Momentum
10:47 - 22.07.16

Der Chart des Tages

1:0 für Aktien – der Renditevorsprung ist so gross wie noch nie.

Rote Karte für Schweizer Bundesobligationen – die Papiere sämtlicher Laufzeiten rentieren inzwischen negativ. Ganz anders die Dividendenrendite der Schweizer Aktien. Seit über einem Jahr strebt sie nach oben, obwohl in dieser Zeit auch die Kurse gestiegen sind. Mit anderen Worten: Die Ausschüttungen der Schweizer Publikumsgesellschaften steigen schneller als der Marktwert der Unternehmen – ein Zeichen, wie gut es ihnen geht und wie grosszügig sie die Aktionäre an ihrem Erfolg teilhaben lassen.

Seit dem Krisenjahr 2008 rentieren Aktien besser als Obligationen. So will es auch das Lehrbuch. Bundesanleihen sind mündelsicher, Aktien sind Risikopapiere und verdienen deshalb eine Prämie. Aber eine Renditedifferenz von fast vier Prozentpunkten zwischen der Dividendenrendite der im Swiss Performance Index (SPI (SXGE 8877.17 0.19%)) vertretenen Aktien und der Rendite zehnjähriger «Eidgenossen» ist aussergewöhnlich, wie die Grafik eindrücklich illustriert, ja historisch einmalig.

Die Kluft weitet sich tendenziell noch aus. Je mehr Liquidität die Notenbanken ins System pumpen und je stärker die Schweizerische Nationalbank unter Druck steht, unter den wachsenden politischen und weltwirtschaftlichen Unsicherheiten den Franken zu schwächen, umso mehr geht der Trend der Negativzinsen weiter.

Ein Rückgang der Dividenden zeichnet sich hingegen nicht ab, selbst wenn das Umfeld für viele Unternehmen härter geworden ist. Stichworte sind Chinaschwäche, Brexit und Frankenstärke. Das Schweizer-Aktien-Team der Bank Vontobel (VONN 43.8 0.69%) ist überzeugt: «Solide Bilanzen und unterdurchschnittlicher Investitionsaufwand lassen steigende Ausschüttungsquoten erwarten.» Und Vontobel ist mit dieser Meinung nicht allein. Die Fakten sprechen für eine weiterhin deutliche Mehrrendite am Schweizer Aktienmarkt und damit deutlich für Dividendenwerte vor Obligationen.

17:25 - 21.07.16

Hot Corner: Mars-tauglich

Die amerikanische Barnes Group kommt mit dem Kauf des Formengeschäfts von Adval Tech zu ihrem vierten Standort in der Schweiz.

Auf dem Mond waren sie, und letzthin gar auf dem Mars. Die Rede ist von Stahlfedern, hergestellt von der amerikanischen Barnes Group (NYSE: B, Kurs: 36.40 $, Marktkapitalisierung 1,95 Mrd. $). Federnproduktion war der Ursprung der 1857 gegründeten Gruppe, die vergangene Woche das Spritzgussformengeschäft von Adval Tech (ADVN 206 -0.48%) gekauft hat.

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Anfänglich stellte Barnes Federn für Uhren her, sowie Stahldraht für Reifröcke. Über die Zeit wurden die Anwendungen anspruchsvoller. Barnes-Federn schafften es 1969 in die Mondlandekapsel von Apollo 11 und 2012 ins Mars-Fahrzeug «Curiosity Rover». Mittlerweile haben sich die Tätigkeiten des noch immer von einem Herrn Barnes  – es ist derzeit Thomas O. Barnes aus der fünften Generation der Familie – präsidierten Unternehmens weiter ausgedehnt. Die Barnes-Familie hält heute allerdings unter 10% am Unternehmen.

Die Gruppe mit einem Jahresumsatz von knapp 1,2 Mrd. $ teilt sich in zwei Geschäftssparten – Aerospace mit einem Anteil von 35% des Umsatzes und einer Betriebsmarge von 15,9% sowie Industrial mit einem Anteil von 65% und einer Marge von 13,2%.

