Das Marzilibähnli zuckelt auf- und abwärts, sehr steil: Auf der 105 Meter kurzen Fahrt bewältigt es 31 Höhenmeter. Wer sommers vom erfrischenden Mittagsbad in der Aare an den Arbeitsplatz in der Stadt zurückkehrt, kann sich rasch und schweissfrei für 1.50 Fr. hochhieven lassen. Umgekehrt fährt feierabends gar mancher vom Dienst am Vaterland ermattete Bundesbeamte hüftgelenkschonend ins heimische ­Marziliquartier hinunter. Jährlich wird so, man staunt, rund 1 Mio. Passagiere befördert. Ahnungsarme Touristen kriegen schon mal zu hören, das Gebäude rechts mit den hellgrünen Kuppeln beherberge die Verwaltung der Drahtseilbahn Marzili-Stadt Bern AG: Berner, der Name sagt es, lieben es, anderen einen Bären aufzubinden. Eingeweihten hingegen ist klar, dass dort stolz das Parlamentsgebäude emporragt, die politische Herzkammer der Eidgenossenschaft. Als 1902 erstmals National- und Ständerat in ihren neuen Sälen tagten, war das Marzilibähnli schon siebzehn Jahre in Betrieb. Den modernen Bundesstaat, der sich diesen Palast schenkte, gibt es seit immerhin 174 Jahren. Wird, wie landesüblich, der legendäre 1. August 1291 bevorzugt, steht sogar der 731. nationale Geburtstag bevor. Glückwunsch! (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)