Galerien / Objektiv 10:56 - 28.02.2017

Würselen

Das Milieu macht den Menschen. Was nicht gleich heissen muss, dass jeder zur Schiessbudenfigur wird, der sich an der Kirmes in Würselen vergnügt. Das ist eine Kleinstadt bei Aachen, ein Kaff, kaum der Rede wert, hätte dort nicht von 1987 bis 1998 Martin Schulz gewaltet, als Bürgermeister. Später machte er Karriere im Europäischen Parlament, dessen Vorsitz er diesen Januar abgegeben hat. Abgestandene Erfahrung in Lokalpolitik, Sitzungsleiter eines handicapierten «Parlaments» (das keine eigenen Gesetzesvorlagen einbringen kann!) – ob dieser Palmarès Schulz für das Amt des Bundeskanzlers qualifiziert? Beträchtliche Teile des deutschen Publikums scheint die Aussicht zu elektrisieren. Die Sozialdemokratie, die noch bis vor kurzem für die Bundestagswahl im September mit nur rund 20% hatte rechnen müssen, ist seit der Kandidatenrochade von Sigmar Gabriel zu Schulz – der die landesübliche Staatsfürsorglichkeit predigt – in den Meinungsumfragen vorgerückt: auf über 30%, gleichauf mit Merkels Union oder darüber. Dass anscheinend so viele «Menschen draussen im Lande» (TV-Sprech) eine in der Substanz nahezu unerhebliche Personalie als schier heilsbringend empfinden, kann zum Grübeln anregen.