Märkte / Aktien

SMI schliesst fester

Der Schweizer Aktienmarkt schloss am Mittwoch deutlich fester als noch am Vortag. Der SMI schliesst bei 11'628,33 Punkten.

(AWP/Reuters) Nach den kräftigen Verlusten vom Vortag hat der Schweizer Aktienmarkt am Mittwoch zu einer Gegenbewegung angesetzt und klar fester geschlossen. Beherzte Anleger griffen vor allem bei den stark gefallenen Aktien kräftig zu. Dabei hat der Leitindex SMI (SMI 12'199.21 -2.01%) einen Teil der Vortageseinbussen wieder wettgemacht. Am Dienstag war er zeitweise um mehr als 1000 Punkte unter das Rekordhoch von Mitte August gefallen. Ob damit die Marktbereinigung bereits ausgestanden ist, ist nach Ansicht von Händlern ungewiss. Denn die Probleme, die die Kursabschläge ausgelöst haben, bleiben nach wie vor ungelöst und dürften weiterhin für volatile Märkte sorgen.

Die Liste der Abwärtsrisiken sei immer länger geworden und könne nun nicht mehr ignoriert werden, schreibt Oanda. Die Anleger sollten etwa den Streit um die Anhebung der US-Schuldengrenze im Auge behalten. Bleibt eine Einigung aus, droht der Government Shutdown. Zudem wollen die Zentralbanken damit anfangen, die lockere Geldpolitik allmählich zu straffen, was die Bondrenditen weiter steigen lässt. Auch nähmen angesichts der steigenden Energie- und Rohstoffpreise die Inflationserwartungen zu. Und der ins Taumeln geratene chinesische Immobilienriese Evergrande (3333 0.29 -6.3%) dürfte die Märkte weiter in Atem halten. Ausserdem scheine die Erholung der Wirtschaft an Schwung zu verlieren, hiess es.

Der SMI schloss um 1,24% höher auf 11’628,33 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und in dem die Gewichtung der Schwergewichte gekappt ist, rückte «nur» um 0,82% auf 1891,97 Punkte vor. Der breite SPI (SXGE 15'600.34 -1.89%) gewann 1,07% auf 15’016,78 Zähler. Rund ein Drittel der 30 SLI-Werte legten um ein Prozent und mehr zu. Sieben Titel aber gaben nach.

Allerdings hatte sich die Liste der Gewinner im Verlauf immer wieder etwas geändert. Gefragt waren stets Titel, die in den letzten Tagen besonders stark unter die Räder gekommen waren. Nestlé (NESN 120.50 -1.26%) schlossen um 2,3% höher und setzten sich damit zusammen mit Swisscom (SCMN 518.00 -1.86%) an die Spitze bei den Blue Chips.

Der Telekomtitel Swisscom profitierte von einem positiven Kommentar der US-Bank JPMorgan. Mit den Papieren der Pharmafirmen Vifor, Roche (ROG 358.60 -0.95%) und Novartis (NOVN 74.72 -2.42%) sowie dem Riechstoffhersteller Givaudan (GIVN 4'523.00 +0.62%) waren weitere defensive Werte in der Spitzengruppe zu finden.

Mit Richemont (CFR 133.45 -5.12%) und Swatch sowie Geberit (GEBN 693.40 -0.94%) schwenkten auch Zykliker auf Erholungskurs ein. Vor allem die beiden Luxusgüterhersteller hatten zuletzt stark unter den China- und Konjunktursorgen gelitten und entsprechend klar nachgegeben.

Zu den Gewinnern zählten zudem die Finanzwerte UBS (UBSG 15.62 -5.79%), Julius Bär (BAER 57.28 -3.89%), Partners Group (PGHN 1'530.50 -2.39%) sowie die Versicherer Zurich, Swiss Life (SLHN 515.20 -2.94%) und Swiss Re (SREN 86.26 -4.2%) mit Gewinnen zwischen 1,5 und 0,8%. Credit Suisse (CSGN 8.88 -3.48%) hinkten dagegen etwas hinterher.

Bei den Aktien von Kühne+Nagel, Sonova (SOON 346.30 -1.17%) und Adecco (ADEN 44.54 -3.34%), die am Vortag stark unter Gewinnmitnahmen gelitten hatten, fiel die Erholung mit einem Kursplus von 0,2% bescheiden aus. Bei Straumann (STMN 1'892.00 -2.87%) hielten die Gewinnmitnahmen gar an.

Derweil konnten sich Logitech (LOGN 78.20 +4.02%) nur wenig vom Kurseinbruch am Vortag erholen. Ein negativer Kommentar von Morgan Stanley (MS 97.93 -3.15%) hatte die Aktien am Dienstag «versenkt». Ähnliche Erfahrungen machten auch die Papiere von Schindler (SCHP 241.40 -1.63%), die nach einer Verkaufsempfehlung von SocGen nachgaben. Schwächer waren zudem Holcim (LHN 46.27 -2.98%), Temenos (TEMN 123.20 -1.95%) und AMS.

Am breiten Markt legten Burckhardt Compression (BCHN 401.50 -3.14%) dank eines Analystenkommentars zu. Sulzer (SUN 85.10 -5.18%) waren am Tag vor dem Börsenstart von Medmix (MEDX 43.06 -3.54%) gefragt. Die Sulzer-Tochter wurde vom Konzern ausgegliedert. Am Donnerstag wird ihre Aktie erstmals an der SIX gehandelt.

