Momentum
18:23 - 17.02.17

Eine aussergewöhnliche Goldrally

Gabriella Hunter
Der Edelmetallpreis hat an Schwung gewonnen. Der jüngste Anstieg zeigt ein historisch seltenes Muster.

Gold (Gold 1233.79 -0.18%) behauptet sich gegen den starken Dollar. Nach einer Verschnaufpause Ende 2016 hat die Edelmetallnotierung im laufenden Jahr bereits 7,6% auf gut 1240 $ je Unze gewonnen. Dies, obwohl sowohl die US-Währung als auch der S&P 500 (SP500 2351.16 0.17%) in den vergangenen zwei Wochen zugelegt haben.

Ein solches Muster ist in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Mal aufgetreten, im Februar 2010 sowie kurz im März 2013 (in der Grafik unten rot markiert). Was also steckt dahinter?

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Haupttreiber Inflation

Ein Grund für die synchrone Aufwärtsbewegung des Goldpreises und der Aktienkurse könnte die Inflation sein. Im Januar sind die Konsumentenpreise in den USA gemäss der Erhebung des US-Arbeitsministeriums annualisiert 2,5% gestiegen. Das ist der höchste Wert seit fünf Jahren. Die höhere Teuerung dürfte Anleger zu Goldkäufen animieren. Das Edelmetall gilt dank seiner Wertbeständigkeit als Absicherung im inflationären Umfeld.

Die Aktienkurse profitieren in der Regel ebenfalls von anziehenden Preisen, solange die Unternehmen die Preisveränderung an die Kunden weitergeben können. Höhere Preise sorgen damit regelmässig für höhere Unternehmensgewinne. Zudem deuten steigende Preise auf einen konjunkturellen Aufschwung hin, wie dies derzeit in den USA der Fall ist: Die Wirtschaft brummt, die Aussichten der Unternehmen haben sich verbessert, und die Arbeitslosigkeit liegt nahe der Vollbeschäftigung.

Grosse Unsicherheit scheint als Grund für das Interesse an Gold dagegen wenig plausibel. Denn die Börsenkurse steigen stetig, und die Börsen sind von tiefer Volatilität geprägt. Die Anleger scheinen trotz den Eskapaden des US-Präsidenten Donald Trump und den anstehenden Wahlen in Europa (noch) an den wirtschaftlichen Aufschwung zu glauben.

Dollar profitiert von Zinserwartungen

Und was ist mit dem Dollar? Nach volkswirtschaftlichen Prinzipien müsste sich die US-Währung gegenüber dem Ausland abwerten, wenn die Inflation anzieht. Denn wegen der höheren Preise werden amerikanische Produkte im Ausland teurer. Die Exporte sinken, dagegen wird mehr importiert. Es fliesst insgesamt weniger Kapital in die USA, was den Greenback schwächt.

Mit der Teuerung steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed), die einen zu schnellen Anstieg der Preise verhindern will. Vergangenen Mittwoch mahnte Fed-Chefin Janet Yellen, dass es nicht weise wäre, zu lange mit dem nächsten Zinsschritt zuzuwarten. Das befeuerte die Zinserwartungen. Diese Aussichten machen die US-Währung attraktiver, da Dollaranlagen eine höhere Rendite versprechen.

Gold scheint von einer Marktsituation zu profitieren, in der zwar die gute Konjunktur den Dollar und die Börsen stützt, gleichzeitig aber die Zinserwartungen noch tief genug sind, sodass das Edelmetall – das keine Rendite abwirft – weiterhin attraktiv bleibt.

Wie geht es weiter?

Eine Goldrally zum Jahresbeginn ist nicht untypisch. Im Gegenteil: Selbst im Rohstoffbärenmarkt zwischen 2013 und 2015, als das Edelmetall über das Gesamtjahr an Wert verlor, verteuerte es sich in den ersten Wochen des Jahres. Erst im März ging es jeweils nach unten.

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Das könnte dem Edelmetall auch dieses Jahr drohen. Denn überrascht das Fed, macht an seiner nächsten Sitzung im März bereits Ernst und erhöht den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75 bis 1%, dürfte das den Anstieg des Goldpreises dämpfen.

Doch es gibt auch noch ein positives Szenario für Gold. Die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Situation ist nicht ohne Risiken. Falls Trump sein geplantes Konjunkturprogramm mit tieferen Unternehmenssteuern und hohen Infrastrukturinvestitionen nicht wahrmacht, dürfte die Stimmung an den Finanzmärkten drehen.

