Am 26. September wählen die Deutschen ihren Bundestag, mit gut 700 Sitzen ein Monsterparlament. Freilich sind die Parlamente des Vereinigten Königreichs, Frankreichs und ­Italiens noch ausufernder, wenn jeweils beide Kammern addiert werden. Das britische House of Commons ist auf 650 Mandate begrenzt, das House of Lords dagegen nicht. Italien kennt den perfekten Bikameralismus mit den zwei gleich­berechtigten Häusern Camera dei deputati (630) und Senato della Repubblica. Frankreich hat zunächst einen mächtigen Staatspräsidenten – das Parlament besteht aus der Assemblée Nationale (577) und dem Sénat. Deutschland übrigens hat mit dem Bundesrat zwar auch eine Art zweiter Kammer, doch ist sie nicht vom Volk direkt bestellt, sondern sie ist die Konferenz der sechzehn Landesregierungen. Die volkreichste Demokratie überhaupt ist Indien. Das Parlament ist nach Westminster-Vorbild aufgebaut, in Lok Sabha (545) als Unterhaus und Rajiya Sabha als Oberhaus. Das EU-Parlament in Strassburg gehört naturgemäss auch zu den grössten. Im Vergleich dazu sind die Parlamente der altgedienten Demokratien USA und Schweiz wohltuend übersichtlich. Sie sind auch exakt gleich aufgebaut – die Schweiz übernahm 1848 schliesslich dieses Modell aus der amerikanischen Verfassung. Chinas Nationalkongress übrigens, eine Marionettenbühne, fällt einzig durch seine Gigantomanie auf.