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SMI schliesst unter der 12’000 Marke

Am Schweizer Aktienmarkt herrschte zum Wochenschluss ein Wechselbad der Gefühle. Der SMI schliesst unter der 12'000 Marke bei 11'935.53 Punkten.

(AWP) Der Leitindex des Schweizer Aktienmarkts, SMI (SMI 12'037.89 +0.21%), hat am «Hexensabbat» nach einem schwankenden Tag deutlich unter 12’000 Punkten geschlossen. Nach einem freundlichen Start ging es zunächst bergab, bis sich der Kurs am Nachmittag wieder aufrappelte, nur um dann nach der schwachen Eröffnung der US-Börsen noch stärker zu fallen. Der von der Universität Michigan erhobene Konsumentenstimmungsindex lieferte ein weniger positives Bild als es Analysten im voraus gezeichnet hatten. Dazu kommt, dass die Anleger nach wie vor verunsichert sind durch die Schieflage des chinesischen Immobilienriesen Evergrande (3333 0.28 -7.77%).

Aber auch die Aussagen von EZB-Vize Luis de Guindos dürften bei den Aktienhändlern alles andere als Euphorie auslösen: Ihm zufolge dürfte die Inflation in der Eurozone noch höher ausfallen als aktuell prognostiziert, falls die Lieferkettenprobleme und die dadurch ausgelöste Chipknappheit weiter anhält. Die Teuerung im Währungsraum des Euro hat im August bereits den höchsten Stand seit beinahe zehn Jahren erreicht. Die anderen grossen Börsen zeigten am grossen Verfallstag auslaufender Terminkontrakte auf Aktien und Indizes an den Terminbörsen ebenfalls einen Schaukelkurs. Vom «grossen Verfall» oder «Hexensabbat» sprechen die Börsenteilnehmer dann, wenn der letzte Handelstag aller vier Derivate-Typen, also der Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien, auf denselben Tag fällt.

Der SMI schloss um 0,77% tiefer bei 11’935,53 Punkten und schloss damit die dritte Woche in Folge mit Verlusten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, büsste 1,03% ein auf 1961,07 Punkte, während der umfassende SPI (SXGE 15'510.26 +0.13%) um 0,66% auf 15’474,81 Punkte fiel. 25 der 30 SLI-Werte schlossen im roten Bereich.

Am tiefsten zog es Clariant (CLN 17.96 +0.03%) nach unten, dies im Sog einer allgemeinen europäischen Schwäche von Chemiewerten. Die Titel verloren knapp 3,9%.

Gesundheitswerte wie Straumann (STMN 1'846.00 -0.91%) (-1,9%), Alcon (ALC 74.86 +0.27%) (-1,7%), Sonova (SOON 373.20 +1.3%) (-1,3%) standen ebenfalls weit oben auf den Verkaufslisten der Börsenhändler. Damit bewegten sie sich entgegen dem europäischen Trend – im Eurostoxx schlossen Gesundheitswerte insgesamt positiv. Lonza (LONN 748.80 +1.91%) tauchte um 2,9%. Morgan Stanley (MS 101.10 +0.44%) senkte das Rating auf «Equal Weight» von «Overweight».

Nachrichten gab es von den beiden Pharmakonzernen Roche (ROG 356.90 +1.33%) und Novartis (NOVN 77.43 -0.37%), diese lösten aber keine grossen Kurskapriolen aus. Roche wird Zwischenergebnisse zu seiner Brustkrebs-Therapie Giredestrant am Kongress ESMO zeigen. Novartis wird am gleichen Anlass neue Daten zur Radioligandentherapie 177Lu-PSMA-617 zeigen. Roche verloren am Handelstag 0,7 und Novartis 0,6%.

Schwach performten auch Finanzwerte wie Zurich (-2,0%), Swiss Re (SREN 81.82 -0.73%) (-1,8%) und Swiss Life (SLHN 485.30 -0.19%) (-0,8%). Die Banken Julius Bär (BAER 65.46 +0.49%) und UBS (UBSG 15.95 -0.47%) schlossen beide bei minus 1,0%, während sich die CS mit einem Minus von 0,04 am besten unter den Finanztiteln über Wasser hielt.

Techwerte wie Logitech (LOGN 82.62 -0.7%) (-1,7%), Temenos (TEMN 117.40 -1.92%) (-0,9%) und AMS (-0,3%) wurden ebenfalls verkauft, nachdem auch die US-Technologiebörse Nasdaq deutliche Verluste zeigte. Die Aktien des Computerzubehörherstellers Logitech lösen kommenden Montag Swatch im Aktienolymp SMI ab.

Auf der anderen Seite des Spektrums schlossen die beiden Luxustitel Swatch (+3,4%) und Richemont (CFR 110.05 +0.36%) (+1,5%) ab. Sie hatten die letzten Tage unter den Sorgen um den chinesischen Markt gelitten und zeigen nun eine Gegenbewegung. Für Swatch ist es der letzte Tag als SMI-Wert. Richemont wurde zudem von der CS auf die «Swiss Top Picks» Liste aufgenommen, unter anderem weil der Schlüsselbereich Jewellery Maisons zu einem starken Wachstum zurückgefunden hat, wie die zuständige Analystin schreibt.

Positiv schlossen ausserdem Swisscom (SCMN 543.40 -0.22%) (+0,9%), die nach ihrem Einbruch Anfang Woche auf Erholungskurs sind, genauso wie Adecco (ADEN 47.45 +0.85%) mit einem Plus von 0,4%. Als einziger Gigant im Markt gaben Nestlé (NESN 117.26 +1.12%) mit einem positiven Tagesschluss von +0,1% ein leichtes Gegengewicht zu der roten Börse.

