«City of hurried and sparkling waters! City of spires and masts! City nested in bays! My City!» – so besang um 1860 Walt Whitman, der wohl grösste Dichter der USA, seine ­Heimatstadt New York. Wiedererkennen würde er sie heute nicht mehr. Die Masten sind aus dem Hafen verschwunden, gesegelt wird nur noch zum Vergnügen; die Türme aus Whitmans Tagen wären Winzlinge, sie haben Titanen aus Stahl, Beton und Glas Platz gemacht. Sie alle überragt das One World Trade Center, vom Boden bis zur Nadelspitze 1776 Fuss hoch. Prosaisch entsprechend 541 Metern, doch symbolisch Bezug nehmend auf die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. Das 2014 eröffnete Gebäude ist sozusagen auferstanden aus Ruinen. Dort standen die Zwillingstürme des World Trade Center, bis vor genau zwanzig Jahren: Die schändlichen Attentate vom 11. September 2001 sind in die Geschichte eingegangen – verdichtet zu «9/11» als Formel des Schreckens. Die in ihrem Stolz verwundete Supermacht USA begann daraufhin um sich zu schlagen, eher über Gebühr. Der Blick auf die Skyline lässt erkennen, was wirklich zählt: Man lässt sich nicht unterkriegen, sondern rappelt sich wieder auf, höher als zuvor. (Bild: Raimund Koch/View Keystone)