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Auf Dividenden ist meist Verlass
Man spricht von der weiterhin stetig wachsenden Ausschüttungskraft grosser Schweizer Unternehmen
Manfred Rösch
Der Dividendenausfall von BP trifft viele vornehmlich angelsächsische Institutionelle hart. Die Papiere des Erdölkonzerns haben wegen der Katastrophe im Golf von Mexiko als Dividenden-Klassiker einstweilen ausgespielt. Besonders Pensionskassen, die laufend ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen müssen, sind auf berechenbaren Cashflow aus Dividenden angewiesen. Anleger, auch private, achten nicht allein auf eine hohe Rendite (ohnehin eine relative Grösse), und ein definiertes Zielband für die Ausschüttung – beispielsweise ein Drittel des Gewinns – nützt als Messwert wenig, denn der Gewinn kann schwanken. Handfest hilfreich ist vielmehr Regelmässigkeit und Haltbarkeit der Ausschüttung, vorzugsweise eine möglichst stetige Steigerung.
Nestlé, Novartis, Roche
Die Dominanz defensiver Werte unter den Schweizer Bluechips vermittelt den Anlegern in dieser Hinsicht hohe Verlässlichkeit. Roche hat per 2009 zum 23. Mal in Folge die Ausschüttung erhöht, Novartis geht seit der Fusion der Vorgängergesellschaften 1997 auch Jahr für Jahr voran. Nestlé wie Roche zahlen seit bald neunzig Jahren ununterbrochen Dividende. Anleger können getrost weiterhin auf die grossen Drei im Swiss Market Index oder, wie in der Tabelle nebenan aufgeführt, im Swiss Leader Index setzen: Sie dürften für das Jahr 2010 mehr ausschütten als für 2009.
Sollten Nestlé, Novartis oder Roche jemals die Ausschüttung unverändert belassen, würde das am Aktienmarkt für hochgezogene Augenbrauen sorgen, sofern sich ein solcher Schritt nicht mit dem Finanzbedarf für eine ganz grosse Akquisition wirklich überzeugend begründen liesse. Selbst wenn ein grosser Deal zu bezahlen wäre, dürfte das Management von Gesellschaften dieses Kalibers jedoch darauf bedacht sein, den Ruf des Unternehmens als Dividendenzahler mit stabilem Aufwärtstrend nicht zu beschädigen. Die Novartis-Aktionäre etwa sollen nicht darunter zu leiden haben, dass Alcon gekauft wird; sie werden ja nicht einmal um eine Kapitalerhöhung angegangen.
Der Sektor Gesundheit im SLI hat 2005 bis 2009 kumuliert 38,7 Mrd. Fr. ausgeschüttet; in diesem Zeitraum ist die Auszahlung ununterbrochen gestiegen, von 5 auf 10,4 Mrd. Fr. Der Sektor Konsumgüter, geprägt von Nestlé, hat sich von 4,6 auf 6 Mrd. Fr. gesteigert und summiert 26,8 Mrd. Fr. abgeliefert.
Ausfälle kann es anderswo sehr wohl geben – im Tableau der gewichtigen hiesigen Dividendenzahler aufgrund schmerzhafter jüngerer Erfahrungen namentlich im Finanzsektor. Die UBS bezahlte pro 2006 mit 4,6 Mrd. Fr. noch am meisten Dividendensumme aller SLI-Gesellschaften. Tempi passati – auch für 2010 wie voraussichtlich für 2011 ist nichts zu erwarten; die Bank muss Eigenkapital aufbauen. Die Credit Suisse Group ist mit ihrem Betreffnis für 2009 annährend auf dem Niveau, das sie bis 2007 gehalten hatte; für 2008 wurde bloss ein vergleichsweise symbolischer Betrag entrichtet, aber immerhin liess sich so die Dividendenhistorie pflegen. Ähnlich liegen die Dinge im Fall von Swiss Re, deren Ausschüttung seit 2005 betrachtet erratisch wirkt. Für 2008 zahlte die «Rück» nur marginal, aber der Makel, erstmals seit 1869 gar nichts zu verteilen, liess sich vermeiden.
Zurich FS hat in diesem Frühjahr mit der markanten Erhöhung der Dividende von 11 auf 16 Fr. ein Zeichen gesetzt. Offenbar soll das Profil der Aktien als Renditeperlen (derzeit über 6%) geschärft werden. Zurich FS ist jedoch noch nicht die «Dividenden-Bonität» der Kategorie Nestlé/Novartis/Roche zuzubilligen.
Swisscom wird erhöhen
Zu den zuverlässigen Dividendenzahlern gehört Swisscom. Für 2010 darf mit einer Erhöhung gerechnet werden, von 20 Fr. auf möglicherweise 21 oder 22 Fr. (vgl. FuW Nr. 52 vom 7. Juli). ABB, nach Sanierung und längerem Unterbruch erst seit 2005 wieder ausschüttungsfähig, hat sich ebenfalls bereits in dieser Kategorie etabliert. Zu gefallen wissen auch, um einige Beispiele herauszugreifen, Syngenta, Geberit (von 2005 bis 2009 Ausschüttung konstant von 104 auf 251 Mio. Fr. gesteigert), Givaudan und neuerdings auch Synthes; einst eher knausrig, hat der Medtech-Konzern per 2009 die Dividende erhöht und kann locker noch weiter gehen.
Langfristig lässt sich im Vergleich aller Anlageklassen die beste Gesamtrendite erzielen, wenn in Aktien investiert wird und die eingehenden Dividenden fortlaufend reinvestiert werden. Dividenden bleiben über lange Zeiträume insgesamt stabil, selbst in Rezessionsphasen. Zurzeit schlägt die durchschnittliche direkte Rendite den Zins der «Eidgenossen». Klarer Fall: Sichere Dividendenpapiere gehören zum Kern eines Depots.

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