Momentum
11:40 - 30.03.17

Der Chart des Tages

Clifford Padevit
Normalisierung der Zinsen?

Steigende Zinsen gut und recht.

Aber das heisst noch lange nicht, dass alle Staatsanleihen mit einer positiven Rendite auf Verfall gehandelt werden.

Das zeigt allein schon die Zinskurve in der Schweiz, die die Marktzinsen für verschiedene Laufzeiten abbildet. Bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren ist sie immer noch negativ. Auch die deutschen und die französischen Zinskurven sind bis ungefähr ins Jahr acht negativ.

Und so zeigt eine Auswertung von Analysten der US-Bank J.P. Morgan, dass das Volumen negativ verzinster Bonds seit vergangenem Juli zwar gesunken ist. Aber auf dem jetzigen Stand umfasst es noch immer 6300 Mrd. $.

Das ist immer noch etwa gleich viel wie vor einem Jahr.

Normalisierung der Zinsen? Das dauert noch Jahre.

10:25 - 29.03.17

Der Chart des Tages

Peter Rohner
Der wahre Treiber der Hausse.

Seit dem Wahlsieg von Donald Trump sind die Weltaktienmärkte 10% gestiegen. Deshalb ist in der Finanzpresse oft von der Trump-Rally die Rede.

Doch die aktuelle Börsenrally hat nicht erst im November letzten Jahres angefangen, sondern vor etwas mehr als einem Jahr. Und der wahre Treiber war nicht Trump mit seinen Stimuli-Versprechen, sondern China.

Denn dort hat sich die Konjunktur stabilisiert. Die Angst vor einer weiteren Abkühlung der zweitgrössten Volkswirtschaft hat sich im Verlaufe des vergangenen Jahres gelegt.

Das zeigt die obige Grafik mit den Google-Suchanfragen für «China Slowdown», die Wachstumsverlangsamung in China. Seit Anfang 2016 hat sich die Zahl der Suchanfragen für dieses Thema um 90% reduziert.

Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes zeigen nach oben, die Kreditvergabe hat angezogen, und jüngst haben der Kapitalabfluss und der Abwertungsdruck auf den Yuan nachgelassen. Das beruhigt die Anleger weltweit.

Die Anzeichen einer Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft hatten 2015 und Anfang 2016 die Finanzmärkte aufgeschreckt. Selbst eine globale Rezession hielten viele Investoren für möglich. Von solchen Szenarien haben sich die Märkte längst verabschiedet.

Doch die Erholung in China ist nicht nachhaltig und fusst auf einer im letzten Jahr gelockerten Geld- und Fiskalpolitik. Der Effekt dieser Stimuli dürfte bald nachlassen, gleichzeitig türmt sich im Hintergrund ein immer höherer Schuldenberg auf. Früher oder später werden deshalb die Sorgen um China die Aktienkurse belasten, und auch die Google-Anfragen zum Thema werden in die Höhe schnellen.

10:39 - 28.03.17

Der Chart des Tages

Frank Heiniger
Wachsende Zweifel an Trumps Steuerreform.

Politik ist ein komplexes Geschäft. Das dürfte inzwischen auch Donald Trump begriffen haben. Nach dem gescheiterten Versuch, Obamacare zu kippen, will sich der amerikanische Präsident nun die Steuerreform vornehmen.

Zwar sind laut Finanzminister Steven Mnuchin die Steuerpläne deutlich einfacher umzusetzen als die Gesundheitsreform. Die Zweifel an einer raschen Realisierung sind mit den jüngsten Misserfolgen allerdings gestiegen.

Das zeigt die relative Kursentwicklung eines von Goldman Sachs zusammengestellten Aktienkorbs aus rund fünfzig US-Unternehmen, die wegen ihrer hohen Steuerbelastung überproportional von der Reform profitieren würden. Dazu gehören etwa die Modekette Gap, der Energiekonzern ConocoPhillips sowie die Fluggesellschaft Southwest Airlines.

In den ersten Wochen nach Trumps Wahlsieg (Election Day) liessen die Valoren den S&P 500 deutlich hinter sich zurück. Inzwischen haben sie die Gewinne jedoch komplett preisgegeben.

11:06 - 27.03.17

Der Chart des Tages

Andreas Neinhaus
Eine Mauer, die Roboter abhält, gibt es nicht.

Bei der Umsetzung von zwei zentralen Wahlkampfversprechen ist Donald Trump bereits ins Straucheln geraten. Sein Einreiseverbot für Muslime wird regelmässig von US-Richtern gestoppt, und letzte Woche scheiterten die US-Republikaner sogar in ihrem Vorhaben, Obamacare, die verhasste obligatorische US-Krankenversicherung, abzuschaffen. Welches Schicksal blüht nun dem dritten Schlachtross des US-Präsidenten: dem Mauerbau entlang der Grenze zu Mexiko?

