Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 12’000

Die Schweizer Börse gibt deutlich nach. Nachrichten aus China belasten. Wallstreet handelt uneinheitlich. Der Ölpreis zieht stark an.

(AWP/SPU) An der Schweizer Aktienbörse haben die Kurse am Mittwoch deutlich nachgegeben. Bei Eröffnung stand der Leitindex SMI (SMI 11'485.58 -1.76%) noch unverändert, im frühen Handel drehte er ins Minus und weitet seine Abgaben kontinuierlich aus. Die Marke von 12’000 fiel am späten Nachmittag. Der SMI unterbrach somit die zaghafte Erholung der letzten beiden Tage, die auf einen satten Einbruch in der Vorwoche folgte. Der Hauptgrund für die Abgaben waren die neusten Konjunkturdaten aus China, die Wachstumssorgen ausgelöst haben. Im August litt vor allem der Detailhandel unter den in einigen Regionen des Landes strikten Massnahmen, um die Deltavariante des Coronavirus in den Griff zu bekommen. Aber auch die Industrieproduktion und die Sachinvestitionen enttäuschten wie schon im Vormonat.

Eine Belastung waren zudem die US-Inflationszahlen vom Vortag, die nur auf den ersten Blick positiv aussahen und zudem keine klare Tendenz für die anstehende US-Notenbanksitzung gaben. Angesichts der Unsicherheit würden nun viele Investoren Vorsicht walten lassen oder sogar Gewinne realisieren, hiess es am Markt. Diese Phase könnte bis nächsten Mittwoch andauern, wenn das Fed seine Entscheide bekanntgibt.

Die Aktienmärkte in den USA zeigten sich unentschlossen. Die drei grossen Wallstreet-Indizes tendierten bei Börsenschluss in Europa in unterschiedliche Richtungen. Der S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) drehte ins Plus und legt 0,2% zu. Der Dow Jones (Dow Jones 34'360.24 -1.46%) avancierte 0,3% ab. Der Nasdaq Composite verlor 0,1%.

Luxusgüteraktien stark unter Druck

Die deutlichsten Abgaben bei den Blue Chips erlitten Richemont (CFR 96.76 -2.42%), und auch Swatch Group (UHR 246.50 -3.48%) reihten sich bei den grössten Verlierern ein. Die aktuellen Makrozahlen aus China, das für beide Luxusgüterhersteller ein Schlüsselmarkt ist, bereiteten Sorgen, hiess es am Markt. Schon am Vortag hatten die beiden Papiere zu den grössten Verlierern gezählt.

Keine Unterstützung gaben die drei Schwergewichte. Roche (ROG 332.60 -1.47%) gaben einen schönen Teil der Vortagesgewinne nach positiv aufgenommenen News vom Investorentag ab. Novartis (NOVN 76.12 -0.7%) und Nestlé (NESN 109.96 -1.38%) verloren ebenfalls. Nestlé konnten somit nicht von einer Kurszielerhöhung und einer bestätigten «Buy»-Empfehlung von Goldman Sachs (GS 390.78 -2.26%) profitieren.

Daneben büssten Credit Suisse (CSGN 9.32 -1.08%) nach einer Kurszielsenkung durch Goldman Sachs deutlich ein. Der Analyst reduzierte wegen Archegos seine Gewinnschätzungen für das laufende Jahr massiv. Auf der anderen Seite profitierten UBS (UBSG 14.85 -0.37%) von einer Kurszielerhöhung durch dasselbe Institut. Ausserdem konnten die Aktien des Augenheilspezialisten Alcon (ALC 75.60 -2.15%) zulegen.

K+N gesucht – Tech-Werte schwach

Im SMIM (SMIM 3'288.97 -2.83%) gaben ebenfalls fast alle Werte nach. Adecco (ADEN 47.83 -1.12%) verloren nach den Details zur Finanzierung der Akka-Übernahme.

