Blogs / Fintech 15:56 - 01.03.2017

Zug soll Welthauptstadt der Blockchain werden

Pascal Meisser
In Fintech-Kreisen ist der Kanton Zug schon länger als «Crypto Valley» bekannt. Nun soll dies auch die Welt erfahren.

Bislang waren es die jungen Wilden, die sich mit ihren Blockchain-Startups in Zug niedergelassen haben. Nun haben auch die grossen Firmen aus der Finanz- und Beratungsbranche die kleine Stadt im Süden der Stadt Zürich entdeckt.

Seit heute Mittwoch will die «Crypto Valley Association» den Standort Zug als Welthauptstadt der Blockchain-Technologie vermarkten. Dahinter stehen Unternehmen wie UBS (UBSG 15.54 -0.38%), PwC oder das Medienhaus Thomson Reuters und Institutionen wie der Kanton Zug selber sowie die Hochschule Luzern. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, wird in der Mitteilung zu einem beliebten Modewort gegriffen: Das «Ökosystem» soll gefördert werden.

Ex-UBS-Chef-Innovator als Galionsfigur

An der Spitze der Organisation steht ein Mann, der in Blockchain-Kreisen höchste Anerkennung geniesst: Oliver Bussmann, bis vor einem Jahr der Blockchain-Guru der UBS, bevor er die Grossbank verliess und sich als Fintech-Berater selbständig machte. Bussmann war unter anderem dafür verantwortlich, dass sich die UBS im weltweit bekanntesten Fintech-Inkubator Level 39 in London engagierte.

Diese Konzentration der Kräfte in Zug ist sinnvoll. Bereits heute operieren in und um Zug ein gutes Dutzend internationaler Blockchain-Startups. Zu ihnen gehören beispielsweise Ethereum, die eine Bitcoin-ähnliche Währung verwalten oder der amerikanische Wallet-Anbieter Xapo, der seinen Sitz wegen des Umfelds in die Schweiz verlegt hatte.

Die neue Vereinigung, die sich als Non-Profit bezeichnet, will Zug eine populärere Positionierung auf der Blockchain-Weltkarte ermöglichen. «Blockchain und kryptografische Technologien sind unsere Zukunft», lässt sich Leiter Bussmann in der Mitteilung zitieren. Die Aufgabe der global tätigen Vereinigung sei es, die Positionierung der Schweiz als führendes Innovationscenter in diesem Bereich zu stärken.

Zug als Bitcoin-Vorreiter

Wie wichtig diese Aufgabe ist, zeigte sich anfänglich auch im lokalen Umfeld. Während in den interessierten Kreisen das «Crypto Valley» längst zu einem Begriff wurde, konnten die Behörden damit wenig anfangen. Erst mit der Zeit verstand die Stadt, welcher Glücksfall die Ansiedelung von Blockchain- und Bitcoin-Startups war.

So ermöglichte Zug im Mai vor einem Jahr als erste Stadt weltweit den Bürgern, Gebühren bis 200 Fr. in Bitcoin zahlen zu können. Die Werbewirksamkeit war gross, global wurde darüber berichtet. Zürich hingegen lehnte im vergangenen August einen ähnlich lautenden Vorstoss ab, obschon das mit dem volatilen Bitcoin zusammenhängende Währungsrisiko klein ist.

Zumindest im Fall von Zug gilt: Seit der Ermöglichung der Bitcoin-Zahlung haben gemäss Stadtpräsident rund ein Dutzend Einwohner ihre Gebühren mit der Digitalwährung beglichen.

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