Unsicherheit droht auch in Europa: In Frankreich, den Niederlanden und Deutschland greifen populistische Kräfte nach der Macht. In diesem Umfeld bietet Gold Stabilität und Absicherung.

09:23 - 17.02.17

Der Chart des Tages

Sandro Rosa
Pump it up, baby!

Jetzt wird gefeiert! Dass die Anleger in Festlaune sind, belegen diverse Umfragen. Doch die Marktteilnehmer bekunden ihren Optimismus nicht nur, sie handeln auch danach. Das zeigen Zahlen zu den sogenannten Margin Accounts, die es Spekulanten erlauben, ihre Börsengeschäfte zu hebeln – sprich: Aktien auf Pump zu kaufen.

Die gestiegene Verschuldung spiegelt sich in der Margin Debt, die mittlerweile mit 490 Mrd. $ – oder dem dritthöchsten je verzeichneten Stand – zu Buche schlägt. Auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ist der Wert eindrücklich.

Beunruhigend ist, dass einzig in zwei früheren Episoden ähnlich stolze Werte beobachtet wurden: in den Jahren 2000 und 2007 – also just vor den letzten beiden grossen Bärenmärkten.

Zwar ist das Margin-Debt-Volumen nicht zwingend ein geeigneter Timing-Indikator für eine drohende Trendwende. Sollten die US-Börsen aber in einen Abwärtstrend geraten, besteht die Gefahr, dass der hohe Fremdkapitaleinsatz den Kurszerfall beschleunigt.

09:17 - 16.02.17

Der Chart des Tages

Christoph Gisiger, New York
Also doch: US-Zinserhöhung im März wird zum Thema.

Bis vor Kurzem war der Fall für die meisten Investoren klar: Das Federal Reserve signalisiert für 2017 zwar drei Zinsschritte. Vor der Sitzung im Juni wird sich die US-Notenbank jedoch kaum bewegen.

Das hat sich am Mittwoch mit den neusten Daten zur Inflation geändert: Gemessen an den Konsumentenpreisen ist die Teuerung im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat auf 2,5% gesprungen – das höchste Niveau seit fünf Jahren.

An den Terminbörsen in Chicago, wo Futures-Kontrakte auf die künftige Entwicklung des US-Leitzinses gehandelt werden, sorgt das für Hektik.

Wie der obige Chart von Bianco Research zeigt, rechnen Händler neu mit einer Wahrscheinlichkeit von 42%, dass die US-Währungshüter bereits an ihrer nächsten Sitzung von Mitte März an der Zinsschraube drehen. Am Dienstag hatten sie die Chancen dafür auf nur rund 30% beziffert.

«Solange die Wahrscheinlichkeit weniger als 50% beträgt, gehen die Märkte noch nicht von einem Zinsschritt im März aus. Das könnte sich in den nächsten Wochen aber ändern, weshalb man diese Entwicklung im Auge haben muss», sagt Investmentspezialist Jim Bianco.

Bereits über 50% ist am Mittwoch die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung an der übernächsten Fed-Sitzung von Anfang Mai geklettert. Das heisst, eine weitere Straffung der Geldpolitik könnte damit bereits in der ersten Jahreshälfte kommen.

Natürlich können diese Werte wieder sinken. Bislang haben sich die Finanzmärkte darauf verlassen, dass es die US-Notenbank mit der Normalisierung der Geldpolitik gemütlich nimmt. Doch was, wenn die Währungshüter mit Blick auf steigende Inflationserwartungen plötzlich Angst kriegen, ins Hintertreffen zu geraten?

10:57 - 15.02.17

Der Chart des Tages

Sandro Rosa
Berkshire Hathaway 250'000.

An Wallstreet purzeln die Rekorde. Am 25. Januar nahm das älteste Börsenbarometer der Welt, der Dow Jones (Dow Jones 20624.05 0.02%) Industrial, erstmals die Hürde von 20’000 Punkten. Am Montag überstieg der Wert aller im US-Leitindex S&P 500 (SP500 2351.16 0.17%) enthaltenen Aktien erstmals die Grenze von 20 Bio. $.

Auch diverse Aktien erklimmen neue Höchst. So haben die Valoren der US-Investmentbank Goldman Sachs (GS 250.38 0.38%) gestern ihren alten Höchststand von 2007 übertroffen und ein neues Rekordhoch markiert.

Ebenfalls in den Rekordreigen eingereiht haben sich die Aktien der von Warren Buffett geführten Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Zum ersten Mal in der Geschichte kosten sie mehr als 250’000 $.

