Märkte / Makro 14:28 - 19.04.2013

Wer folgt auf Bernanke?

Der US-Notenbankchef Ben Bernanke ist noch nicht mal zurückgetreten, da ranken sich schon die Gerüchte um seine Nachfolge. «Finanz und Wirtschaft» weiss, wer die aussichtsreichste Kandidatin ist.
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Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
QE
Früher verpönte unkonventionelle geldpolitische Massnahme. Statt über Zinssenkungen die Finanzierungsbedingungen zu lockern, wird die Geldmenge direkt ausgeweitet, indem Wertschriften oder Devisen angekauft werden, ohne paralell dazu eine Sterilisierung durchzuführen. Im schlimmsten Fall erwerben Notenbanken direkt die Schuldbriefe der Regierung und fördern damit eine zügellose Schuldenpolitik des Staates (Schuldenmonetisierung).
Tau
Misst die Veränderung des Optionswerts bei einer Veränderung der Volatilität. Gehört zu den Greek Letters . Der Wert einer Option steigt mit zunehmender Volatilität des Basiswerts , während eine sinkende Volatilität dazu führt, dass eine Option günstiger wird.
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Auf Ben Bernanke ist verlass. Der frühere Wirtschaftsprofessor der Elite­universität Princeton hat sich während seiner gut sieben Jahren an der Spitze des Federal Reserve als standhafter Verfechter einer ultralockeren Geldpolitik erwiesen und damit an der Börse immer wieder für Kauflaune gesorgt. An den Märkten wird daher heftig darüber spekuliert, wer am 1. Februar 2014 nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit das Fed-Präsidium übernimmt.

Rücktritt ist noch nicht offiziell

Offiziell hat sich Bernanke zwar bisher nicht dazu geäussert, ob er für weitere vier Jahre als mächtigster Zentralbanker der Welt amtieren will. An seiner letzten Pressekonferenz von Mitte März sagte er nur, dass er mit Präsident Obama «ein wenig» über seine Zukunft gesprochen habe. Wie es aus dem Umfeld des 59-Jährigen aber heisst, möchte er seinen Posten abgeben. Zudem hat er bekräftigt, dass die US-Notenbank auch ohne ihn den Kurs halten könne: «Es gibt keine einzige Person, die unverzichtbar ist», sagte er dazu.

Sollte Bernanke tatsächlich zurücktreten, wird weitum erwartet, dass das Weisse Haus Janet Yellen zu seiner Nachfolgerin ernennen wird. Die 66-jährige Volkswirtin aus Brooklyn hat zunächst an der Universität von Berkeley gelehrt und stand zweimal dem wirtschaftlichen Beratungsgremium von Präsident Clinton vor. 2004 hat sie die Leitung der Fed-Distriktnotenbank San Francisco übernommen und amtiert seit Herbst 2010 als Vizepräsidentin im Direktionsgremium der US-Notenbank.

Geflatter im Taubenstall

Yellen ist wie Bernanke eine «Taube». Das heisst, dass sie in der Geldpolitik einen weichen Standpunkt bei der Inflationsbekämpfung vertritt und ihren Fokus in erster Linie auf die Wirtschaft respektive den Arbeitsmarkt legt. Dabei hat sie sich als noch kompromisslosere Verfechterin des Stimulusprogramms QE3 exponiert als der aktuelle Notenbankpräsident. Ginge es nach ihr, dürfte sich die bereits auf über 3000 Mrd. $ angeschwollene Bilanz des Federal Reserve kaum vor 2025 normalisieren.

Im weiteren Kreis der Anwärter rangiert Roger Ferguson. Der Afroamerikaner war von 1999 bis 2006 Vizepräsident im Fed-Direktorium und steht der Lehrerpensionskasse TIAA-CREF vor, die 3,7 Mio. Mitglieder zählt und annähernd 500 Mrd. $ verwaltet.

Zur Diskussion stehen könnte ferner der Ökonom Alan Blinder, der sich während der Krise der US-Automobilindustrie als einer der Ersten für die Verschrottungsprämie starkmachte und Mitte der Neunzigerjahre ebenfalls zum Direktionsgremium der US-Notenbank zählte.

Immer wieder als möglicher Anwärter genannt wird ausserdem Larry Summers. Der frühere US-Schatzminister polarisiert allerdings stark, was gegen die Ernennung zum Fed-Präsidenten spricht.

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