Märkte / Aktien

SMI schliesst freundlich

Nach einem eher verhaltenem Start in den letzten Handelstag der Woche geht der Schweizer Aktienmarkt freundlich ins Wochenende.

(AWP) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag erneut zugelegt und kann auf eine insgesamt erfreuliche Börsenwoche zurückblicken. Die Anleger zeigten sich dank der Hoffnung auf eine erfolgreiche Quartals-Berichtssaison und guter Konjunkturdaten aus den USA wieder klar risikofreudiger. Zudem stieg die Zuversicht, dass die Risiken aus der Pleite der chinesischen Evergrande (3333 0.21 +6.99%) eingedämmt werden können.

Positiv aufgenommen wurde an den Aktienmärkten am Freitag vor allem ein Anstieg der US-Detailhandelsumsätze im September – erwartet worden war ein Rückgang. «Die US-Wirtschaft zeigt sich also nach wie vor robust», meinte ein Ökonom. Ob nun die Korrekturphase der vergangenen Wochen bereits abgeschlossen ist, muss sich allerdings noch weisen. Angesichts der anhaltenden Debatte rund um den Inflationsschub und die Gefahren für die Weltkonjunktur sei eine Verlagerung des Interesses auf die Quartalsberichterstattung aber wohl zu begrüssen, hiess es.

Der SMI (SMI 12'627.62 +0.24%) schloss den Handelstag mit einem Plus von 0,58% auf 11’961,34 Zähler. Innert Wochenfrist resultierte damit ein Plus um 1,7% für den Leitindex. Der SLI, in dem die Gewichtung der einzelnen Titel gekappt ist, stieg am Freitag 0,36% auf 1934,35 und der breite SPI (SXGE 16'121.31 +0.21%) rückte um 0,49%  auf 15’436,66 Punkte vor. Von den 30 grösstkapitalisierten Werten schlossen 23 im Plus und sieben im Minus.

Im Fokus standen am Schweizer Markt am Freitag vor allem die Temenos-Aktien, die nach ungnädig aufgenommenen Quartalszahlen absackten. Der Hersteller von Bankensoftware blieb im dritten Jahresviertel beim Umsatz und dem Gewinn pro Aktie leicht hinter den Erwartungen. Kritisiert wurden einmal mehr aber auch hohe aktienbasierte Lohnbestandteile des Managements. Die Analysten von Goldman Sachs (GS 397.32 -0.7%) und UBS (UBSG 16.58 -0.36%) bekräftigten ihr Rating «Sell», während etwa die CS-Experten («Neutral») die negative Kursreaktion als übertrieben erachteten.

Gezogen wurde der Schweizer Markt von starken Finanzwerten. So machten bei den Grossbankenaktien vor allem Credit Suisse (CSGN 8.96 -1.1%) weiter Boden gut, aber auch UBS zogen erneut an. Unterstützung kam aus den USA: Die Investmentbank Goldman Sachs legte am Berichtstag ein starkes Resultat vor, nicht zuletzt dank glänzender Geschäfte mit Fusionen und Börsengängen.

Klare Gewinne erzielten auch die Versicherungstitel Swiss Life (SLHN 550.60 +0.44%), Swiss Re (SREN 89.16 -0.09%), während Zurich etwas zurückblieben. Zuletzt hatten vor allem höhere Anleihenrenditen Anleger in die Finanzaktien gelockt.

Avancen gab es zudem für typische Zykliker wie die Aktien des Chipherstellers AMS oder des Luxusgüterkonzerns Richemont (CFR 144.90 +0.49%). Vor allem die Richemont-Titel profitierten erneut von der Hoffnung auf eine Normalisierung der Handelsbeziehungen der USA mit China sowie von einem kürzlich vorgelegten guten Ergebnis des Konkurrenten LVMH (MC 716.00 -1.09%), hiess es. Im Wochenvergleich legte das Richemont-Papier fast 10% zu.

Bei den SMI-Schwergewichten legten Nestlé (NESN 124.18 +0.31%) unter dem Marktschnitt zu. Stärkere Avancen gab es für die Pharma-Schwergewichte Roche (ROG 372.70 -0.05%) sowie Novartis (NOVN 75.18 +0.48%). Beide Pharmakonzerne hatten positive Produktenachrichten vorlegen können.

