem Rekordtief von 0,05%. Dort liegt der Satz bereits seit September 2014.

In Reaktion auf die Äusserungen des EZB-Präsidenten gab der Euro um mehr als einen US-Cent auf unter 1.08 $ nach. Der deutsche Leitindex Dax (DAX 10529.59 -0.88%) zog mehr als 2% an. Auch der SMI (SMI 8141.28 -0.71%) gewann an Boden. Die Börsen zeigten sich allerdings volatil (lesen Sie hier mehr).

Die Unsicherheiten rund um die schwächelnden Schwellenländer hätten zugenommen, erklärte Draghi. Dazu kämen die Schwankungen an den Finanz- und Ölmärkten. Die EZB sei willens, alles innerhalb ihres Mandats zu unternehmen, um das Ziel einer Inflationsrate von knapp unter 2% zu erreichen. Im Dezember lag die Teuerungsrate in der Eurozone nur bei 0,2%.

Angesichts des Ölpreisverfalls haben sich die Inflationsaussichten für den Währungsraum seit Jahresbeginn kräftig eingetrübt. Öl hat sich seither um rund 25% verbilligt. Die Nordseesorte Brent (Brent 49.54 -0.2%) sackte auf unter 28 $ pro Fass ab und notierte damit auf dem niedrigsten Stand seit 2003. Die EZB war bei ihren jüngsten Inflations- und Konjunkturprognosen vom Dezember für dieses Jahr von einem Ölpreis von 52.20 $ ausgegangen.

Die Pressekonferenz im Live-Ticker:

(THA) 15.32
Die Pressekonferenz ist beendet.

15.30
Der EZB-Rat sei sich einig, dass das Inflationsziel von knapp 2% erreicht werden müsse und dass der Weg dahin nicht zu lange hinausgezögert werden dürfe. Daran würde auch das schwierige Marktumfeld nichts ändern. «Wir geben nicht auf», sagt Draghi.

15.29
Draghi ist zuversichtlich, dass sich im EZB-Rat eine Mehrheit finden wird, um die Geldpolitik weiter zu lockern, sollte das nötig sein. Das habe auch in den vergangenen vier Jahren funktioniert. Er betont noch einmal, dass das heutige Statement einstimmig beschlossen wurde.

15.24
Die Inflationserwartungen seien gesunken und seien wieder stärker mit dem Ölpreis korreliert. Das sei besonders gefährlich, und die EZB werde dagegen Massnahmen ergreifen.

15.20
Spanien habe signifikante Fortschritte bei seinen strukturellen Reformen gemacht, attestiert Draghi. Die sehr niedrige Inflationsrate erschwere diesen Prozess, weil die Abwertung gegenüber anderen Mitgliedländern dadurch wettgemacht werde.

15.08
Die Entwicklungen an den Energiemärkten können nicht ignoriert werden, sagt Draghi. Der Ölpreiseinbruch sei nicht kurzfristiger Natur und sei heftig ausgefallen. Der Preiszerfall könnte zudem eine negative Preisspirale auslösen. Das zeichne sich derzeit nicht ab, aber die Situation müsse sehr genau beobachtet werden.

15.05
Der schwache PMI und die Turbulenzen an den Devisen- und den Aktienmärkten hätten zu einer Kapitalflucht aus China geführt. Die Situation beruhige sich langsam. Dennoch seien die Effekte sichtbar, etwa an den Energiemärkten. Das wirke sich auch auf die Eurozone aus. Die chinesische Behörde gewinne langsam die Kontrolle zurück, sagt Draghi.

15.00
Es sei wichtig, sicherzustellen, dass das Bankensystem widerstandsfähig ist. Heute seien die Banken in besserer Verfassung als vor der Finanzkrise.

14.58
Es gebe derzeit keine Anzeichen, dass die Marktturbulenzen das Bankensystem destabilisieren, wie es etwa vor Ausbruch der Finanzkrise der Fall war. Die EZB beobachte die Lage aber genau.

14.56
Die EZB wolle alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen können, erklärt Draghi auf die Frage, ob beispielsweise auch Aktien auf dem Einkaufszettel stehen könnten. Die EZB müsse aber sicherstellen, dass es keine technischen Einschränkungen gebe, wenn sie ein Instrument in ihr Kaufprogramm aufnehme.

14.53
Die Glaubwürdigkeit der EZB würde angegriffen, wenn der geldpolitische Kurs nicht überprüft und an die Marktlage angepasst würde. Der EZB-Rat habe einstimmig für diesen Beschluss gestimmt. «Wir geben nicht auf im Bestreben, unser Mandat zu erfüllen. Das gilt vor allem in diesem Marktumfeld», sagt Draghi.

14.47
Draghi betont noch einmal, dass die EZB bereitstehe, alle nötigen Massnahmen zu ergreifen – innerhalb ihres Mandats –, um das Inflationsziel zu erreichen. «Es gibt keine Limiten», erklärt er. Auf die möglichen Massnahmen geht er nicht ein.

14.45
Draghi eröffnet die Fragerunde.

14.44
Draghi kündigt an, die geldpolitischen Massnahmen im März zu überprüfen und falls nötig anzupassen. Die Teuerung müsse angefacht und dem Zielwert von 2% angenähert werden. Das Einführungsstatement von Mario Draghi finden Sie hier.

14.41
Die Nachfrage nach Krediten sei gestiegen, getrieben durch die niedrigen Zinsen. Die geldpolitischen Massnahmen hätten die Kreditvergabe angekurbelt.

