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Euphorie nach UBS-Zahlen

Zahlen fürs zweite Quartal übertreffen die Erwartungen – Vorsichtige Haltung zahlt sich aus


 

Thomas Wyss

 

Die UBS überrascht und überzeugt mit den Zahlen für das zweite Quartal. Die Schätzungen von Analysten wurden übertroffen, und die Aktien gewannen am Dienstag mehr als der Branchendurchschnitt. Die Zahlen wurden zwar durch buchhalterische Faktoren aufpoliert. Dass die Grossbank die Wende zum Besseren geschafft hat, ist jedoch unübersehbar. Einziger Wermutstropfen ist die Ankündigung, mit Blick auf die Eigenkapitalanforderungen der Aufsicht könne mindestens im laufenden Jahr keine Dividende ausgeschüttet werden.


Turnaround bestätigt

Analysten hatten im Vorfeld der Resultatspräsentation geschätzt, UBS werde für das zweite Quartal ein Konzernergebnis von zwischen 850 Mio. und 1,5 Mrd. Fr. ausweisen, nachdem im ersten Quartal 2,2 Mrd. Fr. erzielt wurden. Tatsächlich beträgt der Gewinn nun 2 Mrd. Fr.


Das gute Resultat ist vorab auf das Investment Banking zurückzuführen, das sich weit besser entwickelte, als nach den Zahlen der Konkurrenz erwartet werden konnte. Nach 1,2 Mrd. Fr. im ersten Quartal war am Markt mit einem Gewinnbeitrag von 400 Mio. bis 950 Mio. Fr. gerechnet worden. Ausgewiesen werden nun 1,3 Mrd. Fr., was auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen ist. Im eigentlichen Investment Banking fiel der Gewinn 21%. Im Aktienhandel wurde ein Plus von 9% verzeichnet.


Für den Bereich festverzinsliche Wertpapiere, Währungen und Rohstoffe wird zwar ein Rückgang von 10% ausgewiesen, weit weniger als vermutet. Das Währungsgeschäft gab Impulse. Dank einer defensiven Positionierung im Mai konnten die Verluste auf den Handelsbüchern begrenzt werden. Fair-Value-Gewinne auf eigenen Krediten brachten ein Plus von 595 Mio. Fr. (nach minus 247 Mio. im ersten Quartal).


In der Vermögensverwaltung wurden die Erwartungen ebenfalls übertroffen. Die Bruttomarge stieg von 93 auf 95 Basispunkte, obwohl der Aufwand als Folge der britischen Bonussteuer und von Lohnerhöhungen 2% stieg. Auf Gruppenebene reduzierten sich die verwalteten Vermögen im ersten Quartal 4% auf 2180 Mrd. Fr. Der Rückgang war in erster Linie eine Folge der Marktentwicklung.


Was den Neugeldzufluss betrifft, so ergibt sich ein durchwachsenes Bild. In der internationalen Vermögensverwaltung wird der Nettoneugeldabfluss mit 5,2 Mrd. Fr. (nach einem Rückgang von 8 Mrd. im ersten Quartal) beziffert. Einer negativen Entwicklung im grenzüberschreitenden Geschäft in Europa stehen Nettozuflüsse in Asien und im Bereich der reichsten Kunden im europäischen Onshore-Geschäft gegenüber. Im Schweizer Geschäft nahmen die Abflüsse 200 auf 300 Mio. Fr. zu. Im amerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäft wurden die Abflüsse von 7,2 auf 2,6 Mrd. Fr. reduziert.


Im Asset Management hat der Trend gekehrt. Institutionelle Investoren sorgten dafür, dass neue Gelder im Umfang von 3,4 Mrd. Fr. zuflossen (nach Abflüssen von 2,6 Mrd. im ersten Quartal).


Nur für Optimisten

Dass die UBS-Aktien am Dienstag deutlich höher bewertet wurden, hat allerdings nicht einzig mit diesem Zahlenkranz zu tun. Die am Vorabend veröffentlichten Neuigkeiten zu Basel III scheinen ebenfalls nach dem Gusto der Investoren zu sein. Die jüngsten Kurssteigerungen zeigen, dass der Sektor nun mindestens von einem Teil der Investoren wieder positiver beurteilt wird.


Neuengagements eingehen werden derzeit allerdings einzig Anleger, die von einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft und einer entsprechenden Entwicklung an den Aktienmärkten ausgehen. Wer eine düstere Vision der Dinge hat, lässt besser die Finger von Grossbanken, auch wenn sich nun für die UBS höhere Gewinnschätzungen aufdrängen.


Wir erhöhen die Gewinnschätzung von 1.60 auf 1.80 Fr. je Aktie, womit sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 errechnet. Damit sind UBS teurer als Credit Suisse Group (KGV von 9). Gleichzeitig gehen wird nach den jüngsten Aussagen von Konzernchef Oswald Grübel und Finanzchef John Cryan davon aus, dass UBS mindestens für das laufende und vielleicht auch für das nächste Jahr keine Dividende ausschütten wird.