Zu den Tagesverlierern unter den Bluechips neben Temenos (TEMN 125.25 +2.37%) gehörten die Titel des Computerzubehör-Herstellers Logitech (LOGN 76.08 +0.82%). Die Titel wurden laut Händlern durch eine Umsatzwarnung des US-Gaming-Herstellers Corsair belastet – Logitech verkauft unter anderem auch Zubehör für PC-Gamer.

Mit deutlichen Abschlägen gingen auch die stark gelaufenen Aktien des Logistikkonzerns Kühne+Nagel aus dem Handel. Am Markt wurde auf einen eher vorsichtigen Artikel der Financial Times zur Situation im Seefrachtgeschäft verwiesen.

Am breiten Markt schlossen Gurit (GUR 1'468.00 -1.48%) klar im Minus. Der Spezialkunststoffhersteller verfehlte mit seinen Angaben zu den ersten neun Monaten die Erwartungen der Analysten klar.

Nur leicht im Plus schlossen die Aktien des Vakuumventilherstellers VAT trotz starken Neunmonatszahlen. Die Papiere zählen allerdings im laufenden Jahr zu den «Highflyern» an der Börse. Gut kamen die Umsatz- und Auftragszahlen des Blechbearbeiters Bystronic (BYS 1'336.00 +0.6%) an.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise sind am Freitag weiter gestiegen. Während Nordseeöl so viel kostete wie seit drei Jahren nicht, lag der US-Ölpreis leicht unter seinem unlängst markierten Siebenjahreshoch. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 84,66 $. Das waren 66 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 72.31 -0.63%)) stieg um 59 Cent auf 81,90 $.

Aufgrund der stark steigenden Preise für Gas und Kohle (Kohle 133.50 0%) ist vorerst auch am Erdölmarkt keine Entspannung in Sicht. Da Erdöl begrenzt als Ersatz für andere Energieträger verwendet werden kann, greift die Energieknappheit zunehmend auf den Ölmarkt über. Eine entsprechende Warnung hatte am Donnerstag die Internationale Energieagentur IEA ausgesprochen. Gründe für die Preisrally sind sowohl Engpässe auf der Angebotsseite als auch die konjunkturell bedingt steigende Nachfrage.

(Bitcoin 49'559.00 -1.73%)" data-qa-component="item-headline" data-rc-highlight="headline">Bitcoin knackt erstmals seit Mitte April 60’000-Dollar-Marke

Die schwelenden Inflationsängste haben Bitcoin zum Wochenschluss noch einmal ordentlich Schwung verliehen. Die grösste und älteste Cyberdevise knackte auf der Handelsplattform Bitstamp das erste Mal seit Mitte April wieder die Marke von 60’000 $, sie stieg in der Spitze um 4,6 Prozent. Das Allzeithoch liegt bei knapp 65’000 $. «Anleger sehen im digitalen Gold womöglich eine bessere Inflationsabsicherung als im physischen Gold», schreiben die Analysten der LBBW in einem Kommentar. Allein in diesem Monat hat Bitcoin rund 37 Prozent an Wert zugelegt. Gold kommt im selben Zeitraum auf ein Plus von bis zu 2,5%. Derzeit sorgen vor allem Energiepreise, aber auch coronabedingte Nachholeffekte für anhaltenden Inflationsdruck.

Treiber der jüngsten Bitcoin-Rally sind laut Analyst Timo Emden von Emden Research aber auch Spekulationen auf die Zulassung des ersten börsengehandelten Fonds auf Grundlage von Futures-Kontrakten in den USA. Die US-Börsenaufsicht SEC ist laut Bloomberg bereit, den Handel mit dem ersten US-Bitcoin-Futures-ETFs ab nächster Woche zu erlauben. «Die Genehmigung eines börsengehandelten Fonds auf amerikanischen Grund und Boden wäre ein Ritterschlag für Bitcoin und Co», sagte Emden. Damit wären Kryptowährungen vielleicht endgültig im Mainstream angekommen.

Leser-Kommentare