14.39
Dennoch würden die Abwärtsrisiken für die europäische Wirtschaft überwiegen. Die Inflationsrate dürfte bis weit ins kommende Jahr sehr niedrig bleiben. Die Auswirkungen der rekordniedrigen Teuerung müssten genau beobachtet werden.

14.37
Europas Wirtschaft habe im letzten Quartal 2015 an Schwung gewonnen. Die niedrigen Ölpreise dürften die Lage der Haushalte und der Unternehmen in den kommenden Monaten verbessern. Das Lohnwachstum habe zugenommen, sagt Draghi.

14.34
Die Abwärtsrisiken an den globalen Finanzmärkten seien gestiegen, sagt Draghi. Insbesondere der niedrige Ölpreis drücke auf die Inflationsrate der Eurozone. Es sei daher nötig, die Inflationsprognosen und die geldpolitischen Massnahmen am kommenden Meeting im März zu überdenken und, wenn nötig, anzupassen.

14.33
Mario Draghi erklärt, das Wertschriftenkaufprogramm schreite gut voran. Die geldpolitischen Massnahmen seien erfolgreich und hätten die Widerstandskraft der Eurozone gestärkt.

14.30
Die Pressekonferenz beginnt.

 

Hintergrund: 

(BEG) Was erwarteten die Märkte von der EZB?
Wohl niemand hatte die Ankündigung konkreter Massnahmen erwartet, weder eine weitere Senkung der Leitzinsen noch eine Aufstockung des Anleihenkaufprogramms. Eine Straffung der Geldpolitik steht schon gar nicht auf der Agenda. Um 13.45 Uhr gab die EZB bekannt, sie lasse die Leitzinsen unverändert.

Was wird Mario Draghi sagen?
Die Pressekonferenz startet um 14.30 Uhr. EZB-Präsident Mario Draghi wird seine Beurteilung zu den fundamentalen Entwicklungen und zu den Marktturbulenzen darlegen. Marktteilnehmer werden auf die Tonalität achten und versuchen, künftige Massnahmen des EZB-Rats zu prognostizieren.

Wie steht es um die Konjunktur?
Im Vergleich zur letzten EZB-Sitzung Anfang Dezember haben sich die Indikatoren für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone insgesamt mindestens bestätigt oder sind sogar leicht besser geworden. Ein unerfreuliches Signal kam allerdings von der leicht enttäuschenden Industrieproduktion vom November. Doch besonders die Umfrage unter Chefeinkäufern von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, zusammengefasst im Einkaufsmanagerindex (PMI), ist zuletzt erfreulich ausgefallen. Zudem scheinen die Banken ihre Bedingungen für die Kreditvergabe weiter zu lockern, und sie rechnen mit einer höheren Nachfrage nach Darlehen, wie die jüngste Erhebung der EZB zeigt.

Wie entwickeln sich die Inflationserwartungen?
Der Inflationsausblick hat sich vor allem wegen der gefallenen Ölpreise aus Sicht der EZB eingetrübt. Die marktbasierten langfristigen Inflationserwartungen sind von 1,8 auf knapp 1,6% zurückgegangen, stellen die Ökonomen von UniCredit (UCG 2.174 -3.72%) fest. In kürzeren Laufzeiten sind die Erwartungen kollabiert, der Einjahresinflationsswap ist um 0,75 Prozentpunkte auf nur noch 0,03% gesunken. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter 2% an, was Draghi seit längerem immer wieder betont und womit er die expansiven Massnahmen der EZB begründet.

Wie entwickelt sich die Inflation?
Im Dezember rechnete die EZB für das Jahr 2016 noch mit einer Teuerung von 1%. Nun prognostizieren die Ökonomen von HSBC (HSBA 542.5 0.28%) Trinkaus eine Inflationsrate von lediglich 0,1%. Im Frühling drohe bereits wieder ein Rückfall in den negativen Bereich.

Reagiert die EZB auf die fallenden Ölpreise?
Für die Eurozone ist günstiges Rohöl willkommen, sie ist ein Importeur. Negativ sind die mit dem Ölpreisverfall verbundenen Marktturbulenzen und die Furcht vor einer weltweiten Wachstumsschwäche. Der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, äusserte zuletzt, dass der Rückgang des Ölpreises die Inflation nicht nur temporär, sondern nachhaltig drücken werde. Wenn das zutrifft, könnte die EZB mit einer noch expansiveren Geldpolitik reagieren, und Draghi dürfte sich heute dahingehend äussern. Vorerst werden aber keine konkreten Massnahmen erwartet.

Welche Massnahmen wird die EZB künftig treffen? 
Fällt die Inflation wieder unter null, dürfte der Druck auf die EZB grösser werden. HSBC Trinkaus rechnet für die kommenden Monate mit einer weiteren Reduzierung des Einlagenzinses um 0,1 Prozentpunkte auf –0,4%. Die EZB werde vermutlich auf eine Zinssenkung setzen und nicht auf eine Ausweitung der monatlichen Anleihenkäufe. Es bestehe die Befürchtung, dass eine Erhöhung der Käufe die Liquidität im Staatsanleihenmarkt beeinträchtige.

Was würde das für die Schweizerische Nationalbank bedeuten?
Die SNB (SNBN 1320 5.85%) hat ein Interesse daran, dass die Zinsdifferenz zwischen Euro und Franken nicht kleiner wird. Schwindet der Zinsnachteil des Frankens am Geldmarkt, könnte das den Franken stärken und den Wechselkurs herabdrücken. Die SNB könnte dann den Leitzins noch weiter ins Negative herabsetzen. Derzeit notiert der Franken-Euro-Kurs auf 1.0955 Fr./€.

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