Erholungstendenzen waren bei Technologieaktien wie Comet (COTN 330.50 -3.5%), VAT, U-blox und Sensirion (SENS 118.40 -2.47%) nicht auszumachen. Deutlich tiefer schlossen zudem Schlatter (STRN 24.00 0%), Coltene (CLTN 101.80 -1.74%), Meyer Burger (MBTN 0.46 -2.6%) und Georg Fischer (FI-N 1'369.00 -2.7%).

Euro auf tiefsten Stand seit November 2020 – Dollar-Franken bei 0,93

Der Euro hat am Mittwoch weiter nachgegeben und sich 1,16 $ angenähert. Am späten Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1613 $. Dies ist der niedrigste Stand seit November 2020.

Auch zum Franken gewinnt der Dollar weiter an Wert und kostet zuletzt 0,9337 Fr. Der Euro wiederum notiert nach einer vorübergehenden Schwäche etwas höher mit 1,0843 Fr. Zeitweise war die Gemeinschaftswährung bis auf 1,0821 gesunken.

Der Euro steht zum Dollar schon seit einigen Wochen unter Druck. Ein wichtiger Grund ist der Unterschied der geldpolitischen Ausrichtung der beiden Notenbanken EZB und Fed. Während die USA auf eine geldpolitische Wende zusteuern, zeigen die Europäer bisher keine solche Neigung. Die Erwartung einer etwas weniger grosszügigen Geldpolitik lässt den Dollar steigen, während der Euro an Boden verliert.

Am Nachmittag gaben robuste Wirtschaftsdaten aus den USA dem Dollar Auftrieb. In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der noch nicht ganz abgeschlossenen Hausverkäufe im August deutlich gestiegen. Der Anstieg der sogenannten schwebenden Hausverkäufe war stärker als von Volkswirten erwartet. Historisch niedrige Kreditzinsen, ein zuletzt moderaterer Preisanstieg und mehr verfügbare Immobilien stützen den für die Gesamtwirtschaft wichtigen Immobilienmarkt.

Die Augen der Anleger richten sich auf eine hochrangig besetzte Diskussionsrunde von Notenbankern. Im Rahmen einer EZB-Konferenz diskutieren am frühen Abend die Zentralbankchefs vier grosser Notenbanken miteinander. Ob in der Runde mit Christine Lagarde (EZB), Jerome Powell (Fed), Andrew Bailey (Bank of England) und Haruhiko Kuroda (Bank of Japan) neue geldpolitische Akzente gesetzt werden, ist aber fraglich.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86443 (0,85950) britische Pfund, 129,89 (130,17) japanische Yen und 1,0829 (1,0840) Schweizer Franken fest.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1731 $ gehandelt. Das waren rund 2 $ weniger als am Vortag.

Ölpreise geben nach jüngstem Höhenflug moderat nach

Die Ölpreise sind am Mittwoch nach dem jüngsten Höhenflug etwas gefallen. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 78,64 $. Das waren 46 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 68.18 -12.6%)) fiel um 49 Cent auf 74,80 $.

Damit haben sich die Ölpreise wieder von ihrem am Vortag erreichten hohen Niveau entfernt. Der Brent-Preis war am Dienstag mit mehr als 80 $ auf einen dreijährigen Höchststand gestiegen. Wesentliche Gründe für den Höhenflug sind eine starke Nachfrage aufgrund der globalen Konjunkturerholung vom Corona-Einbruch und eine Angebotsknappheit aufgrund von Engpässen vor allem in den USA.

Belastung kam zuletzt durch die insgesamt trübe Finanzmarktstimmung und neue Lagerdaten aus den USA. Dort meldete das American Petroleum Institute (API) am Dienstagabend einen deutlichen Aufbau der landesweiten Erdölvorräte. An diesem Mittwoch veröffentlicht das US-Energieministerium seine wöchentlichen Zahlen. Sollte sich auch hier ein Anstieg ergeben, wäre es der erste Zuwachs seit mehreren Wochen.

Commerzbank-Experte Carsten Fritsch verweist auf den am Vortag veröffentlichen langfristigen Ölmarktausblick des Rohölkartells Opec. Die Opec bleibe mit Blick auf die Nachfrageaussichten zwar grundsätzlich optimistisch. Sie sei jedoch etwas skeptischer als noch vor einem Jahr, da sich mit der Pandemie das Verbrauchsverhalten durch das mobile Arbeiten verändert habe.

Wall Street wieder im Aufwind – Tech-Werte gefragt

 Gestützt auf eine Erholung der Technologiewerte geht es an der Wall Street wieder aufwärts. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 legten zur Eröffnung am Mittwoch jeweils rund ein halbes Prozent zu. Auch bei Staatsanleihen entspannte sich die Lage. Dadurch fiel die Rendite der zehnjährigen Treasuries auf 1,499%.Anleger seien erleichtert, dass die Bond-Renditen vorerst nicht weiter stiegen, sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Damit blieben Aktien als Renditebringer bis auf weiteres alternativlos. Allein US-Kleinanleger hätten den jüngsten Kursrücksetzer genutzt, um 1,9 Mrd. $ in die Wall Street zu pumpen, schrieben die Analysten des Research-Hauses Vanda. Sie griffen vor allem zu Technologiewerten, die zuletzt unter die Räder gekommen seien.

Gefragt waren auch Boeing (BA 199.21 -5.41%), die sich um gut vier Prozent verteuerten. Der Flugzeug-Hersteller hofft nach einem erfolgreichen Testflug für die chinesische Aufsicht mit einer raschen Flugerlaubnis für die 737 MAX durch die Behörde. Maschinen dieses Typs waren 2019 nach zwei Abstürzen weltweit mit Flugverbot belegt worden.

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