Die Ökonomen von Bank of America (BAC 23.87 2.23%) ML halten das Projekt ökonomisch für sinnlos und unterstreichen ihr Argument mit dem abgebildeten Chart. Er zeigt das unaufhaltsame Fortschreiten der Robotisierung in der industriellen Fertigung. Die Zahl der weltweit eingesetzten Industrieroboter wird nächstes Jahr 2,4 Mio. Einheiten betragen (Balken, rechte Skala). Sie hat sich damit in wenigen Jahren mehr als verdoppelt.

Gleichzeitig gingen Millionen an Arbeitsplätzen in der amerikanischen Industrie verloren (blaue Linie, linke Skala). Ein guter Teil davon ist der Robotisierung der Fertigungsprozesse zuzuschreiben. Ihre zerstörerische Kraft am US-Arbeitsmarkt wiege schwerer als billige Arbeitskräfte aus dem Süden, argumentieren die Bankökonomen.

Aber eine Mauer, die Roboter abhalte, könne nicht gebaut werden. Es sei denn, man beginne ernsthaft darüber nachzudenken, Roboter zu besteuern statt Arbeit.

11:00 - 27.03.17

Hot Corner: Küchenhelfer

Christoph Gisiger
Die Roboter kommen. Im Einsatz sind die Maschinen immer öfter auch für US-Schnellimbissketten wie McDonald’s, Burger King oder Taco Bell, die ihre Effizienz durch Automatisierung steigern.

Dank dem technologischen Fortschritt lassen sich Hamburger übers Mobiltelefon vorbestellen, die Fritteuse signalisiert, wenn sie mehr Pommes braucht, und der Kühlschrank führt Buch, welche Lebensmittel bald ihr Ablaufdatum überschreiten. Hinzu kommt, dass in vielen Bundesstaaten der Mindestlohn steigt, was die smarten Helfer in der Küche rentabler macht.

Etwas für jeden Geschmack

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Von diesem Trend profitiert Welbilt (WBT 19.59 0.72%) (Nyse: WBT, Eröffnungskurs am Freitag 19.10 $, Börsenwert 2,7 Mrd. $). Das Unternehmen aus Tampa mit 5500 Mitarbeitenden ist ein Branchenleader, wenn es um innovatives Equipment in professionellen Küchen geht. Die Produktpalette reicht von Eiswürfelmaschinen und begehbaren Gefrierschränken über Getränkespender bis hin zu multifunktionalen Backöfen und Grillautomaten. Zu den Endkunden zählen praktisch alle grossen Restaurantkonzerne Nordamerikas, wo rund drei Viertel der Einnahmen erwirtschaftet werden.

CEO Hubertus Mühlhäuser bezeichnet Welbilt als «Rohdiamanten», den er zum Brillanten schleifen will. Wichtige Schritte zur Neuausrichtung sind gemacht. Das Unternehmen zählte zur Manitowoc-Gruppe, deren historische Wurzeln in den Schiffsbau zurückreichen und die später in die Herstellung von Kränen sowie Küchengeräten diversifizierte. 2014 erregte sie die Aufmerksamkeit von Carl Icahn. Der unzimperliche Investor forderte die Abspaltung des Küchengeschäfts, das vor einem Jahr als separate Gesellschaft an die Börse ging.

Margenstory à la Icahn

Icahn und zwei weitere Aktionärsaktivisten – Abrams Capital und Kensico Capital – kontrollieren 26% der Aktien. Für das operative Geschäft haben sie im Sommer 2015 Mühlhäuser an Bord geholt. Der Deutsche mit Schweizerpass arbeitete über zehn Jahre beim Unternehmensberater Arthur D. Little und wechselte dann zum Landmaschinenhersteller AGCO. Seit seinem Antritt als CEO hat er Betriebsabläufe vereinfacht und die Profitabilität verbessert. Gemessen am operativen Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) ist die Marge letztes Jahr 3 Prozentpunkte gestiegen und soll 2017 weiter auf rund 20% zunehmen.

Die Entwicklung der Marge wird für den Aktienkurs entscheidend sein. Sie beläuft sich im Branchenschnitt auf rund 25%, womit Welbilt noch einiges Aufholpotenzial hat. Das regt die Fantasie an der Börse an, sind die Titel in den letzten zwölf Monaten doch gut 35% avanciert. Analysten prognostizieren für dieses Jahr gut 1,4  Mrd. $ Umsatz und 72 Cent Gewinn pro Aktie. Das ergibt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26, was im Vergleich zur Konkurrenz nicht übermässig teuer ist. Ein Auge sollten Investoren aber auf die mit 1,3 Mrd.  $ relativ hohe Verschuldung haben.