Momentum
Kupfer ist seit der Wahl Donald Trumps markant teurer geworden. Was das für die Konjunkturaussichten bedeutet.

Trump sorgt für eine Trendwende – zumindest bei den Rohstoffen. Kupfer, im ersten Halbjahr noch der Verlierer unter den Metallen, glänzt wieder. Dagegen steht Gold seit Wochen unter Druck. Das Kursverhältnis zwischen Gold und Kupfer befindet sich auf Talfahrt.

zoom Quelle: Bloomberg

Der Preis des roten Metalls – «Dr. Copper» – dient als Frühindikator der Realwirtschaft. Denn Kupfer ist ein Hauptbestandteil in der Industrie: Ein steigender Preis signalisiert eine wachsende Nachfrage und eine höhere Aktivität. Dagegen geht ein fallender Preis oft mit einem Rückgang der Industrieproduktion einher.

Umgekehrt verhält sich der Goldpreis: Als «sicherer Hafen» wird das Edelmetall vor allem dann nachgefragt, wenn die Zweifel am Wirtschaftswachstum steigen.

Die relative Performance des «wachstumsfreundlichen» Kupfer- und des «konjunkturpessimistischen» Goldpreises gilt demnach als Messgrösse für Konjunkturaussichten. Wenn das Verhältnis fällt, setzen die Anleger vermehrt auf Wachstum.

Tatsächlich hat die Wahl des Republikaners Donald Trump zum US-Präsidenten vor allem in den USA eine regelrechte Euphorie ausgelöst. Mit höheren Infrastrukturausgaben und Steuersenkungen soll die Konjunktur angekurbelt werden. Das freut die Industrie(metalle) und belastet Gold.

Doch die jüngste Rally im Kupferpreis dürfte trotz verbesserter Konjunkturaussichten übertrieben sein. Gemäss Analysten von Goldman Sachs wäre der Anstieg konsistent mit einer globalen Zunahme der Industrieproduktion von 1,5%. Das ist unerreichbar – selbst wenn Trump seine Pläne wahrmachen sollte.

Denn das versprochene Infrastrukturprogramm in der Höhe von 1 Bio. $ über die nächsten zehn Jahre ist zwar umfangreich, ist angesichts der chinesischen Investitionen aber vernachlässigbar. Die Volksrepublik hat seit Anfang Jahr bereits 1,4 Bio. $ in Strassen, Brücken und öffentliche Bauten investiert. 45% des weltweit produzierten Kupfers werden in China verbraucht.

Diese Erkenntnis könnte bereits in den kommenden Wochen zu einer Abschwächung des Kupferpreises führen. Hinzu kommt, dass Trump sein Wahlprogramm erst noch umsetzen muss. Sollte sich ab Januar zeigen, dass die Realisierung schwieriger ist als erwartet, könnte die Stimmung in den USA schnell wieder drehen – und damit auch das Gold-Kupfer-Verhältnis.

09:44 - 08.12.16

Der Chart des Tages

Christoph Gisiger, New York
So sieht Hyperinflation aus.

Venezuela versinkt im Chaos. Wie katastrophal die Lage im südamerikanischen Staat an der Karibikküste ist, machen die Verwerfungen am Devisenmarkt deutlich.

Die Regierung in Caracas kontrolliert die Landeswährung zwar seit 2003 und verbietet alternative Währungskurse. Offiziell könnte man demnach derzeit mit rund 10 Bolivar 1 $ kaufen. Vor fünf Jahren brauchte es dafür etwas mehr als 4 Bolivar.

Mit der Realität hat das jedoch wenig zu tun. Für den tatsächlichen Wert der venezolanischen Valuta orientiert sich die Bevölkerung an alternativen Wechselkursen, wie sie auf der Internetseite von Gustavo Díaz gestellt werden.

Der Angestellte einer Home-Depot-Filiale in Alabama hat mehr als 2,5 Mio. Follower auf Twitter und stellt täglich einen alternativen Kurs. Gemäss seiner Website DolarToday.com braucht man derzeit rund 4300 Bolivar, um 1 $ zu kaufen.