Schon vor dem Kauf des Adval-Tech-Geschäfts war Barnes mit drei Produktionsstätten in der Schweiz präsent. Bild: ZVG Adval Tech

Schon vor dem Kauf des Adval-Tech-Geschäfts war Barnes mit drei Produktionsstätten in der Schweiz präsent. 2006 kauften die Amerikaner den Feinstanzspezialisten Heinz Hänggi in Bettlach. Nachdem Barnes 2012 ins Spritzgussformengeschäft diversifiziert hatte, wurden unter anderem die deutsche Männer GmbH, die einen Produktionsstandort in Au SG unterhält, sowie die kleine Priamus in Schaffhausen übernommen, die beide über spezielles Spritzgusstechnik-Know-how verfügen.

Das Wachstum der gesamten Gruppe blieb in den vergangenen Jahren allerdings bescheiden, was das Unternehmen auf die flaue Weltkonjunktur zurückführt. Zudem ist die Vergleichbarkeit wegen der teilweisen Neuausrichtung beschränkt. Um sich den Einkauf in den Spritzgussformenmarkt zu finanzieren, wurden die Distributionsaktivitäten – die vor allem den Handel mit Schrauben und Befestigungstechnik umfassten – verkauft. Dies führte zu einer Steigerung der Marge, aber auch zu einer höheren Kapitalbindung.

Mittlerweile machen die Spritzgussformen mit 320 Mio. $ gut ein Viertel des Gruppenumsatzes aus, die Adval-Tech-Akquisition trägt weitere 75 Mio. $ bei und bringt Produktionsstätten in der Schweiz, Deutschland und China in den Barnes-Verbund ein.

Adval Techs Aktivitäten erzielen mit 13% allerdings eine deutlich geringere Ebitda-Marge als Barnes. Der US-Konzern weist 23% aus. Das zeigt, dass die Amerikaner das technisch gut aufgestellte Geschäft von Adval Tech zu einem günstigen Zeitpunkt kaufen.

Für 2016 geht Barnes von einem Gewinn pro Aktie zwischen 2.38 und 2.53 $ aus, woraus sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von moderaten 15 errechnet. Darin spiegelt sich das erwähnte flaue Wachstum der zurückliegenden Jahre. Doch haben die Aktien nach bald dreijährigem Seitwärtstrend an Reiz gewonnen, umso mehr, als das Unternehmen solide und umsichtig geführt wird und damit wenig Risiken aufweist.

11:49 - 21.07.16

Der Chart des Tages

Christoph Gisiger
Profis wappnen sich gegen Börsencrash.

An den Börsen in New York ist das Rekordfieber ausgebrochen. Der US-Leitindex S&P 500 erklimmt eine Bestmarke nach der anderen und ist am Mittwoch mit 2173,02 auf ein weiteres Allzeithoch gestiegen. Seit dem Tief nach der Brexit-Abstimmung ist er fast 9% vorgeprescht.

Auch in der Schweiz sind Aktien seither annähernd 8% avanciert, während die Gewinne in Deutschland und Japan sogar noch etwas stärker ausfielen.

Unter Finanzprofis gibt die Champagnerlaune jedoch Anlass zu erhöhter Vorsicht. Wie der obige Chart von Bank of America Merrill Lynch zeigt, hat ein Rekordanteil der globalen Fondsmanager Absicherungsinstrumente gekauft, um sich für eine scharfe Börsenkorrektur in den nächsten drei Monaten zu rüsten. Demgemäss investieren derzeit lediglich 20% der professionellen Investoren «ungeschützt».

Die Skepsis in der Investmentszene macht sich in einem weiteren Trend bemerkbar. Gemäss der Analyse von BofA Merrill Lynch sichern sich Fondsmanager auch immer mehr mit Bargeld ab. Im Schnitt beträgt der Cash-Bestand in ihren Portfolios mittlerweile fast 6%, was dem höchsten Anteil seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 entspricht.

09:43 - 20.07.16

Der Chart des Tages

Aktien gerne – aber ohne Risiko.

Aktien sind teuer und riskant. Aber es gibt kaum eine Alternative. Wer will schon Anleihen mit einer negativen Rendite kaufen. Und auch das Geld auf dem Konto könnte bald negativ verzinst werden.

Manche Anleger wollen in diesem Dilemma den Heiligen Gral gefunden haben: Aktien ohne Risiko. Das scheinen Indexfonds (ETF) zu versprechen, die einen Minimum-Volatilitäts-Index abbilden. Solch ein Index gewichtet typischerweise die am wenigsten schwankenden Aktien eines breiten Marktindex am höchsten.

Seit der Nervosität am Markt im August vergangenen Jahres (Stichwort: China-Panik) hat die Minimum-Volatilitäts-Auswahl des MSCI World eine gute Outperformance erbracht. Geholfen hat zuletzt auch der Brexit-Schock.

