Märkte / Makro 00:00 - 15.03.2017

Worauf es beim Fed-Entscheid ankommt

Christoph Gisiger, New York
Das Federal Reserve wird die Geldpolitik diesen Mittwoch aller Voraussicht nach bereits erneut straffen. Hier die wichtigsten Punkte zur anstehenden Sitzung der amerikanischen Notenbank.
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Official portrait of Federal Reserve Chairman Janet Yellen.
Aufgenommen von: United States Federal Reserve
Lizenz: Public domain

Janet Louise Yellen (* 13. August 1946 in Brooklyn, New York City) ist eine US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin. Seit dem 1. Februar 2014 ist sie in der Nachfolge von Ben Bernanke Präsidentin des Federal Reserve Board (FED).

Leben

Janet Yellen wurde am 13. August 1946 als Tochter des Arztes Julius Yellen und Anna Yellen geb. Blumenthal im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Sie stammt aus einer jüdischen Familie. Yellen schloss ihr Wirtschaftsstudium an der Brown University 1967 summa cum laude mit einem Bachelor ab. 1971 erhielt sie an der Yale University ihren Ph.D. und wurde im selben Jahr Dozentin der Harvard University, was sie bis 1976 blieb. 2010 erhielt sie den Adam-Smith-Preis.

Janet Yellen ist mit George A. Akerlof verheiratet. Ihr Sohn, Robert Akerlof, ist Assistenzprofessor an der University of Warwick.

Karriere

1974 war Janet Yellen Mitarbeiterin (Research ...

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http://de.wikipedia.org/wiki/Janet_Yellen

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Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Bond
Englische Bezeichnung sowohl für eine Anleihe wie auch für ihre handelbaren Bruchteile, also die Obligationen .
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Devisen
Auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen, insbesondere Bankguthaben, Checks und Wechsel. Allgemein auch ein Sammelbegriff für ausländische Währungen.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Rally
Markttendenz mit stark steigenden Kursen.
Research
Systematische Wertpapierbeurteilung als Grundlage für die Anlagepolitik. Sie gliedert sich in die Fundamentalanalyse und die technische Analyse .
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
Wallstreet
Im übertragenen Sinne Bezeichnung für die an der Strasse Wall Street gelegene Nyse , aber auch allgemein für New York als Finanzplatz .

Ein kleiner Schritt für das Federal Reserve, ein grosser Sprung für die globalen Finanzmärkte. Historisch betrachtet werden die Zinsen in den USA zwar weiterhin auf tiefem Niveau bleiben. Bald zehn Jahre nach der Finanzkrise könnte der Beschluss der amerikanischen Notenbank vom Mittwoch aber als Schlüsselmoment in die Geschichte eingehen.

Das Trauma von 1937 ist bewältigtMit dem Zinsentscheid der US-Notenbank steht ein Schlüsselmoment in der Bewältigung der Finanzkrise an. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Christoph Gisiger.
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Seit die Rezession im Sommer 2009 abgeklungen ist, haben sich die US-Währungshüter bei der Normalisierung der Geldpolitik extrem vorsichtig verhalten. Dies dürfte sich ab heute ändern, was für Aktien, Anleihen, Devisen und andere Anlageklassen weitreichende Konsequenzen bedeuten könnte. Hier deshalb die wichtigsten vier Punkte, auf die es beim Fed-Entscheid ankommt.

1. Das Statement

Die US-Notenbank wird um 19 Uhr Schweizer Zeit zunächst das Statement zu ihrer zweitägigen Sitzung veröffentlichen. Dabei gilt es als so gut wie sicher, dass sie das Zielband für den Leitzins (Federal Funds Rate) um einen Viertelprozentpunkt auf 0,75 bis 1% anhebt. Es ist damit bereits die zweite Straffung der Geldpolitik in drei Monaten.

Interessieren wird Investoren im Statement vor allem, wie die Währungshüter die Konjunkturlage einschätzen. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zwar solid, und es gibt Zeichen dafür, dass die Inflation anzieht. Auch hat die Zuversicht unter Unternehmen und Konsumenten seit den US-Wahlen markant zugenommen. Ob es wirklich zu einem robusten Wirtschaftsaufschwung kommt, muss sich aber erst bestätigen.