Was bedeutet so eine Situation für Investoren? Wie ein zweiter Chart von Bianco Research unten zeigt, sind Aktien an der Börse von Caracas seit Anfang Jahr mehr als 160% gestiegen. Zu den Schwarzmarktkursen von Díaz umgerechnet resultiert hingegen ein Verlust von mehr als 50%.

Quelle: Bianco Research

«Das ist ein klassisches Beispiel von Hyperinflation», meint dazu US-Marktstratege Jim Bianco. «Vermögenspreise wie Aktienkurse schiessen steil nach oben, können aber nicht mit dem Tempo mithalten, mit dem die Währung kollabiert.»

13:00 - 07.12.16

Hot Corner: Neuling im Camp Nou

Wolfgang Gamma
Bis zum Anpfiff dauert es zwar noch ein paar Monate, doch der Transfercoup ist gelungen. Der japanische Onlinedienstleister Rakuten wird ab der Saison 2017/18 für vier Jahre der Trikotsponsor des FC Barcelona sein.

Camp Nou heisst das Stadion von Barça, und für Rakuten (Tokio, 4755 JP, Kurs: 1122 Yen, Börsenwert 1607 Mrd. Yen bzw. 14,3 Mrd. Fr.) ist Europas Spitzenfussball in der Tat Neuland. In Japan besitzt Rakuten bereits die Fussballmannschaft Vissel Kobe und das Baseballteam Tohoku Rakuten Golden Eagles. Die auf vier Saisons angelegte Partnerschaft kostet Rakuten jährlich 55 Mio. €. Die Japaner sind dabei als «Globalpartner für Innovation und Unterhaltung» genannt.

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Ausserhalb des Heimmarktes ist die 1997 von Hiroshi Mikitani gegründete Gesellschaft weit weniger bekannt. Mikitani hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Das Engagement in Europas Clubfussball soll dazu beitragen. In der Ankündigung der Partnerschaft outete sich Mikitani als Bewunderer der Katalanen und ihres Fussballstils. Auch sollen Barça-Verteidiger Gerard Piqué und seine Frau, Pop-Ikone Shakira, mit Mikitani gut befreundet sein. Nicht nur wegen der Ambitionen in Europa ist Barcelona eine gute Wahl, auch in Japan geniessen die spanische Primera División und die Uefa Champions League viel Aufmerksamkeit, die Rakuten nun auf sich lenken kann.

Der Konzern will die in Japan anerkannte Innovationsstärke auch beim FC Barcelona einsetzen. Das Messagingsystem Viber ist als offizieller Kommunikationskanal des Clubs vorgesehen, der Video-Streaming-Dienst Wuaki ist ein weiterer Bestandteil der Kooperation.

Bild: Kiyoshi Ota/Bloomberg

Fast zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet Rakuten mit Internetdienstleistungen, ein Drittel entfällt auf  das Segment Fintech (u. a. Kreditkarten). In den ersten neun Monaten bedeutete dies knapp 400 Mrd. Yen (3,5 Mrd. Fr.) im Hauptgeschäft und gut 200 Mrd. Yen im Finanzbereich. Um das Kerngeschäft E-Commerce in Japan voranzubringen, wurde kräftig investiert. Entsprechend sank das operative Ergebnis in der Internetsparte um ein Fünftel.

Anders als Konkurrent Amazon (AMZN 768.8943 -0.2%) verkauft Rakuten selbst keine Waren, sondern bietet Webshops inkl. Zahlungsverkehr an. Die Einnahmen stammen aus einer monatlichen Grundgebühr und einer Verkaufsprovision. Im Ausland ist Rakuten etwa mit Ebates engagiert. Die Gesellschaft organisiert Onlineshops für die US-Modegruppe Gap und für den Ausstatter Bed Bath & Beyond. In Frankreich gehört die Plattform Priceminister zum Konzern. Für 2016 erwartet Rakuten ein zweistelliges Umsatzplus.

