Mit dem Kurbecher durch Karlsbad schlendern und heilkräftige Wässerchen schlürfen: Seit dem Fall der Mauer 1989 ist das für eine internationale Gästeschar wieder en vogue. Was aus den Quellen Westböhmens sprudelt, fördert Stoffwechsel und Verdauung, saniert krankes Zahnfleisch, erhöht die Immunität, ist dem lahmen Leibe eine lindernde Labsal. Karl IV., böhmischer König und römisch-deutscher Kaiser, badete im 14. Jahrhundert daselbst seine kranken Füsse, was ihm so wohltat, dass er dem Ort seinen Namen verlieh. Richtig aufwärts ging’s erst ab 1711/12, nach Besuchen von Zar Peter dem Grossen. Die Russen kamen wieder. Vor fünfzig Jahren, am 21. August 1968, überfielen Truppen aus der Sowjetunion, Polen, Bulgarien und Ungarn den «Bruderstaat» Tschechoslowakei, der des Kreml-Kommunismus leid geworden war. Derweil schwenkten im Westen einfältige Studenten Heiligenbilder von Mao, Ho & Co. Moskau setzte sich durch, doch zum Preis moralischen Bankrotts: Sowjetkommunismus war  «out». Nun sind sie schon wieder da – reiche Russen, mit Bargeld statt Bajonetten. Sie besitzen die besten Immobilien in Karlovy Vary. Kyrillische Beschriftungen sind allgegenwärtig. Nicht nur zur grenzenlosen Freude aller Tschechen.