Die deutlichsten Gewinne verbuchetn auf der anderen Seite Kühne + Nagel (KNIN 325.00 -3.1%). Die Titel hatten schon am Vortag zugelegt und sind generell die Überflieger im laufenden Jahr. Mit Gewinnen von über 70% führen sie und Straumann (STMN 1'697.50 -4.26%) die SLI-Rangliste 2021 mit klarem Vorsprung an.

Gut hielten sich erneut Sonova (SOON 353.00 -2.78%), die damit ein neuerliches Rekordhoch setzten. Und das Ende der Fahnenstange ist laut Händlern noch nicht erreicht. Denn Analysten äussertn sich durchweg positiv zum Investorentag vom Vortag. Und auch die Charttechnik spreche für einen weiteren Anstieg.

Unter Druck waren im Einklang mit der gesamteuropäischen Entwicklung aber auch Technologieaktien. So gaben Temenos (TEMN 128.60 -3.05%), AMS und Logitech (LOGN 83.42 -7.25%) überdurchschnittlich nach. Auch hier dürften «China-Ängste» eine Rolle spielen.

Die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 52.44 +0.38%) fielen negativ auf, was ebenfalls mit den China-Daten erklärt wurde. Hingegen stemmten sich mit Flughafen Zürich (FHZN 168.30 -3.11%) andere reisenahe Aktien gegen den Abwärtsdruck.

Auch Cembra (CMBN 63.70 -2.23%) Money Bank waren erneut bei den Verlierern anzutreffen. Die Migros-Kündigung habe bei vielen Investoren grundsätzliche Zweifel am Geschäftsmodell geweckt, meinten Händler.

Helvetia (HELN 102.50 -0.49%) verloren trotz eines verbesserten Kreditratings.

News waren zur Wochenmitte am breiten Markt eher rar. Dort wurden Lalique (LLQ 35.60 0%) nach Vorlage von Halbjahreszahlen gut nachgefragt.

Die Aktien der Industriegruppe CPH (CPHN 71.20 -0.56%) profitierten von einer Präsentation auf der Investorenmesse Investora.

ObsEva (OBSV 3.00 +1.01%) drehten trotz positiver Nachrichten ins Minus. S0 hatte das Biotech-Unternehmen über Fortschritte bei Zulassungsanträgen berichtet.

Asiens Börsen mehrheitlich schwächer

Zurückhaltung ist an den asiatischen Börsen spürbar. Die Industrieproduktion der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft China wuchs im August so schwach wie seit Juli 2020 nicht mehr. Ein Grund waren die hohen Rohstoffkosten. Der Shanghai Composite verliert 0,4%, der Shenzhen liegt 0,7% im Minus. In Hongkong büsst der Hang Seng 1,6% ein. Ähnlich gestaltet sich das Bild in Japan, wo der Nikkei 225 0,4% und der breiter gefasste Topix 1,1% abgibt. Positiver ist der Markt in Südkorea: Der Kospi rückt 0,3% vor.

Dollar fiel unter 92 Rp.

Der Euro hielt sich am Mittwoch zum Dollar über der Marke von 1.18 $. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.1818 $ und damit etwas mehr als am späten Vorabend. Zum Franken holte der Euro zwischenzeitliche Verluste auf und stabilisierte sich mit einem Kurs von 1.0867 Fr. relativ deutlich über der 1.08-Marke. Der Dollar rutschte wieder unter 92 Rappen und notierte um 17.30 Uhr MESZ bei 0.9193 Fr.

Ölpreis klar fester

Der Ölpreis stieg am Mittwoch massiv. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 78.82 -0.68%) 76 $ und erreichte den höchsten Stands seit Anfang August. In den USA waren die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche stärker als erwartet gefallen. Die Vorräte sanken im Vergleich zur Vorwoche um 6,4 Mio. Barrel auf 417,4 Mio. Barrel, wie das US-Energieministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um 3,6 Mio. Barrel gerechnet.

Gold (Gold 1'735.12 -0.86%) verlor und rutsche wieder unter 1800 $. Das Edelmetall kostete am Abend 1794 $ pro Feinunze.

Bitcoin (Bitcoin 41'605.80 -1.8%) tendierte erst im späten Handel aufwärts und lag bei rund 48’000 $.

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