Damit gehören sie zu den mit Abstand schwersten Titeln weltweit. Wie ein Blick auf die rund 7200 Aktien des Datastream World Index – die alle in Dollar umgerechnet wurden – verrät, sind die Berkshire-Papiere doppelt so teuer wie die zweitplatzierten Valoren, die der slowakischen Tatra Banka.

Ebenfalls auf das Podest schafft es mit Lindt & Sprüngli (LISN 65050 1.02%) ein Schweizer Unternehmen. Umgerechnet kosten seine Aktien über 63’000 $. Unter den teuersten fünfzehn Werten befinden sich zwei weitere hiesige Gesellschaften: Edmond de Rothschild (Platz sechs) und Sika (SIK 5395 0%) (Platz vierzehn).

09:12 - 15.02.17

Hot Corner: Die Post bringt’s

Pascal Meisser
Die traditionelle Post leidet unter der Digitalisierung profitiert aber vom Onlineshopping-Boom und kann .

Zugegeben: Auf den ersten Blick spricht herzlich wenig dafür, in der heutigen Zeit als Anleger in eine traditionelle Postgesellschaft investieren zu wollen. Das trifft eigentlich auch auf die britische Royal Mail (London: RMG, Kurs 410.20 p; Börsenwert 4,1 Mrd. £) zu, die vor etwas mehr als drei Jahren mit viel Brimborium an die Börse gegangen ist.

Auf der einen Seite hat die Digitalisierung in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass immer mehr Post elektronisch statt physisch verschickt wird, andererseits hat die postbefördernde Konkurrenz deutlich zugenommen. Beides nagt sowohl am Volumen wie an den Margen des für die Post wichtigsten Geschäftsbereichs.

Wachstum dank Paketpost

Im Zuge dessen ist der Aktienkurs von Royal Mail auf eines der tiefsten Niveaus seit dem Börsengang zurückgefallen. Nur 2014 lagen die Notierungen kurzzeitig noch tiefer. Zuvor hatte die Begeisterung über die Privatisierung eines Staatsunternehmens den Kurs in die Höhe getrieben – seit Oktober 2013 liegt die Gesellschaft mehrheitlich in privaten Händen. Wenn ein Aktienkurs dramatisch fällt, stellt sich die Frage, ob der Rückgang übertrieben ist und sich deshalb ein Einstieg lohnen könnte – auch bei Royal Mail.

Dabei empfiehlt sich, die langfristigen Perspektiven zu analysieren. Es ist kaum anzunehmen, dass sich die Briefpost substanziell erholen wird. Das Wachstum von Postunternehmen findet in anderen Bereichen statt. Zum Beispiel bei der Paketpost: Der Boom im Onlineshopping mitsamt den vielen Retouren – Zalando (ZAL 37.15 -1.13%) sei Dank – befeuert die Zahl der Paketsendungen. Royal Mail muss es allerdings gelingen, sich gegen die Konkurrenten Amazon (AMZN 845.07 0.11%) und Deutsche Post (DPW 31.895 -0.28%) DHL Group durchzusetzen. Letztere hat ihre Präsenz mit der Ende 2016 vollzogenen Übernahme des kleineren Anbieters UK Mail verstärkt.

Hohe Dividendenrendite

Wer an den Erfolg von Royal Mail glaubt, findet derzeit ein attraktives Einstiegsniveau. Die Valoren sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2017 von 19 im Branchenvergleich vernünftig bewertet. Deutsche Post  DHL Group weist etwa ein KGV von 26 auf. Einzig die portugiesische CTT (CTT 5.097 0.51%) ist günstiger zu haben, allerdings bei zugleich schwächeren Wachstumsaussichten.

Allerdings müssen Anleger bei Royal Mail damit rechnen, dass sich das positive Szenario nicht umgehend einstellt. Die Drittquartalszahlen der über fünfhundert Jahre alten Institution wurden von den Anlegern als enttäuschend gewertet. Im Inlandgeschäft schwächelte das Brief- und Reklamegeschäft. Das Ergebnis wurde dank einer starken Entwicklung der Auslandtochter GLS ausgeglichen.

Auch der kurzfristige Ausblick vermochte die Investoren nicht zu besänftigen. Die Werbebranche geht davon aus, dass die Ausgaben für Reklamesendungen 2017 rückläufig sind. Allerdings werden die Anleger in der Zwischenzeit mit einer Dividendenrendite von rund 5% bei Laune gehalten.