Hätte man Anfang 2015 investiert, wäre man nun 19% im Plus. Der MSCI World selbst dagegen kam auf ein Plus von mageren 3%. Und diese Überrendite wurde mit geringeren Kursschwankungen erreicht.

Tatsächlich gibt es akademische Studien, die langfristig eine bessere Performance von solchen Smart-Beta-Strategien aufzeigen. Dazu zählen neben den risikoarmen Aktien auch Dividendentitel, kleinkapitalisierte Aktien und Titel mit hohem Momentum.

Doch im Vergleich zur Vergangenheit scheint die jetzige Überrendite der Minimum-Volatilitäts-Strategie sehr übertrieben zu sein. Anleger fürchten sich vor Kursverlusten und zahlen daher gerne eine Prämie für Unternehmen mit hoher Qualität und geringen Schwankungen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Aktien mit höherem Risiko sind günstig zu haben.

Die Aussichten sind gemäss institutionellen Investoren trübe: Sie sehen tiefere Gewinne und schwächeres Wachstum. Sie meiden die Eurozone und halten viel Cash.

Fast 40% der Fondsmanager erwarten für die nächsten zwölf Monate, dass eine grosse Notenbank Helikoptergeld einsetzen wird. Darunter versteht man, dass eine Zentralbank direkt Geld verschenkt – beispielsweise den Staatshaushalt finanziert.

Gemäss der monatlichen Umfrage von Bank of America (BAC 14.38 0.77%) Merrill Lynch waren es im Juni noch deutlich weniger professionelle Anleger, die mit diesem extremen geldpolitischen Schritt rechneten.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Der Grund dafür ist, dass die Fondsmanager ihre Wachstumserwartungen zurückgeschraubt haben. Zum ersten Mal seit Anfang Jahr sind die institutionellen Investoren, die eine stärkere Weltkonjunktur erwarten, in der Minderheit.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Angesichts dieser Konjunktureinschätzung ist es wenig verwunderlich, dass ein Rekordanteil der Befragten die Staatsausgaben als zu gering erachtet. 44% der Fondsmanager sind dieser Ansicht.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Und auch das Momentum für die Erwartungen an die Unternehmensgewinne zeigt nach unten. Noch vergangenen Monat rechnete eine knappe Mehrheit der befragten Fondsmanager mit höheren Gewinnen. Das ist nun vorbei.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Daher ist es kein Wunder, dass riskante Anlagen wenig gefragt sind. Am liebsten halten die Fondsmanager Cash – deutlich mehr als im historischen Vergleich. Gemäss BofA Merrill Lynch halten die professionellen Investoren so viel Bares wie seit November 2001 nicht mehr.

Seit 2013 steigt der durchschnittliche Cash-Anteil in den Portfolios der Fondsmanager – nun beträgt er 5,8%.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Extrem unbeliebt sind wegen des Brexit-Entscheids das Pfund und britische Aktien im Vergleich zur historischen Allokation der Fondsmanager. Aber auch Aktien allgemein und die Eurozone werden gemieden.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Vergleicht man die Positionierung im Juni, kauften die Fondsmanager Aktien aus den USA. Auch Industrie- und Energietitel wurden aufgestockt.

Dagegen wurden Finanzvaloren – Banken und Versicherungen – abgebaut. Eurozonetitel wurden von Fondsmanagern diesen Monat massiv abgestossen.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Zum ersten Mal in vier Jahren ist nun die Mehrheit der Fondsmanager in Aktien der Eurozone untergewichtet (blaue Balken in der untenstehenden Grafik). Ein extremer Stimmungsumschwung: Noch Ende 2015 waren die allermeisten professionellen Anleger in der Eurozone übergewichtet.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Und auch die Banken sind so unbeliebt wie seit langem nicht mehr. Zuletzt im Jahr 2012 mieden so viele Fondsmanager die Aktien der globalen Finanzinstitute.

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch

Unter den Aktien halten die Fondsmanager nun lieber Schwellenländer. Die Stimmung für die dortigen Aktien hat sich seit Ende 2015 deutlich verbessert. Zum ersten Mal sind die professionellen Investoren in den Schwellenländern gegenüber ihrer Benchmark höher gewichtet als in den Industrieländern (USA, Eurozone und Japan).

zoomQuelle: BofA Merrill Lynch