«Wir erwarten, dass sich der Ton im Statement verschärfen wird», meint Michelle Meyer, Ökonomin in Diensten von Bank of America. Ein wichtiger Aspekt sei dabei, ob das Fed die Entwicklung der Unternehmensinvestitionen optimistischer einstufe. Das, nachdem es sie bislang als schwach bezeichnet hat. Zudem dürfte die Notenbank die Risikolage optimistischer einschätzen, denkt Meyer.

US-Leitzins (Federal Funds Rate)zoom Quelle: St. Louis Fed

2. Die Zinsprognose

Weil eine Straffung der Geldpolitik bereits erwartet wird, kommt es am Mittwoch vor allem auf die Aussichten zur weiteren Zinsentwicklung an. Einen zentralen Hinweis dazu gibt die Zinsprognose. Sie wird an Wallstreet auch «Dot Plot» genannt, weil sie mit Punkten grafisch illustriert, wo die einzelnen Fed-Mitglieder den Leitzins jeweils zu Ende eines Jahres sehen.

Das Fed aktualisiert die Prognose jede zweite Sitzung. Beim vorletzten Treffen von Ende Dezember signalisierte es insgesamt drei Zinsschritte für dieses Jahr und drei weitere für 2018. Die grosse Frage ist daher, ob es seinen Zinsausblick an der heutigen Sitzung anheben wird.

«Die Argumente, einen zusätzlichen Zinsschritt für dieses Jahr zu signalisieren, sind stark. Der Fed-Vorsitz wird aber zunächst wohl weitere Daten zum Arbeitsmarkt abwarten», denkt Ian Shepherdson vom Researchdienst Pantheon Macroeconomics. «Bis zur übernächsten Sitzung im Juni werden dafür dann ausreichend Informationen zur Verfügung stehen.»

Zinsprognose (Dot Plot) vom Dezemberzoom Quelle: Federal Reserve

3. Die Pressekonferenz

Im Anschluss an den Zinsentscheid wird Fed-Chefin Janet Yellen um 19.30 Uhr Schweizer Zeit eine Pressekonferenz halten. Offiziell beschliesst die US-Notenbank den geldpolitischen Kurs zwar im Gremium. Ausschlaggebend ist am Ende jedoch immer, was die Präsidentin denkt.

Yellens Worte könnten die Märkte daher mehr bewegen als das Statement und die Zinsprognose. An ihrem letzten öffentlichen Auftritt in Chicago hat sie bereits angedeutet, dass «die Normalisierung der Geldpolitik voraussichtlich nicht mehr so langsam verlaufen wird wie in den letzten zwei Jahren». Nun wollen Investoren wissen, was sie im Detail damit meint.

Ein zentrales Thema an der Pressekonferenz wird auch der Regierungswechsel in Washington sein. Bislang hat sich die US-Notenbank nur vage zu den wirtschaftspolitischen Plänen von Präsident Trump geäussert. Prescht Yellen mit weiteren Zinserhöhungen vor, könnte aus dem Weissen Haus zudem bald Kritik zu hören sein, dass sie die Konjunkturerholung gefährde.

Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhungzoom Quelle: Bianco Research

4. Die Reaktion der Märkte

Ende Februar hatten Investoren noch kaum damit gerechnet, dass die US-Notenbank bereits diesen Mittwoch einen weiteren Zinsschritt macht. Mit dem Referat von Yellen in Chicago und mit einer Rede von New-York-Fed-Chef Bill Dudley wenige Tage zuvor änderte sich das schlagartig. Das wirft Fragen auf, wie zuverlässig die US-Geldpolitik künftig abschätzbar ist.

Überraschungen so kurz vor einer Fed-Sitzung hat die Notenbank bislang strikt vermieden. «Es ist damit das erste Mal seit langer Zeit, dass das Fed den Märkten das Vorgehen diktiert und nicht umgekehrt», meint Anlagestratege Jim Bianco von Bianco Research. Werden es die Börsen also wirklich goutieren, dass Yellen plötzlich ein höheres Tempo bei der Normalisierung der Geldpolitik anschlagen will?

Offensichtlich ist, dass der amerikanische Aktienmarkt nach einer kräftigen Rally seit einigen Tagen Ermüdungserscheinungen zeigt. Nach einem schwachen Start in die Woche hat der US-Leitindex S&P 500 am Dienstag weitere 0,3% auf 2365,45 eingebüsst. Am Bondmarkt ist derweil die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf 2,6% geklettert. Das ist exakt das gleiche Niveau wie bei der letzten Zinserhöhung von Mitte Dezember.

Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihenzoom Quelle: Yahoo Finance

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