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In Sicherheit investieren

Europäische Militärbudgets werden hochgeschraubt, digitale Abwehrlösungen sind gefragt. Davon profitieren europäische Rüstungsunternehmen.

Die Rüstungsindustrie ist ungefähr so sexy wie Tabakhersteller, Glücksspielanbieter und Rohstoffkonzerne. Also gar nicht. Insbesondere in Europa haben ESG-Kriterien (Umwelt, ­Soziales, Geschäftsführung) immer grösseren Einfluss auf Investorenentscheide. Rüstungsunternehmen befinden sich auf der falschen Seite dieser Debatte.

Das erklärt die Imagekampagnen des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV), der beteuert, dass die «Sicherheit die ­Mutter aller Nachhaltigkeit» sei. Zudem erläutern Pressemitteilungen der Rüstungsunternehmen, wie sie den Militärs dabei helfen, ihren CO2-Ausstoss zu re­duzieren.

Doch die Produktion von Waffen – selbst wenn man sie als Verteidigungs- und nicht als Angriffssysteme vermarktet – kann noch so klimafreundlich und das Unternehmen noch so gut geführt sein, als soziales Geschäftsmodell lässt sie sich nicht verkaufen.

Geld oder Moral?

Es sei nichts Unmoralisches daran, Waffen für die Polizei und das Militär von Nato-Staaten und «anderen vergleichbaren Ländern» herzustellen, kontert der BDSV. Zudem seien Kampfflugzeuge, Panzer, Marineschiffe und Gewehre nicht in denselben Topf zu werfen wie Chemiewaffen. Der Vergleich hinkt, da Letztere durch ein internationales Abkommen praktisch auf der ganzen Welt verboten sind. Dennoch stimmt es natürlich, dass sich die kotierten europäischen Unternehmen an die Regeln und die Gesetze halten.

Ob man mit Krieg Geld verdienen will, ist eine moralische Frage, die jeder Anleger selbst beantworten muss.

So ver­bietet die Schweiz – wie viele andere ­Staaten auch – die Finanzierung von «verbotenem Kriegsmaterial», dazu zählen biologische und chemische Waffen, Streumunition, Antipersonenminen und Atomwaffen. Eine Ausweitung dieses Verbots – dass die SNB und Vor­sorgeeinrichtungen gar nicht mehr in Kriegsmaterialproduzenten investieren dürfen – wurde im November 2019 vom Schweizer Stimmvolk abgelehnt. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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