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Syngenta-VRP: «470 Fr. waren eine Illusion»

Michel Demaré, VR-Präsident von Syngenta, will das Unternehmen einer Totalüberprüfung unterziehen und Möglichkeiten ausloten, um das Geschäftsportfolio zu optimieren, wie er im Interview mit der FuW erläutert.

Herr Demaré, sind Sie erleichtert, dass Monsanto aufgegeben hat?
In gewisser Weise ja; es war nun das dritte Mal, dass Monsanto uns angegangen ist. Es gab viele Behauptungen, Vorschläge, Teil­informationen und viele Gespräche am Telefon und in Meetings, doch am Ende erhielten wir nie wirklich präzise Antworten auf unsere Fragen, etwa um den ganzen Themenkomplex der Risiken eines Zusammenschlusses, der konkreten Synergien und auch der Steuern – immer bekamen wir nur vage Antworten. Und ich bin erleichtert, dass nun das ewige Sich-selbst-Verteidigen aufhören kann. Doch wer weiss, vielleicht kommen sie ja ein viertes Mal. Ich bin etwas erleichtert, aber nicht entspannt.

Es gab also Gespräche mit Monsanto?
Ja, ich erhielt allein sechs Telefonanrufe von Hugh Grant während der zwei ersten Augustwochen. Dass wir nicht kontaktierbar waren, wie das Monsanto immer erzählt hat, stimmt also nicht.

Glauben Sie, das ist nur ein taktischer Rückzug?
Ich weiss es nicht. Ich habe Hugh Grant immer gesagt, solange es keine klaren Antworten auf unsere Fragen gibt, gibt es keine Transaktion. Ich weiss nicht, was sein nächster Zug sein wird.

Viele Aktionäre sind frustriert. Was machen Sie, um den Kurs wieder hochzubringen?
Wir müssen uns erklären, das Vertrauen zurückgewinnen und Resultate liefern. Ich will auch klar darauf hinweisen, dass die genannten 449 oder 470 Fr. eine Illusion waren. Es hätte 18 Monate gedauert, bis die Transaktion vollzogen worden wäre. Doch bis zum Schluss hätten grosse Risiken bestanden, ob es klappt.

Nur wer wagt, kann auch gewinnen.
Es geht eben viel tiefer. Die grossen kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen sind ein Hemmnis. Es ist schon schwierig, im Rahmen der integrierten Strategie unsere Saatgut- und Pflanzenschutz-Leute dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. Müsste dasselbe mit Leuten aus einer fremden Unternehmenskultur getan werden, wird das noch viel schwieriger. Die Aktionäre müssen verstehen: Das war keine sichere Sache. Einige Investoren haben von Horizonten geträumt, die einfach zu unklar sind.

Was tun Sie, um den Aktienpreis wieder hochzubringen?
Der Aktienkurs steht jetzt leicht über dem Niveau, das er vor dem Monsanto-Vorstoss hatte. Doch die Titel unserer Konkurrenten stehen bis 20% niedriger. Unsere Aktien haben sich relativ besser gehalten. Das führe ich auf unsere Erklärungen anlässlich der Halbjahreszahlen und auf unsere Roadshows zurück.

Analysten und Investoren wollen schnell Fortschritte in den Resultaten sehen. Was können Sie denen offerieren?
Das ist noch etwas früh, um darüber zu reden. Wir werden unser Produktportfolio einem Totalreview unterziehen, vor allem auf der Saatgutseite. Danach werden wir sehen, ob es geeignete Transaktionen gibt, um uns zu verbessern – mit Partnerschaften und Joint Ventures etwa.

Und auf kürzere Zeit?
Einige dieser Dinge können kurzfristig erfolgen. Doch was wir nicht wollen, ist, das Ergebnis kurzfristig zu Lasten der Zukunft aufzubessern. Wir müssen verantwortungsvoll bleiben.

Viele Analysten zweifeln an der Erreichbarkeit des Margenziels bis 2018.
Wir stehen jetzt mitten im Jahr 2015, es bleiben noch immer dreieinhalb Jahre Zeit. Angesichts der stark schwankenden Rohwarenpreise ist es zu früh, um zu sagen, dass wir es nicht erfüllen können.

Sie haben eine fragmentierte Aktionärsbasis. Versuchen Sie nun, eine Gruppe von Kernaktionären aufzubauen?
Das ist kurzfristig nicht zu machen, doch wenn wir eine grössere Akquisition machten, wäre es etwa möglich, einen grossen Investor mit an Bord zu nehmen, in dem er die Transaktion durch den Kauf von Syngenta-Aktien mitfinanziert.

Der Aktienpreis ist nun wieder niedrig. Macht das Syngenta nicht angreifbar durch Aktionärsaktivisten?
Ich habe keine Angst vor Aktionärsaktivisten. Wir würden versuchen, mit ihnen in konstruktiven Dialog zu treten. Doch wir würden uns nicht von unserer langfristigen Optik abbringen lassen.

Wird Syngenta das Kostensenkungsprogramm beschleunigen?
Wir sind bereits etwas im Vorsprung und wir werden alles tun, um es möglichst schnell umzusetzen. Und wenn wir mehr Senkungspotenzial orten, werden wir auch das anpacken, das ist klar.