Die Aktien von Rakuten figurieren seit Oktober in den Leitindizes Nikkei 225 (Nikkei 225 18765.47 1.45%) und Topix der Börse Tokio. Der aktuelle Gewinnrückgang ist auf die umfangreichen Investitionen zurückzuführen, die sich ab 2017 auszahlen sollten. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 für 2017 sind die Titel teurer als Japans Gesamtmarkt (17), aber weit günstiger als die Papiere der Branchennachbarn Amazon (54) und Alibaba (BABA 93.01 2.13%) (23).

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11:45 - 07.12.16

Der Chart des Tages

Peter Rohner
Zehn Konzerne füttern uns.

Im kapitalistischen System haben die Konsumenten die Wahl aus einer schier unendlichen Fülle von Lebensmittelprodukten. Doch egal, wie sie sich entscheiden, am Ende kommt das Produkt mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Grosskonzern wie Nestlé, Mondelez oder Unilever.

Der Lebensmittelmarkt ist sehr konzentriert. Es gibt zwar unzählige Marken, sie gehören aber in der Regel einem der zehn grossen Lebensmittelkonzerne.

zoom Quelle: Visual CapitalistDas zeigt die obige Grafik, die es hier rechts auch in voller Grösse mit Zoom gibt.

Allein Nestlé führt rund dreissig Marken, die mehr als 1 Mrd. $ Umsatz erzielen. Dass Nespresso, Nescafé und Nesquik aus dem Hause Nestlé stammen, verrät der Name. Auch Kit Kat wird in der Regel mit dem waadtländer Konzern in Verbindung gebracht. Weniger offensichtlich ist, dass auch die Mineralwasser San Pellegrino und Perrier von Nestlé sind, ebenso wie der Thomy-Senf und die Tiefkühlpizza von Buitoni.

Die typischen Schweizer Produkte Ovomaltine und Toblerone dagegen gehören nicht zu Nestlé. Die Berner Wander AG, die die Ovomaltine herstellt, ist seit 2002 im Besitz von Associated British Foods, Toblerone gehört zu Mondelez (früher Kraft Foods).

Am extremsten ist die Konzentration bei Schokoladeriegeln. Dort führt praktisch kein Weg an Nestlé, Mars und Mondelez vorbei.

10:28 - 06.12.16

Der Chart des Tages

Sandro Rosa
Börsenhausse ohne die Schweiz.

Trotz miserablem Start ins neue Jahr und trotz Brexit und Trump-Wahl haben sich die globalen Aktienmärkte 2016 ganz ordentlich entwickelt.

So notieren – wie der obige Chart zeigt – die wichtigsten Indizes wie etwa der amerikanische S&P 500 (SP500 2249.47 0.36%) (+7,9%), der FTSE 100 (+8,1%) in London und der MSCI-Schwellenländerindex (+6,2%) seit Jahresanfang solide im Plus.

Gewisse Barometer wie der Bovespa (Bovespa 60562.265 -1.39%) in Brasilien oder der russische Micex haben den Anlegern noch grössere Freude bereitet.

Zu den Schlusslichtern gehören der Nikkei 225 (Nikkei 225 18765.47 1.45%), die europäischen Indizes – aber auch der Swiss Market Index (SMI (SMI 7953.68 0.3%)). Mit einem Minus von satten 11% ist er auf Kurs, sein fünftschlechtestes Jahr zu realisieren.

Dem Franken kann diesmal nicht die Schuld gegeben werden – auch um die Währungseffekte korrigiert ist der SMI klar der schwächste Index. Negativ zu Buche schlägt diesmal vielmehr die Sektorzusammensetzung.

Seit die Zinsen seit Mitte Jahr weltweit steigen, sind Dividendentitel aus den Sektoren Gesundheit (Roche (ROG 220.4 -0.36%) und Novartis (NOVN 68.5 -0.36%)) und Basiskonsum (Nestlé (NESN 68.7 0.81%)) nicht mehr gefragt. Just sie haben im Schweizer Börsenbarometer ein besonders hohes Gewicht.

Ein positives Jahr für den SMI dürfte kaum mehr zu erreichen sein. Hoffen wir auf ein erfreulicheres 2017.