Am breiten Markt fielen vor allem CPH (CPHN 72.60 0%) auf, die den Tag mit einem Plus von 7,1% beendeten. Die Titel haben im bisherigen Monatsverlauf bereits rund 12% gewonnen. Ebenfalls schnitten Wisekey (WIHN 1.13 +0.89%) (+6,0%) positiv ab. Das Unternehmen hatte gestern nach Handelsschluss bekanntgegeben, dass es eine neue Art Director für seine Kunstplattform Wise.Art gefunden hat, die die künstlerische Expansion des Marktplatzes vorantreiben soll.

Mit einem Minus von 5,6% bildet der Hotel- und Spitalkonzern Aevis (AEVS 13.00 -1.89%) Victoria das Schlusslicht im SPI. Dem Unternehmen dürfte eine Managementtransaktion zu schaffen gemacht haben. Am Vortag hatte ein hochrangiger Manager Aktien des Konzerns im Wert von 4 Millionen Franken verkauft.

Euro und Franken geben gegenüber Dollar etwas nach

Der Euro und der Franken haben am Freitag in einem ruhigen Umfeld gegenüber dem Dollar etwas nachgegeben. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1743 $ und damit etwas weniger als am frühen Nachmittag (1,1782).

Zum Franken stieg der Dollar mit 0,9308 Fr. über die Marke von 0,93 Fr. Kurz nach Mittag hatte der «Greenback» erst 0,9274 Fr. gekostet. Der Euro verharrte gegenüber dem Franken bei 1,0927 Fr., nachdem er am Mittag die 200-Tagelinie überschritten hatte, wie Charttechniker anmerken. Nun stehe aber ein wichtiger Widerstand bei 1,0941 Fr. an.

Die trübere Stimmung an den Aktienmärkten stützte die Weltleitwährung Dollar und belastete den Euro. Dem Markt fehlte es aber an klaren Impulsen. Es wurden zwar die Inflationsdaten aus der Eurozone für den Monat August veröffentlicht. Es handelte sich aber nur um eine zweite Schätzung. Die Daten aus der ersten Erhebung wurden bestätigt.

Demnach hat die Inflation im Euroraum im August deutlich zugelegt und den höchsten Stand seit fast zehn Jahren erreicht. Die Verbraucherpreise sind gegenüber dem Vorjahr um 3,0 Prozent gestiegen. Im Juli hatte die Rate noch bei 2,2 Prozent gelegen. Die EZB sieht in den Daten ein durch die Corona-Krise ausgelöstes vorübergehendes Phänomen und will an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten.

Das von der Universität von Michigan erhobene Konsumklima der USA hat sich im September weniger als erwartet aufgehellt und bleibt so auf einem niedrigen Niveau. Die Kaufbereitschaft wird vor allem durch die zuletzt deutlich gestiegenen Preise gedämpft, erklärte die Universität. Auch die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus laste weiter auf der Stimmung.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85363 (0,85025) britische Pfund, 129,61 (128,67) japanische Yen und 1,0931 (1,0886) Schweizer Franken fest.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1750 $ gehandelt. Das waren rund 3 $ weniger als am Vortag.

Ölpreise geraten unter Druck

Die Ölpreise haben am Freitag von erhöhtem Niveau aus nachgegeben. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 74,83 $. Das waren 86 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 81.68 -2.04%)) fiel um 1,08 $ auf 71,54 $.

Die Ölpreise litten unter der trüberen Stimmung an den Aktienmärkten. Belastet wurden die Ölnotierungen zudem durch den zuletzt steigenden Dollar, der Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen verteuert und so die Nachfrage dämpft. Rohöl wird international in Dollar gehandelt, weshalb Wechselkurseffekte von Bedeutung sind.

In der ablaufenden Woche haben die Ölpreise trotzdem merklich zugelegt. Unterstützung kommt vor allem von der Angebotsseite: Weil im Golf von Mexiko wegen der Nachwirkungen des Hurrikans Ida immer noch zahlreiche Förderplattformen brach liegen, hinkt die US-Produktion der Nachfrage hinterher. Selbst das steigende Angebot des Ölverbunds Opec+ kann den Mangel nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) derzeit nicht ausgleichen.

Dow steht still – Grosser Verfall und Fed-Sitzung voraus

Die US-Anleger haben vor dem Wochenende den Rückzug angetreten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor am Freitag 0,2% auf 34.675 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) und der Index der Technologiebörse Nasdaq gaben je 0,4% auf 4454 und 15.116 Punkte ab.

Tech-Schwergewichte wie Facebook (FB 341.59 +0.24%) , Microsoft (MSFT 308.90 +0.49%), Nvidia (NVDA 224.66 +1.64%), Google-Inhaber Alphabet (GOOGL 2'837.27 +0.07%), Advanced Micro Devices und Tesla (TSLA 898.81 +3.81%) verloren bis zu ein Prozent.

Aktien der Investmentgesellschaft Invesco kletterten hingegen um mehr als sechs Prozent, nachdem Medienberichte über ein mögliches Zusammengehen mit der Vermögensverwaltungssparte von State Street (STT 99.10 -0.27%) aufkamen. Die Gespräche zwischen den beiden Unternehmen seien noch in einem frühen Stadium, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Laut den Analysten von Morningstar (MORN 286.58 +0.7%) würde dadurch ein Branchenriese mit mehr als fünf Billionen Dollar an verwalteten Vermögen entstehen.

Für grössere Kursbewegungen bei Einzelwerten dürfte im Verlauf der Verfallstermin sorgen. Am sogenannten Hexensabbat schwanken die Kurse in der Regel stärker als gewohnt, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

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